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Aktien

aktien testWeniger als fünf Prozent der Österreicher besitzen Aktien. Im europaweiten Vergleich bilden die Alpenländler das Schlusslicht. Im Nachbarland Schweiz liegt die Aktionärsquote bei zwanzig Prozent und in den Niederlanden investiert ein Drittel der Bevölkerung an der Börse. Dabei sind in der anhaltenden Niedrigzinsphase Aktien – auf lange Sicht gesehen – eine attraktive, wenn auch riskantere Alternative zu Sparbüchern und anderen traditionellen Geldanlagen. Wer den Schritt aufs Börsenparkett wagen will, findet in diesem Artikel Tipps zum Aktienkauf, der Wahl der richtigen Wertpapiere und erfährt, welche typischen Anfängerfehler es zu vermeiden gilt.


Was sind Aktien?

Wenn wachsende Unternehmen Kapital zur Expandierung benötigen, haben sie mehrere Möglichkeiten. Neben dem klassischen Kredit von der Bank können unter anderem sie eine Aktiengesellschaft (AG) gründen und Anteile an ihrer Firma, die sogenannten Aktien, verkaufen. Der Vorteil: Sie bleiben frei von Schulden und Ratenzahlungen. Allerdings gehört die AG jetzt teilweise den Aktionären. So heißen Investoren, die solche Wertpapiere an der Börse kaufen. Gibt ein Unternehmen beispielsweise 100 Aktien heraus, gehört dem Käufer einer Aktie ein Prozent der AG.

In der Realität decken Unternehmen ihren Finanzierungsbedarf durch Fremdkapital wie Bankkredite und Eigenkapital aus der Herausgabe (neuer) Aktien.

Aktionäre erhalten jährlich eine Beteiligung am Gewinn des Unternehmens, die Dividende. Privatanleger, die Aktien in ihrem Depot haben, bekommen ihren Anteil automatisch aufs Verrechnungskonto ausgezahlt. Neben diesem Vermögensrecht steht ihnen ein Verwaltungsrecht zu. Einmal im Jahr lädt die AG alle Aktionäre zur Hauptversammlung ein. Auf der Tagesordnung stehen zum Beispiel die Wahl des Aufsichtsrats und wichtige, das Unternehmen betreffende, Entscheidungen. Pro Aktie hat jeder Aktionär eine Stimme. Je mehr Anteile ein Investor an einer Firma hält, desto größer ist sein Einfluss auf ihre zukünftige Entwicklungen, weil seine Stimme mehr Gewicht hat.

Die Börse ist im Grunde genommen ein Markt, auf dem jeder Aktien kaufen und verkaufen kann. Investoren erwerben Anteile in der Erwartung, dass der Unternehmenswert steigt und ihnen beim Verkauf der Anteile Gewinne bringt. Angebot und Nachfrage ändern sich ständig, darum bestimmen Börsenmakler den Aktienpreis täglich neu. Dadurch entsteht der Aktienkurs, der diese Preisschwankungen abbildet.


Was für Aktien gibt es?

börseAktien sind nicht gleich Aktien. Es existieren die folgenden Kategorien:

  • Stammaktien und Vorzugsaktien: Inhaber von Stammaktien haben ein Stimmrecht bei der Hauptversammlung. Wer Vorzugsaktien hat, darf sich an Abstimmungen nicht beteiligen und erhält zum Ausgleich eine etwas höhere Dividende.
  • Inhaberaktien und Namensaktien: Die meisten Aktien, die Privatanleger erwerben, sind Inhaberaktien. Alle Rechte stehen dem Inhaber zu, der diese Wertpapiere besitzt. Bei Namensaktien ist zuvor eine Eintragung des Besitzers im Aktienregister erforderlich.
  • Nennwert- und Stückaktien: Aktien, die auf einen festen Betrag lauten, heißen Nennwertaktien. Dieser Wert stand früher direkt auf dem Wertpapier, wie bei einem Geldschein. Multipliziert mit der Anzahl der ausgegebenen Aktien, entspricht das Ergebnis dem Grundkapital der AG. Der Mindestnennwert beträgt einen Euro, eine Ausgabe unter Nennwert ist untersagt. Demgegenüber stehen Stückaktien, die keinen Nennwert besitzen. Ihr Anteil am Grundkapital der AG wird in Prozent angegeben und ist für jede Aktie gleich groß. Sie sind an der Angabe o. N. im Aktiennamen erkennbar.
  • Junge und alte Aktien: Gibt eine AG zur Kapitalerhöhung neue Aktien heraus, die zusätzlich zu den bestehenden Aktien (Altaktien) in Umlauf kommen, handelt es sich dabei um junge Aktien. Inhaber von Altaktien haben ein Bezugsrecht und dürfen Jungaktien zum Vorzugspreis kaufen, damit sie weiterhin im gleichen Maße wie vor der Kapitalerhöhung an der AG beteiligt sind.
Wie kauft man Aktien?

