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28.01.2024

KARRIERE MIT LEHRE IN KÄRNTEN

Jugend hat bei Umwelt noch Wissenslücken

Foto: mindscapephotos-stock.adobe.com 124)

Eine Welle der Veränderung rollt durch Österreich und sie trägt den Namen „Green Jobs“. Sie verheißt ein enormes Potenzial für die Wirtschaft. Doch eine neue Studie zeigt: Unsere Jugend ist auf diese Welle kaum vorbereitet.

In einer Zeit, die sich unaufhaltsam mit der Nachhaltigkeitswelle verändert, stehen Green Jobs im Zentrum einer zukunftsweisenden Transformation. Eine kürzlich durchgeführte Analyse von Deloitte und Green Tech Valley hebt die immense Bedeutung dieser Berufsfelder hervor und zeigt Wege auf, wie Unternehmen in Österreich und darüber hinaus die grüne Wende erfolgreich gestalten können.

Die Studie, die in Kooperation mit dem Green Tech Valley Cluster und Deloitte Österreich entstand, legt offen, dass Green Jobs nicht nur eine Chance, sondern eine Notwendigkeit für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sind. Juliana Wolfsberger, Expertin für Future of Work bei Deloitte Österreich, betont die Dringlichkeit: „Bis zu 100.000 neue Arbeitsplätze mit Nachhaltigkeitsfokus könnten in den nächsten fünf Jahren entstehen. Eine Herausforderung, die jedoch ein klares Commitment von Politik und Wirtschaft verlangt.“ Obwohl 71 Prozent der Unternehmen laut Studie bereits mindestens einen Green Job anbieten, besteht ein großer Informationsmangel. Viele Betriebe, die derzeit keine Green Jobs haben, erwarten auch in Zukunft keine. Es wird deutlich, dass eine inhaltliche Anpassung bestehender Arbeitsplätze erforderlich ist, um sie in grüne Jobs zu transformieren.

Wirtschaft und Bildung müssen Hand in Hand gehen

Bernhard Puttinger, Geschäftsführer von Green Tech Valley, unterstreicht die Wichtigkeit von nachhaltigen Geschäftsmodellen und der Entwicklung entsprechender Kompetenzen: „Nachhaltigkeit ist nun auf der Agenda der Unternehmen und die Interessen von Arbeitskräften und Unternehmen treffen hier aufeinander.“

Eine besondere Herausforderung stellt der Fachkräftemangel dar, insbesondere in Bezug auf Frauen in Green Jobs. Wolfsberger betont die Bedeutung von Kooperationen und die Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen, um diese Lücke zu schließen. Die Studie zeigt zudem, dass Unternehmen mit einem klaren Nachhaltigkeitsansatz und entsprechenden Jobangeboten langfristig am Arbeitsmarkt erfolgreich sein werden. „Die Talente von heute erwarten echte Taten, nicht nur Versprechen“, so Puttinger.

Vor allem die Jugend weist Informationsdefizite auf

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Studie ist das Informationsdefizit unter Jugendlichen. Eine Umfrage des Instituts für Jugendkulturforschung, durchgeführt im Auftrag von oecolution austria, offenbart, dass das Konzept der Green Jobs bei Jugendlichen in Österreich weitgehend unbekannt ist. Obwohl 90,2 Prozent mit dem Begriff "Recycling“ vertraut sind, können nur 48,2 Prozent etwas mit “Green Jobs“ anfangen. Besonders bedenklich ist dies in der Altersgruppe der 14bis 16-Jährigen, die kurz vor beruflichen Weichenstellungen stehen.

Bernhard Heinzlmaier, Jugendforscher, betont die Bedeutung dieser Erkenntnis: „Green Jobs sind unter den Jugendlichen ein blinder Fleck. Es mangelt an Informationen und hier muss dringend gehandelt werden.“ Elisabeth Zehetner, Geschäftsführerin von oecolution austria, fordert einen Schulterschluss für eine Green-Jobs-Info-Offensive. Sie argumentiert, dass Investitionen in Green Jobs nicht nur den Jugendlichen, sondern auch unserem ökologischen System zugutekommen.

Die Studie beleuchtet zudem die Lebenszufriedenheit der Jugendlichen und ihre Sorgen. Während die meisten Jugendlichen mit ihrem Leben zufrieden sind, machen ihnen Themen wie Krieg, das Aussterben von Tierarten und Wassermangel große Sorgen. Klimawandel rangiert auf Platz acht des Sorgen-Rankings.

Interessanterweise zeigen die Jugendlichen ein starkes Vertrauen in Technologien, wenn es um die Zukunftsvorstellungen geht. So erwarten 70 Prozent, dass die Gewinnung von Energie aus Solaranlagen und Windrädern in 20 bis 30 Jahren normal sein wird. Rund 69,7 Prozent gehen davon aus, dass Materialien zukünftig so hergestellt werden, dass sie wiederverwendet werden können. Auch der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Vorhersage von Umweltkatastrophen wird von 65,4 Prozent als zukunftsträchtig angesehen. Die Studie hebt hervor, dass Jugendliche die Wichtigkeit persönlicher Verantwortung im Umwelt- und Klimaschutz erkennen. Die Mehrheit ist der Meinung, dass jeder Einzelne im Alltag etwas zum Umweltschutz beitragen kann und dass der Einsatz aller verfügbaren Technologien gegen den Klimawandel notwendig ist.

Trotz der hohen Akzeptanz für Technologien im Umwelt- und Klimaschutz zeigt die Umfrage auch eine Diskrepanz auf: Fast jeder zweite Jugendliche (48,3 Prozent) sieht derzeit keine Klimakrise. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden Aufklärung und Bildung in Bezug auf ökologische Herausforderungen und Green Jobs.

Abschließend betont Zehetner: „Diese Studie ist ein wichtiger Schritt, um zu verstehen, wo wir ansetzen müssen, um Jugendliche für den Klimaschutz zu begeistern und ihnen Karrierewege in diesem Bereich aufzuzeigen.“

Info

Als Green Jobs werden Arbeitsplätze im Umweltsektor bezeichnet. Laut Definition der Europäischen Union (EU) sind Green Jobs Arbeitsplätze in der Herstellung von Produkten, Technologien und Dienstleistungen, die Umweltschäden vermeiden und natürliche Ressourcen erhalten.