Der österreichweite Mangel an Kinderärzt/innen ist ein gesellschaftlicher Missstand. Sie müssen mit ihrer Arbeit ein umfassendes Aufgabengebiet abdecken. Es sind nicht nur die vielfältigen Infekte der Kinder. Spezialkenntnisse in Kinderorthopädie, Kinderpsychologie etc. sind unbedingt erforderlich. Die Aufklärung der Eltern über die lebensnotwendigen Impfungen gestaltet sich oft als sehr zeitaufwendig. Das empathische Gespräch mit den Eltern wird durch Sprachbarrieren und ständigen Zeitdruck oft erschwert. Alle kleinen Patienten verdienen es, an den Fortschritten der Medizin teilzuhaben. Eine gute Diagnostik bedarf moderner Untersuchungsmethoden wie Ultraschall, EKG etc. Die dafür notwendige Infrastruktur muss der Facharzt aus eigenen Mitteln schaffen. Wieso gehen viel zu wenige Kinder- und Jugendärzt/innen in die Praxis? Die Kassenpraxis zwingt den Kolleg/innen einen Arbeitsstil auf, der geprägt ist von ständigem Zeitdruck, großem bürokratischem Aufwand und einer hohen Patientenanzahl, wobei für den einzelnen Patienten wenig Zeit und Zuwendung bleibt. Es ist an der Zeit, auch über die Kassenhonorare der Kinder- und Jugendärzt/innen zu sprechen. Die Kinderärzt/innen haben fast ausschließlich Kassenpatienten. Das Honorar der ÖGK für eine klinische Untersuchung und Therapie beträgt in Tirol für ein Kind vor dem 6. Geburtstag 12,30 Euro, ab dem 6. Geburtstag 9 Euro. Ein komplettes Blutbild wird mit 21,39 Euro vergütet. Kinderpsychologische Beurteilung ist im Leistungskatalog gar nicht aufgeführt, obwohl gerade in diesem Bereich viel Zeit notwendig ist. Die Tarife für die rein klinische Medizin, also Anamnese, Untersuchung und Therapie sind immer noch so gering, dass sich junge KollegInnen über die Eröffnung einer Kassenpraxis nicht hinaussehen. Die Aufwendungen für Miete und Betriebskosten, Mitarbeiterlöhne und Ordinationsausstattung müssen aus diesen Honoraren getragen werden. Sie betragen meist die Hälfte der Einnahmen. Vom Rest muss gut 40 Prozent Einkommensteuer abgeführt werden. Der Beruf der Kinderärztin bzw. des Kinderarztes ist nicht nur interessant, sondern auch ethisch hoch befriedigend. Allerdings stehen diesen Werten des Berufes die wirtschaftlichen Überlegungen und das unternehmerische Risiko gegenüber.
OMR Dr. med. Rainer Pieber, ehem. Obmann der Fachgruppe Kinder und Jugendheilkunde Tirol, Facharzt für Kinder und Jugendheilkunde, Innsbruck
Erschienen am Mo, 22.1.2024
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