Dem Einstieg in den Aktienmarkt geht sorgfältige Planung voraus. Am Anfang steht vor allem eins: Lernen. Dank moderner Medien schöpfen Neulinge aus einem gigantischen und immer erreichbaren Wissenspool: Finanzblogs und Youtube-Channel von Experten sind genauso lehrreich, wie Webinare, Fachmagazine.

Um den Aktienhandel zunächst im virtuellen Raum zu üben, sind Musterdepots eine hervorragende Sache. Die bieten viele österreichische Banken kostenlos an. Ideal, um zunächst einen Einblick in den Aktienmarkt zu gewinnen, ohne sein Kapital aufs Spiel zu setzen.

Apropos Spiel: Börsenspiele sind ebenfalls eine interessante Angelegenheit. Aktuell bietet die Wiener Börse eines in Kooperation mit Raiffeisen Oberösterreich an. Quereinsteiger sind jederzeit willkommen. Die Teilnehmer eröffnen ein fiktives Depot und bekommen 50.000 Euro Spielgeld. Damit handeln sie verschiedene Wertpapiere. Besonders erfolgreichen Anlegern winken wertvolle Preise.

Nach einer guten Vorbereitung kann es losgehen. Zunächst brauchen Anleger ein Wertpapierdepot mit Verrechnungskonto. Das bekommen sie bei beinah jeder Bank. Empfehlenswert sind die kostengünstigen Depots der Direktbanken und Onlinebroker. Neben den Gebühren ist die Produktauswahl entscheidend, die sich nämlich zwischen den Anbietern unterscheidet.

Wer sein Depot hat, überweist sein Kapital aufs Verrechnungskonto und kann direkt online Wertpapiere ordern. Dafür braucht er eine der beiden Wertpapierkennnummern der Wunschaktie (WKN oder ISIN) und befolgt dann die Anweisungen auf dem Bildschirm. Aktienkäufer per Telefon sind zwar noch möglich, aber mittlerweile mit immensen Gebühren verbunden. Dann lieber im Internet, oder?


Welche Aktien kaufen?

daxMit der Auswahl der richtigen Aktien steht und fällt der Anlageerfolg. Manche Wertpapiere versprechen eine hohe Rendite, sind dafür sehr riskant. Genau das ist übrigens der typische Fehler von Börsenneulingen: Sie kaufen eine einzige, noch dazu spekulative Aktie – und das geht fast immer schief.

Bevor es ans Ordern geht, bestimmen Einsteiger ihr Anlageziel als Ausgangspunkt aller weiteren Entscheidungen. Dafür beantworten sie sich die folgenden Fragen:

Wie viel Geld möchte ich in Aktien investieren? Vernünftige Kleinanleger wählen als Startkapital eine Summe, die sie tatsächlich übrig haben, die weder für Ratenzahlung noch größere Anschaffungen benötigt wird und deren Komplettverlust ihnen keine Schwierigkeiten bereitet. Bei der Berechnung hilft eine Gegenüberstellung aller Einnahmen und Ausgaben in Form eines Haushaltsplans. In der Regel liegt die Einstiegsinvestition bei 1.000 bis 2.000 Euro.

Wie viel Rendite erhoffe ich mir? Realistische Renditen betragen zwischen 5 und 10 % im Jahr. Alles darüber ist utopisch. Geldanlagen, die einen Gewinn von 20 % aufwärts versprechen, sind mitunter sehr riskant.

