So, 18. Februar 2018

Drama in der Stmk

12.02.2018 17:10

Todesopfer und zahlreiche Verletzte bei Zugunglück

Tragisches Zugunglück Montagmittag im steirischen Niklasdorf: Zwei Personenzüge waren im Bereich des Bahnhofs zusammengestoßen, eine Garnitur entgleiste in der Folge. Eine Reisende kam bei dem Unglück ums Leben, 22 weitere Menschen - unter ihnen auch Kinder - wurden verletzt.

Die Züge - ein Eurocity mit Kurs von Graz nach Saarbrücken sowie eine S-Bahn in entgegengesetzter Richtung - waren gegen 12.45 Uhr beim Bahnhof Niklasdorf zusammengestoßen, wie ein ÖBB-Sprecher mittteilte. Zur Kollision kam es im Kreuzungsbereich mehrerer Gleise, hieß es.

Eigentlich sollten sie aneinander vorbeifahren, jedoch kam es dabei laut Polizei zu einer sogenannten Flankenkollision. Ein Waggon wurde bei dem Unglück auf der gesamten Seite aufgerissen, in diesem hatten sich auch die meisten jener Passagiere, die bei dem Unglück verletzt wurden befunden, hieß es. Eine Frau kam bei dem Unglück ums Leben - sie dürfte im Eurocity gesessen sein -, 22 weitere Menschen, unter ihnen auch drei Kinder, erlitten leichte Verletzungen.

Hubschraubereinsatz wegen Schlechtwetter nicht möglich
19 Rettungsautos sowie zwei Notarztfahrzeuge wurden zum Einsatzort beordert, weitere Helfer standen zusätzlich bereit, berichtete Lucas Kundigraber vom Roten Kreuz Steiermark. Die Verletzten wurden in umliegende Spitäler gebracht. Der Einsatz von Hubschraubern sei aufgrund des schlechten Wetters nicht möglich gewesen, hieß dazu seitens der Polizei. Der Rettungseinsatz war gegen 14.30 Uhr abgeschlossen.

Schienenersatzverkehr eingerichtet
Die Südbahnstrecke ist derzeit unterbrochen. Wie lange der Unfallbereich gesperrt bleibt, lasse sich noch nicht abschätzen, hieß es. Durch die Kollision dürfte es zu Schäden an Masten und Oberleitungen der ÖBB gekommen sein. Inwieweit das Gleisbett durch die aus den Schienen gesprungenen Züge in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist noch unklar. Die ÖBB richteten einen Schienenersatzverkehr zwischen Bruck und Leoben ein.

Auch die Unfalluntersuchungsstelle des Bundes habe mittlerweile ihre Arbeit aufgenommen, berichtete ÖBB-Sprecher Roman Hahslinger. Nun sollen die Fahrtenschreiber sowie die Signalstellungen und sogenannten Zufahrtsstraßen der Züge ausgewertet werden. 

Bestürzung nach Unglück
"In dieser schwierigen Situation sind unsere Gedanken und unser Mitgefühl bei den Betroffenen und deren Angehörigen. Unsere volle Unterstützung gilt den Einsatzkräften, Mitarbeitern und Helfern, welche die Menschen vor Ort versorgen. Wir danken allen für Ihren Einsatz", so ÖBB-Chef Andreas Matthä.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz drückte via Twitter seine Bestürzung aus:

Erschüttert zeigte sich auch der steirische Verkehrslandesrat Anton Lang: "Mein tiefstes Mitgefühl gilt in diesen tragischen Stunden der Familie des Verstorbenen sowie allen beim Unfall Verletzten", sagte Lang, der eine lückenlose Aufklärung der Unfallursache forderte. Lang bedankte sich auch bei allen Einsatzkräften, die an der Bergung der Verunglückten teilgenommen haben.

Ebenso drückten Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und sein Stellvertreter Michael Schickhofer den Hinterbliebenen des Todesopfers ihre Anteilnahme aus und wünschten den Verletzten rasche Genesung. "Das tragische Zugunglück in Niklasdorf zeigt, wie wichtig die haupt- und ehrenamtlichen Helfer von Feuerwehr und Rotem Kreuz für unsere Gesellschaft sind", sagte Schützenhöfer.

Zugunglücke in Österreich
Zugunglücke mit schweren Folgen sind in Österreich selten. In zwei Fällen sind innerhalb der vergangenen fünf Jahre je zwei Menschen ums Leben gekommen, einer dieser Unfälle geschah 2015 in der Steiermark. Relativ häufig kam es zu seitlichen Kollisionen von Zügen, wie am Montag in Niklasdorf.

22. Dezember 2017: Nach einer seitlichen Kollision im Bereich des Bahnhofs Kritzendorf bei Klosterneuburg entgleisen ein REX und ein Cityjet, zwei Waggons stürzen um. Zwölf Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer.

15. April 2017: Am Nachmittag des Karsamstags prallt am Bahnhof Wien-Meidling ein Railjet gegen eine leere Zuggarnitur. Neun Menschen erleiden leichte Blessuren.

29. November 2016: Ein Schnellbahnzug prallt in Wien-Penzing gegen fünf mit Holzstämmen beladene Güterwaggons, die sich am Bahnhof Wien-Hütteldorf selbstständig gemacht haben. Acht Menschen werden verletzt.

15. Juli 2015: Im Bahnhof Leopoldau in Wien kollidieren ein Personenzug ohne Passagiere und ein Güterzug seitlich. Beide Lokführer bleiben unverletzt.

6. Mai 2015: Beim Frontalzusammenstoß zweier Personenzüge der Steiermärkischen Landesbahnen auf einer eingleisigen Strecke zwischen Deutschfeistritz und Übelbach nahe Graz werden zwei Menschen tödlich verletzt.

27. März 2013: In Obereggendorf im niederösterreischichen Bezirk Wiener Neustadt kommen zwei Menschen ums Leben, als ein Güterzug auf einen Bauzug prallt.

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