Fr, 20. April 2018

Oberndorf

08.01.2018 20:11

Neubeginn im Blockhaus nach Hochwasser

Das Hochwasser hat ihr 2002 alles genommen: Berta Meisthuber aus Oberndorf war von rund 3000 Schäden in Salzburg am massivsten betroffen. Landesrat Josef Schwaiger, damals noch kein Politiker, half ihr beim Neubeginn: Ein kleines Blockhaus ist heute ihr Zuhause. "Ich bin glücklich", bedankt sie sich.

Berta Meisthuber (94) bittet ihre Gäste herein: Ein behagliches Zuhause, ganz aus Holz. Niemand ahnt beim ersten Betreten, was sie an der Alten Landstraße schon alles mitgemacht hat. Der Stille Nacht-Bezirk in Oberndorf wurde regelmäßig auch zur Hochwasser-Zone. Berta Meisthuber blättert in Alben schockierende Bilder von früher auf: Die Stille-Nacht-Kapelle von Wassermassen umgeben, das eigene Haus, schon in den 50ern fast weggeschwemmt

Bei Hochwasseralarm nimmt die Salzach kein Wasser mehr von Seitenbächen auf. Erst die neuesten Schutzmaßnahmen, wie die Oberndorfer Schneckenanlage, der stabilisierte Damm und eine mobile Tauchpumpe, lassen die Bewohner jetzt wieder ruhig schlafen. Den Junitag 2002, als ihr das Wasser alles nahm, wird Berta Meisthuber nie vergessen. "Da sind wir leider untergegangen", schildert sie schlimme Szenen. Das Wasser stieg binnen Minuten so schnell, dass sie auch kaum noch Möbel retten konnte. Nur zwei alte Kästen sind ihr geblieben: An den Innentüren sieht man bis heute die Wasser-Marke von damals

"Im Haus stand es 70 Zentimeter hoch", schildert Josef Schwaiger, 2002 noch Beamter beim Land. "Die einzige Alternative wäre gewesen, dass die Frau Meisthuber ins Seniorenheim kommt. Dafür war sie noch viel zu rüstig, sie wäre daran zugrunde gegangen." Am Haus, das um die Jahrhundertwende erbaut wurde, war nichts mehr zu retten. Schwaiger: "Die Situation hat einen gemeinsamen Eifer ausgelöst." Er war selbst gerade Häuslbauer in Berndorf und gab dann in Kuchl zwei Blockbauten in Auftrag. Neben Geldern aus dem Katastrophenfonds wurde alles zusammengekratzt: Spenden, Rabatte bei den Firmen Auch ein Keller war notwendig, weil das Haus sonst im Gefahrenbereich stehen würde.

Frau Meisthuber zog währenddessen notdürftig in ein Nebengebäude. Sie war - damals mit stolzen 80 Jahren - die erste und die letzte auf der Baustelle. "Eine, die anpackt", ist Landesrat Schwaiger beeindruckt. Berta Meisthuber froh: "Alleine hätte ich das alles nicht mehr geschafft." Im Jahr 2017 wurden in Salzburg wieder 12 Mio. € für besseren Schutz verbaut.

Sabine Salzmann, Kronen Zeitung

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