Wie lang soll die Geldanlage laufen? Die Festlegung des Anlagehorizonts ist eine individuelle Geschichte und hängt mit dem Zweck der Geldanlage zusammen. Soll damit zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Anschaffung finanziert werden? Oder dient sie der Altersvorsorge? Zudem stellen sich Anleger die Frage, wie lange sie auf das investierte Vermögen verzichten wollen. Dabei bedenken sie, dass sich an der Börse langfristige Anlagen ab fünf Jahren Laufzeit am meisten lohnen.

Welche Risiken will ich eingehen? Wer ein Depot eröffnet oder zu einem Anlageberater geht, muss zunächst einen Fragebogen ausfüllen und darin Angaben zu seinen Vorerfahrungen mit Geldanlagen machen. Anhand der Antworten wird der Neukunde dann einer Risikoklasse zugeordnet. Diese bestimmt, welche Produkte er ordern kann. Selbstverständlich dürfen Anleger mit niedrigem Risikoprofil in spekulative Aktien investieren. Dann aber auf eigene Verantwortung. Machen sie dadurch Verluste, können sie keine Ansprüche an die Bank stellen und behaupten, sie hätten von dem hohen Risiko nichts gewusst.

„Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäfte du auch verstehst“, sagte einst Warren Buffet und der muss es ja wissen, schließlich ist er dank seiner Börsengeschäfte der drittreichste Mensch der Welt.

Tatsächlich kann bei der Auswahl von Wertpapieren das eigene Konsumverhalten einen ersten Anhaltspunkt liefern. Wer die Produkte von BMW, Apple oder Siemens toll findet, möchte vielleicht Wertpapiere dieser Firmen kaufen. Allerdings ist es ratsam, nicht einfach auf gut Glück Daimler- oder andere Aktien zu ordern. Zunächst gibt ein Blick in die Entwicklung des Aktienkurses der Wunschaktie über die letzten zwölf bis sechsunddreißig Monate. Außerdem sei an dieser Stelle angemerkt, dass eine erfolgreiche Entwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftiges Wachstum geben kann. Als Beispiele seien hier die Tabakindustrie und ihre sinkenden Absatzmärkte genannt.

Es ist wichtig, aus dem schier unendlichen Wertpapierangebot Unternehmen auszuwählen, die in ihrer Branche etabliert und bei denen in der Zukunft Erfolge zu erwarten sind, und die eine gute Dividende ausschütten. Im Aktienhandel gehören die Lektüre von Geschäftsberichten und Recherche von Absatzmärkten zur Auswahl investitionswürdiger Wertpapiere dazu. Im Idealfall entdecken Anleger bei ihrer Recherche unterbewertete Aktien von Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial, die günstig zu haben sind und eine hohe Rendite abwerfen. Diese sogenannten Value-Aktien sind unter Investmentprofis heiß begehrt.


Wie viele Aktien kaufen?

Investoren wissen, dass Risikominimierung beim Börsenhandel der Schlüssel zum Erfolg ist. Statt ihr Vermögen in eine einzige Aktie zu stecken (ein typischer Anfängerfehler!), verteilen sie es auf Wertpapiere diverser Firmen, die aus verschiedenen Ländern und Wirtschaftszweigen stammen. Diese Strategie heißt Diversifikation. Dahinter steckt folgender Gedanke: Während ein Unternehmen gerade in der Krise steckt, reitet ein anderes gerade auf der Erfolgswelle und gleicht den Verlust aus. Und je weiter entfernt sie voneinander sind – ob räumlich oder branchenbedingt – desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Börsenkurse gleichzeitig eine Talfahrt hinlegen. Hauptsache, unterm Strich stehen positive Zahlen. Bei entsprechend langfristigem Anlagehorizont macht sich eine geringe Rendite bezahlt.

