Die Devise für Graz lautet jedenfalls: Je mehr desto besser! Denn jeder Einwohner spült Geld in den leeren Stadtsäckel. "Seit dem Baby-Boom in den 50er- und 60er-Jahren war die Bevölkerungsentwicklung rückläufig", sagt Martin Mayer, Chef-Statistiker des Landes. Erst bei der jüngsten Volkszählung 2001 habe es wieder einen positiven Schub gegeben.
Zustrom von Ausländern
Die Gründe? An der guten Luft in der Feinstaubmetropole Graz liege es nicht, meint Mayer. Vielmehr sei - neben einer Offensive der Stadt, die 3.000 neue Hauptwohnsitzmeldungen brachte - die "große Zuwanderungswelle ab dem Jahr 2000" hauptverantwortlich. Besonders in den Jahren 2004 und 2005 habe Graz einen großen Teil der internationalen Migration nach Österreich abbekommen, sagt Mayer. Erst seit 2007 würde der Zustrom von Ausländern stagnieren.
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Aber auch die Landflucht sei ein Faktor, so der Statistiker. Bildungsangebot und die Situation am Arbeitsmarkt seien "entscheidende Argumente für ein Leben in der Stadt" und würden viele zum Umzug bewegen - so auch in Graz.
900 Euro pro Nase
Und noch dürfte das Ende der Fahnenstange nicht erreicht sein. Prognosen für das Jahr 2031 gehen von einer weiteren Bevölkerungszunahme auf 273.000 Einwohner aus. Der Stadt kann diese Entwicklung nur recht sein: Immerhin bringt jeder Einwohner mit Hauptwohnsitz in Graz 900 Euro.
Land wird immer "kahler"
Während sich Graz über einen nicht aufhören wollenden Zuzug freuen kann, werden die ländlichen Regionen immer stärker ausgedünnt. Das jüngste Zahlenmaterial der Statistik Austria zum Thema Bevölkerungsentwicklung weist unter den "Top 10"-Verlierern in Österreich gleich vier steirische Bezirke aus: Radkersburg, Leoben, Murau und Judenburg.
Ballungszentren werden "platzen"
Das demographische Zukunftsszenario für die Steiermark ist düster: 2030 wird jeder Dritte 60 Jahre und älter sein. Heute liegt der Anteil jener Bevölkerungsgruppe bei 20 Prozent. Gleichzeitig soll sich die Landflucht fortsetzen: Die Ballungszentren werden die Menschen künftig noch stärker anziehen, während der ländliche Raum weiter an die Peripherie gedrängt zu werden droht.
Die meisten Abwanderer gehen nach Graz
Auch die jüngste Statistik beinhaltet wieder alarmierende Fakten. Von den 17 steirischen Bezirken besteht nur in fünf Grund zur Freude. Einzig in Fürstenfeld, Weiz, Leibnitz, Graz-Umgebung und Graz sind die Menschen in den vergangenen sechs Jahren mehr geworden. Genau jene, die hier für die Urbanisierung sorgen, fehlen in den Regionen: "Die meisten Abwanderer gehen nach Graz, gleich danach kommt Wien, an dritter Stelle steht das Ausland", weiß Statistiker Mayer.
Arbeit und Babys
Vor allem eines bewegt die Menschen zum Umzug: "Die Leute gehen dorthin, wo es Arbeit gibt - das ist ganz simpel", sagt Mayer. Der Fachmann betont aber, dass neben der Abwanderung auch noch ein zweites Thema für die negativen Bilanzen sorgt: Die fehlenden Geburtenzahlen.
von Barbara Winkler und Gerald Richter, "Steirerkrone"
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