06.02.2008 22:43 |

"Super Tuesday"

Clinton nur knapp vor Obama

Das Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur bleibt weiter dramatisch. Trotz einiger Überraschungen brachte selbst der "Super Tuesday", an dem 24 Bundesstaaten ihre Vorwahlen abhielten, keine klare Entscheidung. Bei den Demokraten liegen Hillary Clinton und Barack Obama weiter Kopf-an-Kopf. John McCain baute bei den Republikanern mit Siegen in Schlüsselstaaten wie New York und Kalifornien seine Favoritenrolle deutlich aus. Doch sein Rivale Mitt Romney konnte ebenfalls punkten, und auch der von vielen bereits abgeschriebene Mike Huckabee gewann wider erwarten in fünf Staaten.

Gerade bei den Demokraten bahnt sich nun ein atemloser Wettstreit an, der sich noch über Wochen oder gar Monate hinziehen könnte.

Obama siegt in 13 Staaten
Am Dienstag siegte Obama in 13 Staaten, fünf mehr als Clinton. Doch die frühere First Lady setzte sich dort durch, wo es die meisten Delegiertenstimmen zu holen gab: in ihrem Heimatstaat New York, den sie im Kongress als Senatorin vertritt, und in Kalifornien. Wie schon in New Hampshire belehrte sie die Demoskopen eines besseren, die im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Obama uneinholbar vorne gesehen hatten.

Clinton will "Amerika zurückerobern"
"Zusammen werden wir Amerika zurückerobern", rief Clinton begeisterten Anhängern in New York zu. Da die Demokraten aber ihre Wahlmänner im Verhältnis zu den gewonnenen Stimmen verteilen, konnte sie sich nicht deutlich von Obama absetzen. In der Summe häufte sie nach vorläufigen Berechnungen von CNN bis Mittwoch mit 825 von 2.025 benötigten Delegiertenstimmen nur 90 mehr an als ihr Kontrahent.

Klarer Sieger bei den Republikanern
Ein deutlicheres Bild kristallisierte sich bei den Republikanern heraus, wo 1.191 Delegiertenstimmen für eine Nominierung nötig sind. McCain verbuchte auf seinem Konto nach ersten Berechnungen 615 Delegierte. Romney kam auf nicht einmal die Hälfte. Klar abgeschlagen blieb Huckabee mit 169 Delegierten.

"Ich denke, dass wir uns heute Abend mit der Idee anfreunden müssen, dass wir in der Republikanischen Partei einen Spitzenreiter für die Nominierung haben. Und das macht mir kein bisschen was aus", gab sich McCain in seinem Heimatstaat Arizona siegesgewiss. Der 71-jährige Vietnam-Veteran, der vor acht Jahren im Rennen um die Kandidatur an Bush scheiterte und dessen aktuelle Kampagne vor einigen Wochen vor dem Aus stand bevor er in New Hampshire ein Comeback feierte, eroberte am "Super Tuesday" neun Staaten. Die Siege schlugen dabei kräftiger zu Buche als bei den Demokraten, denn die Republikaner sprechen dem Sieger in den meisten Staaten alle Delegiertenstimmen zu. Die Verlierer gehen leer aus.

Wie Romney kündigte der Baptistenprediger Huckabee an, weiter um die Nominierung für die eigentliche Schlacht um die Nachfolge von Präsident George W. Bush im November zu kämpfen.

"Wechsel kommt nach Amerika"
"Eine Sache steht an dieser Nacht im Februar fest, und dafür brauchen wir die endgültigen Ergebnisse nicht: Unsere Zeit ist gekommen", resümierte Obama den "Super Tuesday" in Chicago. "Der Wechsel kommt nach Amerika." Einmal mehr zeigte sich, dass der afroamerikanische Senator mit dem Schlüsselwort "Change" den Nerv der demokratischen Wählerschaft traf. Mehr als die Hälfte gab an, für den Bewerber gestimmt zu haben, dem sie am meisten einen Wechsel zutrauten. Ein Viertel erklärte, die - vor allem von Clinton beanspruchte - Erfahrung eines Bewerbers habe für sie den Ausschlag gegeben. Die Wähler der Republikaner nannten an erster Stelle Werte, gefolgt von Erfahrung.

Als wichtigstes Thema brannte den Anhängern beider Parteien die prekäre Wirtschaftslage auf den Nägeln. Der noch vor eineinhalb Jahren bei den Kongresswahlen entscheidende Irak-Krieg rückte in den Hintergrund.

Baldige Entscheidung der Republikaner
Insgesamt ging es am "Super Tuesday" bei den Demokraten um etwa die Hälfte der Delegierten und bei den Republikanern um rund 40 Prozent. Experten rechneten damit, dass zumindest bei den Republikanern bald eine Entscheidung fallen dürfte, gaben sich mit Blick auf die Demokraten allerdings skeptischer. "Ich erwarte, dass dieser Wettstreit erst bei dem Parteitag im Sommer entschieden wird", sagte etwa Kenneth Janda von der Northwestern University. Staaten, die erst zu einem späteren Zeitpunkt ihre Vorwahlen angesetzt haben, könnten damit eine für sie zuletzt ungewohnt wichtige Rolle erhalten. Bei den drei letzten Präsidentschaftswahlen standen die Kandidaten spätestens im März fest.

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