Das freie Wort

Drei Kapitäne auf der „Titanic Österreich“

Österreich gleicht längst einem schwer beschädigten Schiff mitten im Sturm. Die Wellen heißen Inflation, Rezession, Arbeitslosigkeit, Betriebsschließungen, Rekordschulden und Zukunftsangst. Auf der Brücke stehen gleich drei Kapitäne: Stocker, Babler und Meinl-Reisinger. Drei Menschen am Ruder – und trotzdem kein Kurs, keine Richtung und kein Land in Sicht. Während die Bevölkerung bei Energie, Miete und Lebensmitteln kaum noch weiß, wie sie den Monat überstehen soll, beschäftigt sich die Regierung lieber mit Symbolpolitik, Steuerlotto-Ideen und dem Verschieben von Geld von der linken in die rechte Tasche. Dieses Land wird verwaltet, aber nicht geführt. Besonders bitter: Das einstige Musterschüler-Schiff Österreich fährt inzwischen sogar unter EU-Aufsicht. Brüssel hat bereits ein offizielles Defizitverfahren eröffnet, weil Budgetloch und Schuldenlast außer Kontrolle geraten sind. Jahrzehntelang hieß es „Koste es, was es wolle“. Bezahlen müssen nun Pensionisten, Arbeitslose, Familien und Geringverdiener. Selbstbehalte im Gesundheitsbereich, Druck auf Reha- und Kuraufenthalte, Einsparungen bei sozial Schwachen – während gleichzeitig Millionen für Apparate, Berater, Inserate und parteipolitische Versorgungsposten weiterfließen. Und als wäre das nicht genug, werden weiter Unsummen für fragwürdige Förderprojekte ausgegeben – etwa für skandalöse „Performances“ im Kulturbereich, für die der normale Bürger längst jedes Verständnis verloren hat. Währenddessen explodieren die Staatsausgaben, die Industrie verliert an Wettbewerbsfähigkeit und immer mehr Traditionsbetriebe sperren zu oder wandern ab. Tausende Menschen fürchten um ihre Arbeitsplätze, während die Politik über neue Steuern und Belastungen diskutiert. Gleichzeitig warten Patienten monatelang auf Arzttermine oder Operationen, Pflegekräfte laufen am Limit und viele Gemeinden wissen nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. Dazu taumelt das Land durch einen Dauersturm aus Postenschacher, Packelei und Korruptionsaffären. Die Verurteilung von Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid, die Causa Wöginger, Inseratenaffären und Ermittlungen gegen Spitzenpolitiker haben das Vertrauen vieler Menschen endgültig zerstört. Immer öfter entsteht der Eindruck, dass für die politische Elite andere Regeln gelten als für die arbeitende Bevölkerung. Besonders grotesk wirkt der Zustand beim ORF. Ein Sender, der dem Volk gehört und vom Volk bezahlt wird, produziert einen Skandal nach dem anderen. Die Bestellung des neuen ORF-Generals gerät zur peinlichen Politfarce: Offiziell läuft eine „Ausschreibung“, doch viele Bürger haben längst den Eindruck, dass der Posten hinter den Kulissen bereits vergeben wurde und die Öffentlichkeit nur noch Statist in einem abgesprochenen Schauspiel ist. Gleichzeitig leisten sich Politik und staatsnahe Betriebe weiter Spitzengehälter, Luxusbüros und aufgeblähte Apparate, während dem normalen Bürger erklärt wird, er müsse „den Gürtel enger schnallen“. Diese Doppelmoral macht viele Menschen nur noch wütend. Genau darin liegt die eigentliche Tragödie: Obwohl drei hoch bezahlte Kapitäne am Steuer stehen, wirkt dieses Schiff führungslos. Es wird gestritten, taktiert und verwaltet, aber niemand vermittelt den Eindruck, Österreich wirklich aus diesem Sturm führen zu können oder zu wollen. Die Menschen spüren längst, dass dieses Schiff gefährlich Schlagseite hat. Viele wissen nicht mehr, welchen Rettungsring sie zuerst greifen sollen: Nebenjob, Kreditstundung oder den Verzicht auf Dinge, die früher selbstverständlich waren. Gleichzeitig wird selbst dort gespart, wo ein Staat seine schützende Hand über die Schwächsten halten müsste – in der Pflege, bei Menschen mit Behinderung und bei sozial Bedürftigen. Beihilfen werden gekürzt, Förderungen gestrichen und Betroffene fühlen sich zunehmend im Stich gelassen. Und wie heißt es so treffend? Am Ende verlassen die „Ratten“ als Erste das sinkende Schiff – und bringen ihre Schäfchen rechtzeitig ins Trockene. Der Rest der Besatzung kämpft währenddessen ums tägliche Überleben!

Alessandro Ferrari, Wien

Erschienen am So, 24.5.2026

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