Werner Frömmel, Bau-Großindustrieller und Chef der am Projekt beteiligten Firma Mandlbauer, kennt die Unwägbarkeiten seiner Branche. Aber selbst ihm blieb angesichts der Begründung des Umweltsenates die Luft weg: "Das lassen wir so nicht stehen, wir werden bis zum Höchstgericht gehen!"
Gutachten nicht ganz aktuell
Konkret heißt es im Bescheid, es könne "nicht von einem Überwiegen des öffentlichen Interesses an der Projektentwicklung gegenüber jenem der Erhaltung der Waldfläche" gesprochen werden. Dass es auf dem Gelände aber seit 30 Jahren gar keinen Wald mehr gibt, dürfte den Gutachtern entgangen sein...
Die Empörung richtet sich also gegen einen Apparat, der es nicht der Mühe wert gefunden hat, vor Ort zur Verhandlung aufzutauchen; einen Apparat, der aus niedriger Schreibtischperspektive die Zukunft eines Landes gefährdet.
Entsprechend wütend ist Ernst Meixner, der Bürgermeister von Voitsberg: "Virtuelle Bäume sind in Wien wichtiger als Jobs!"
"Schon wieder ist eine Chance dahin"
Nach dem Aus für den Bergbau und der Schließung des Kraftwerks hatten viele auf die Teststrecke und Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region gehofft. Die "Steirerkrone" hat sich am "Tag danach" in der Bevölkerung umgehört.
Barbara Pendl (29): "Der Region hätte das Testcenter sicher viel gebracht. Arbeitsplätze wären so wichtig. Den Umweltaspekt darf man allerdings auch nicht außer Acht lassen."
Felix Perhofer (43): "Man hat uns eh schon den Bergbau weggenommen - und jetzt sind wieder einige Arbeitsplätze dahin. Die Politiker sollten sich endlich mehr für Voitsberg einsetzen."
Manuela Schriebl (41): "Ich bin alles andere als begeistert. Unserer Stadt hätte diese Investition gut getan. Aber es gibt natürlich immer ein Für und Wider. Warten wir einmal ab!"
Bürgermeister Ernst Meixner an den Umweltsenat: "Sie als 'Götter der Umwelt' brauchen sich keine Sorgen um Jobs machen. Wir schon."
"Wir brauchen dringend Jobs" - Kommentar
Es sind vitale Interessen der Steiermark, die da zum wiederholten Mal bedroht sind. Ob Spielberg oder jetzt Voitsberg: Ein paar Wiener Schreibtischhengste entscheiden, was von "öffentlichem Interesse" ist. Das ist unerhört! Steirische Interessen, Damen und Herren vom Umweltsenat, das sind 10.000 Jobs in den Magna-Werken, das sind weitere 40.000 in der Zuliefer-Industrie. Steirisches Interesse, das ist Technik-Forschung, sind Fachhochschulen, die allesamt mit dem Auto-Standort verbunden sind. Und diese Steiermark braucht eine Teststrecke. Dringend, sonst sitzen bald Tausende qualifizierte Arbeitslose vor der Tür des Senates. Mit geballten Fäusten...
von Gerhard Felbinger und Gerald Schwaiger, "Steirerkrone"
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