Da gehörte er tatsächlich der Welt - vor allem jener der Medien. Alles riss sich um ihn. "Und mitten im größten Wirbel habe ich mich gefragt: Wer bin ich wirklich? Was will ich? Und dann habe ich mir selbst die Antwort gegeben: Du darfst Dein Ich nie verlieren. Erfolg ist schön, genieße ihn, aber laß Dich davon nicht blenden. Bleib am Boden und bleib ehrlich - vor allem zu Dir selbst."
"Will noch viele Zeile erreichen"
Das hat auch etwas mit dem Häusl in Gai bei Tofaiach zu tun. "Klar, ich will noch viel von der Welt sehen, vielen Menschen begegnen, viel lernen. Die Persönlichkeitsbildung hört nie auf. Und ich will auch noch viele Ziele erreichen, hart dafür arbeiten. Aber was sind Erfolge, was ist die so genannte Berühmtheit wert, wenn sie nicht mit Zufriedenheit und innerer Ruhe verbunden sind?"
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Die Zufriedenheit hat er an jenem 2. November in Australien auch gespürt. "Es war das Ende eines Weges, den ich gehen wollte. Das Resultat von viel harter Arbeit. Ein Gipfelsieg. Eine Etappe vor dem nächsten Anlauf. Glück? Natürlich war auch Glück dabei. Aber es war nicht so intensiv, wie jenes, das ich empfunden habe, als man mich später daheim, in Trofaiach, als Weltmeister empfangen hat. Das war Wärme, das war Heimat, das war - einfach unglaublich. Man hat den Schülern frei gegeben, damit sie dabei sein konnten. Für mich, den Hannes Arch! Wie in Hollywood hat man mir erlaubt, meine Hand- und Fußabdrücke in Beton zu verewigen. Da hab ich mich wieder gefragt: Was bin ich, wer bin ich? Die Antwort war: Der Hannes aus Trofaiach - und der will ich auch bleiben."
Der Traum vom Fliegen
"Ich war gerade 15, als ich den Hängegleiterschein gemacht hab. Aus Abenteuerlust und weil ich immer schon weiter sehen, meinen Horizont erweitern wollte. Geographisch, aber auch innerlich. Das Leben auskosten, mehr davon haben. Das selbe Gefühl hat mir das Klettern gegeben. Ans Limit gehen, ganz knapp - aber nie darüber hinaus."
"Das Klettern war meine Lebensschule"
Der Knackpunkt kam, als er 19 war. "Wir waren fast immer zu Dritt in den Wänden unterwegs. Wahrscheinlich waren wir damals die ersten echten Freikletterer in der Steiermark. An einem Tag, an dem ich zufällig nicht dabei war, sind meine beiden Freunde im Gesäuse tödlich abgestürzt. Neben der Trauer habe ich eine große Einsamkeit gespürt. Ich war jetzt allein. Sollte ich alles aufgeben, oder weitermachen? Da hab ich ganz stark empfunden, dass gerade sie gewollt hätten, dass ich das Klettern nicht aufgebe. Heute weiß ich, dass meine Entscheidung richtig war. Das Klettern war meine Lebensschule und ist es noch immer."
"Im Grenzbereich gibt's keine Routine"
Beim Klettern hat er gelernt, das Risko richtig abzuschätzen. "Das war wahrscheinlich auch der Vorteil, den ich bei den Air Races gegenüber den alten, erfahrenen Piloten gehabt habe. Im Grenzbereich gibt's keine Routine - da geht man an das Limit. Wer am nächsten herankommt, der gewinnt, wer es überschreitet ist tot. Total mental. Man fliegt hauptsächlich im Kopf. Mein Sport besteht aus eineinhalb Minuten, in denen man alles einsetzen muss, das man hat."
"Back to the roots"
Hannes Arch hat sich sein Leben lang an Extremsituationen herangetastet und sie dann gemeistert. Bei den Base-Jumps von Matterhorn und Eiger - Aufsehen erregend und in allen Medien. Aber auch schon damals, als er in Graz noch Sportwissenschaften studiert hat ("bis zur nie geschriebenen Diplomarbeit") hat er ganz genau gewusst, wie man's richtig macht. In Graz hatte er als Student sogar einen Lehrauftrag. Klar, er hat Klettern unterrichtet. Und er klettert heute noch. Nach dem Motto "back to the roots", aber auch als Kopf-Training.
Klettern als Therapie
"Vor drei meiner wichtigsten Flüge bin ich heuer mit guten Freunden in den Fels gegangen. Das hat mir die Ruhe und Ausgeglichenheit gegeben, die letztendlich für die Erfolge ausschlaggeben waren." Die Kletter-Therapie war aber nur ein Teil des Erfolgsrezeptes, das den 41-Jährigen zum besten Air Race Piloten der Welt gemacht hat.
Für's Fliegen zehn Kilo Muskelmasse abgebaut
"Meine Konkurrenten kommen ausschließlich aus der Fliegerei - ich aus dem Sport. Und ich war der Erste, der die Sache auch als Sport betrachtet hat. Zunächst hab ich mich physisch in Top-Form gebracht und zehn Kilo Muskelmasse abgebaut (je leichter der Pilot, desto leichter das Flugzeug), dann habe ich mir einen Mentaltrainer für den Kopf genommen, die Wettbewerbe ständig innerlich im Kopf abgespult und mich selbst dabei beobachtet. Dann habe ich die Besten für mein Team gesucht und das Material in optimalen Zustand gebracht."
Hirn und Herz. Das ist Hannes Arch. Man kann auch Mut und Intelligenz hinzufügen. Vor allem hat er aber jene Bescheidenheit und Bodenständigkeit, die man braucht um vom "Shooting Star" nicht zum "Falling Star" zu werden.
Das Red Bull Air Race
Das Red Bull Air Race gilt als die "Formel 1" der Lüfte. Die 12 besten Piloten der Welt starten dabei an acht Schauplätzen: Abu Dhabi, San Diego, Detroit, Rotterdam, London, Budapest, Porto und Perth. Ziel jedes Piloten ist es, einen Kurs, der durch luftgefüllte Riesenpfeiler markiert ist, so rasch wie möglich zu bewältigen. Berührt man dabei einen Pfeiler, gibt es 10 Strafsekunden.
Hannes Arch wurde bereits in seinem zweiten Jahr als Air Race Pilot Weltmeister vor dem Briten Paul Bonhomme und dem Amerikaner Kirby Chambliss.
von Werner Kopacka, "Steirerkrone"
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