Di, 17. Juli 2018

Verschmutze Raab

20.09.2008 19:53

"Stufen-Plan" und Seitenhiebe gegen Greenpeace

Der steirische Lederhersteller Wollsdorf verwies am Freitag in Graz auf seine Bemühungen in Sachen Raab-Schaum-Problematik: Wie das Umweltministerium bescheinigt habe, sei man bei der Umsetzung eines Zwei-Stufen-Planes zur Verbesserung der Abwasserreinigung im Zeitrahmen, hieß es. Die Angriffe von Greenpeace auf die Firma seien nicht nachvollziehbar.

"Eine NGO hat die Möglichkeit, zum Beispiel auf EU-Ebene ein Verbot von 1,5-Naphtalindisulfonat in Gang zu bringen und sich nicht nur auf einen kleinen oststeirischen Lederhersteller zu konzentrieren", so Geschäftsführer Joachim Haidacher.

"Millionen für Schadstoffreduktion"
Man nehme die Kritik aber ernst, man habe schließlich auch eine Umweltverantwortung. Der erste Teil des Stufenplans bis Ende 2008 (Investitionsvolumen 1,2 Mio. Euro) werde bereits eine Entlastung bringen und nach internen Berechnungen eine Reduktion der Jahresmenge von 1,5-Naphtalindisulfonat um bis zu 70 Prozent bzw. der Jahresmenge von 5,7 auf rund 1,75 Tonnen. Mit der zweiten Stufe bis Ende 2010 werde dann die Allgemeine Emissionsverordnung (AEV) Gerberei von 2007 erfüllt. Auf wie viel die Investition hier kommen werde, könne aufgrund der noch nicht klaren technologischen Anforderungen nicht gesagt werden.

Raab-Schaum hat andere Gründe
Diese chemische Verbindung sei übrigens nicht verantwortlich für die Schaumbildung auf der Raab, sagte Haidacher. Das 1,5-Naphtalindisulfonat sei nicht verboten, gehöre zu den polaren Tensiden, die nicht Schaum bildend seien - ganz im Gegensatz zu nichtionischen Tensiden, die als Benetzungsmittel in Pflanzenschutzmitteln der Landwirtschaft zu finden seien. Hinsichtlich unterschiedlicher Messergebnisse bei AOX (halogen-organische Substanzen) am 20. August durch das Land Steiermark (0,811 Milligramm pro Liter) und einer eigenen, fremduntersuchten Probe (0,223 mg/l) gehe man von einem Messfehler aus und werde mit dem Land Steiermark Kontakt aufnehmen. Der Grenzwert beläuft sich auf 0,5 mg/l.

"Träge" Umstellung
Das von Greenpeace laut Wollsdorf inkriminierte 1,5-Naphtalindisulfonat sei als Verunreinigung in synthetischen Gerbstoffen - die für die Lederverarbeitung nötig seien - vorhanden. Man habe auf die chemische Industrie eingewirkt, und verwende nun eine andere Substanz als bisher, womit sich der Anteil der Chemikalie im Abwasser reduzieren werde. Allerdings werde das erst in etwa zwei Monaten zum Tragen kommen, da es sich bei der Kläranlage um ein "träges System" handle.

"Greenpeace sollte mehr tun"
Man stelle sich bei Wollsdorf allerdings die Frage, warum Greenpeace nicht auf Bundes- bzw. EU-Ebene aktiv werde, um bei 1,5-Naphtalindisulfonat eine gesetzliche Änderung zu bewirken. "Die Verunreinigungen in der Leder erzeugenden Industrie sind - verglichen mit Textilfärbereien und der Fertigbetonindustrie - vernachlässigbar", so Haidacher.

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