Doch Vorsicht, Diversifikation heißt nicht, sein Depot bis zum Rand mit Aktien vollzustopfen, sondern eine sinnvolle Aufteilung anzustreben. Manche Berater empfehlen neuen Anlegern, mindestens fünf Aktien in ihrem Depot zu lagern. Die genaue Anzahl hängt von der Höhe des Startkapitals ab. Anfänger lesen mitunter die Empfehlung, zunächst auf Wachstums- und Value-Aktien setzen. Sicherheitsorientierte Anleger haben Anleihen, Mischfonds und Zertifikate im Depot. Aktienfonds und Indexfonds, wie der Deutsche Aktienindex (DAX), sind für Anleger mit kleinem Startkapital die einfachste Möglichkeit, diversifiziert zu investieren.


Typische Anfängerfehler beim Aktienhandel vermeiden

aktienkurseWer etwas Neues beginnt, macht Fehler. Das gehört zum Prozess dazu. Wichtig ist es jedoch, aus seinen Missgeschicken zu lernen. Manche Fehler häufen sich unter Newbies. Damit Verbraucher sie von Beginn an vermeiden, hier eine Liste mit den typischen Fehlern:

Hin und her macht Taschen leer“ – diese alte Tradingweisheit sei allen Börsenneulingen ans Herz gelegt. Denn vor allem private Anleger, die ihr Depot selbst verwalten, neigen dazu, es bei geringen Kursschwankungen sofort umzuschichten. Studien zeigen, dass solche hektischen Käufe und Verkäufe häufig zum falschen Zeitpunkt stattfinden und Vermögensverluste verursachen. Eine zusätzliche Minderung der Rendite entsteht durch die für jede Transaktion anfallenden Gebühren. Erfahrungsgemäß erholen sich die Kurse nach einer kleinen Talfahrt wieder, doch dann ist der Anleger bereits abgesprungen. Aktionären, denen die Gelassenheit fehlt, einen fallenden Börsenkurs auszusitzen, investieren ihr Geld besser woanders.

Zu hohe Erwartungen: Noch immer glauben viele Menschen, dass sie durchs Aktienkaufen innerhalb kürzester Zeit reich sein werden. Diese Gier aufs schnelle Geld lässt sie Wertpapiere mit hoher Rendite kaufen. Doch jährliche Gewinne über 10 % sind utopisch oder mit hohen Risiken verbunden.

Fehlende Kenntnis über die Spielregeln der Börse: Mit Aktien zu handeln klingt leichter, als es ist. Kleinanlegern sei dringend empfohlen, sich vor ihrer ersten Order weiterzubilden. Sei es in Seminaren, mithilfe von Büchern, Blogs oder Börsenmagazinen. Dabei kommt es vor allem auf ein stabiles Grundwissen in den Themenbereichen Wahl der richtigen Aktie und Risikomanagement an.

Aktien mit Kredit kaufen: Profianleger handeln mit geborgtem Geld. Private Investoren, denen die langjährige Erfahrung an der Börse fehlt, kaufen ihre Aktien bitte ausschließlich von eigenem Geld. Extra für diesen Zweck einen Kredit aufzunehmen oder Freunde anzupumpen, kann böse enden. Im schlimmsten Fall sind Investition und Darlehen weg, zurück bleibt ein Haufen Schulden.


Fazit

Aktien sind eine interessante Option für alle, denen die Zinsen ihres Tagegeldkontos zu niedrig sind. Dank Internet steht Kleinanlegern die Tür zur Börse weit offen. Mit einem Wertpapierdepot und einem Startkapital von ein- bis zweitausend Euro investieren sie direkt in börsennotierte Unternehmen und erhalten in Form der einmal pro Jahr ausgeschütteten Dividende ihren Anteil am Erfolg. Um das bei Wertpapiergeschäften bestehende Risiko zu senken, verteilen Anleger ihr Vermögen auf Aktien von verschiedenen Firmen oder investieren in Aktienfonds. Wer mit Aktien seine Altersvorsorge aufbessern oder ein Vermögen bilden will, braucht Gelassenheit, Geduld und zumindest Grundkenntnisse in Sachen Börse. Kleinanleger, die diese Bedingungen erfüllen und ihre Hausaufgaben gemacht haben, können in zehn oder zwanzig Jahren die Früchte ihrer Mühen ernten.

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