600 "blaue Briefe"

Der Magna-Motor stottert nicht

Steiermark
01.09.2008 23:44
Es war ein Paukenschlag, der zu Wochenbeginn die Steiermark aufgerüttelt hat. Magna-Steyr, industrielles Aushängeschild des Landes, muss 600 Angestellte - darunter 350 Zeitarbeiter - entlassen. Ende des Automobilwunders, oder nur ein Zwischentief? Inklusive Zulieferbetriebe gibt Magna immerhin 50.000 Menschen Brot und Arbeit. Der steirische Autocluster gilt als international renommiert und viel kopiert. Magna-Boss Siegfried Wolf (Bild) stellte sich den Fragen von Christoph Biró und Gerhard Felbinger.

600 Mitarbeiter müssen gehen, stottert der Magna-Motor ernsthaft?
"Nein, man kann gewiss nicht vom Stottern eines Motors reden. Wir nehmen unsere Aufgabe sehr ernst. Vor allem im Sinne unserer Mitarbeiter. Ich darf nur darauf hinweisen, wie viele neue Aufträge wir für die nächste Zukunft hereingeholt haben. Fast jeder internationale Auftrag, der im Pkw-Bereich nach außen vergeben worden ist, der ist zu uns nach Graz gekommen. Eine Trefferquote von 100 Prozent. Als Zulieferer können wir nur so erfolgreich sein wie unsere Kunden. Leider geht es momentan nicht allen unseren Kunden gut..."

Ihr Unternehmen ist der größte Arbeitgeber in der Steiermark, hat tolle Erfolge, doch mit der Kommunikation zu den Menschen im Land krankt es ein wenig. Warum?
"Grundsätzlich freuen wir uns natürlich über positive Resonanz und positive Meldungen. Aber wir müssen eines bedenken: Zu 99 Prozent sind wir unseren Kunden gegenüber zu Stillschweigen verpflichtet. Und das wiederum ist eine Verantwortung, die wir sehr, sehr ernst nehmen. Wir hatten ja schon aufgrund von Indiskretionen, oder weil andere gute Nachrichten zu früh "hinausposaunt" haben, sogar schon einen Auftrag verloren. Daher sind wir sehr vorsichtig."

Wie schaut's denn für die Zukunft aus, dürfen wir uns über ein neues automobiles Zeitalter in der Steiermark freuen?
"Ganz gewiss dürfen wir uns über eine neue Richtung im Automobilbau freuen. Dazu braucht es sehr viel Know-How, das wir durch unsere Mitarbeiter haben. Und wir bauen dieses Know-How in der Steiermark weiter aus. Wir schaffen derzeit 250 neue Arbeitsplätze im Engineering-Bereich und suchen qualifizierte Ingenieure."

Sie haben immer wieder betont, dass eine Teststrecke essentiell für Magna ist. Mit Voitsberg gibt es nach wie vor Probleme. Wie ist der aktuelle Stand?
"Der Standort Graz wird sich in Zukunft immer stärker in Richtung Komplettfahrzeugentwicklungen qualifizieren. Solche Entwicklungen brauchen neben dem theoretischen Know-How auch praktische Tests. Wir haben versucht, uns in Spielberg einzubringen. Nur das ist, wie Sie wissen, nicht zustande gekommen. Jetzt gibt es einen Investor in Voitsberg, der uns ein maßgeschneidertes Modell hinstellt. Wir können nicht jedes Fahrzeug zum Testen ins Ausland schippern. Um wettbewerbsfähig zu sein, brauchen wir dieses Testareal. Und ich finde es, höflich formuliert, traurig, dass da nichts weitergeht. Wenn wir uns als Autoland international positionieren wollen, dann müssen wir Komplettanbieter sein."

Das sind wir in der Steiermark im Moment also nicht?
"Noch einmal: Wir sind im Moment gehandicapt, weil wir kein umfassendes Angebot inklusive Testfahrten und Testergebnissen, die in Fahrversuchen ermittelt werden, geben können!"

Heißt das, dass es Probleme mit der Politik gibt? Dass es Missverständnisse oder ein schlechtes Verhältnis gibt?
"Magna hat keine Missverständnisse - Missverständnisse werden durch offene Kommunikation aus dem Weg geräumt. Mir geht es darum, dass man gemeinsam darüber nachdenkt, wie man den Standort wettbewerbsfähiger machen kann und nicht, wie man etwas verhindert. Denn das bedeutet Stillstand. Und Stillstand ist Rückschritt."

Es kursiert ein Gerücht, wonach noch in diesem Herbst ein Großauftrag für das Grazer Werk ins Haus flattern könnte. In welche Richtung geht das?
"Wir haben jetzt vier tolle Aufträge für die Steiermark, vier tolle Aufträge für unsere Mannschaft an Land gezogen. Das beweist, dass wir mit unseren sehr guten Mitarbeitern wirklich wettbewerbsfähig sind: den Mini Crossover. Dann lässt, übrigens das erste Mal, Frankreich mit dem Super-Peugeot-Sportwagen ein Auto komplett in Österreich bauen. Und Aston Martin lässt eines der prestigeträchtigsten Fahrzeuge überhaupt bei uns in Graz fertigen. James Bond fährt quasi Magna... Die Nummer 4: Porsche ist zurück in die Heimat gekommen. Zurück nach Österreich, wo der Grundstein des großartigen Erfolges der Familie Porsche gesetzt wurde. Das alles sind Signale dafür, wie sehr die Kunden mit unserer Arbeit zufrieden sind. Aber selbstverständlich würden wir uns auch über zusätzliche Aufträge freuen. Aber über die rede ich erst, wenn sie konkret eingebracht sind ..."

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