26.03.2008 17:05 |

Gobale Erwärmung

Riesiger Eisblock in der Antarktis abgebrochen

In der Antarktis ist unter dem Einfluss der globalen Erwärmung ein gigantischer Schelfeisblock abgebrochen. Satellitenaufnahmen belegen nach Angaben des Zentrums zur Sammlung von Schnee- und Eisdaten an der Universität Colorado (NSIDC) vom Dienstag den Zerfall von bereits 414 Quadratkilometern des sogenannten Wilkins-Schildes. Bilder findest du in der Infobox!

Das am 28. Februar abgebrochene Teilstück ist 25,5 Kilometer lang und 2,4 Kilometer breit. Der deutsche Expeditionsleiter Arved Fuchs bezeichnete den Rückgang des polaren Eises in einem Interview als sehr bedrohlich.

Nach dem jüngsten Abbruch wird nach Einschätzung der US-Wissenschafter der gesamte Wilkins-Schild nur von einem schmalen Eisstreifen zusammengehalten. Die fast 13.000 Quadratkilometer breite Treibeis-Platte liegt etwa 1.600 Kilometer südlich von Feuerland. Wenn das Eis sich noch mehr zurückziehe, drohe schon in naher Zukunft der Verlust des halben Schildes, sagte der NSIDC-Forscher Ted Scambos. Der Wilkins-Schild werde von warmen Meeresströmungen fortbewegt.

Jim Elliot von der Britischen Antarktis-Gesellschaft drehte von einem Forschungsschiff ein Video über das Ausmaß der Zerstörung. Die Region sehe aus wie nach einem Bombenanschlag, erklärte er. Eisblöcke von der Größe kleiner Häuser seien abgebrochen und wie Geröll abgegangen. An der Westseite der Antarktis stiegen die Temperaturen innerhalb von 50 Jahren um durchschnittlich 2,5 Grad. Da der Sommer auf der Südhalbkugel nun endet, erwarten die Forscher in den kommenden Monaten keine Verschärfung der Entwicklung. "Für diese Saison ist das Spektakel vorbei", sagte Scambos. Im kommenden Jänner werde zu beobachten sein, ob der Wilkins-Schild sich weiterbewege.

Der britische Wissenschafter David Vaughan führte den Zerfall am Dienstag auf die weltweite Klimaerwärmung zurück. Während es häufig vorkomme, dass Eisberge abbrechen, seien große Zusammenbrüche wie dieser am Wilkins-Schelfeis sehr selten, sagte er. Der Rest des Wilkins-Schelfeises wird nun nur noch von einer dünnen Eisschicht zusammengehalten. Vaughan hatte ursprünglich damit gerechnet, dass dies erst in 15 Jahren passieren würde.

Das kürzlich abgebrochene Eisstück machte zwar nur rund vier Prozent der gesamten Wilkins-Schelfeisfläche aus. Da es sich aber um einen wichtigen Teil handelte, könnte der Abbruch, der bereits am 28. Februar begann, ein weiteres Auseinanderfallen zur Folge haben, befürchtet auch Vaughn. Da jetzt aber der antarktische Sommer ende und kälteres Wetter einsetze, bestehe die Chance, dass der Rest des Schelfeises bis nächstes Jahr überlebe, sagte Vaughan. Noch größere Eisberge sind zuletzt 2002 und 1995 aus dem ewigen Eis gebrochen.

In den vergangenen Jahren waren zwei große Teile des unweit gelegenen Larsen-Eisschelfes zerfallen. Es begann 1995 mit dem 75 Kilometer langen und 37 Kilometer breiten Schelf Larsen A. Im März 2002 beobachtete ein NASA-Satellit dann die Auflösung von Larsen B, einer Menge von 720 Milliarden Tonnen Eis. Das Abschmelzen der Eisblöcke in der Antarktis trägt zum Anstieg der Meeresspiegel bei.

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