Seit ewigen Gezeiten teilen sich Nible, Fürst des Lichts, und der finstere Encablossa die Herrschaft über die Welt. Doch Nible ist angezipft, denn jedes Mal, wenn seine Regierungsperiode endet, werden die lieblichen Geschöpfe von den dunklen Kreaturen wieder vernichtet. Er beschließt daher, nicht abzudanken, was verständlicherweise den Zorn Encablossas heraufbeschwört und in einem jahrhundertelangen Krieg endet. Am Ende siegt Nible und der Herr der Finsternis verschwindet wieder in seiner dunklen Dimension - doch mit ihm leider auch sechs bereits aus "Kingdom Under Fire: Heroes" bekannte Helden.
Die Aufgabe ist nun simpel: Mit einem der Helden, die sich in punkto verwendbare Waffen und Geschwindigkeit voneinander unterscheiden, gilt es sich im Alleingang in die strahlend schöne Welt des Lichts zurückzumetzeln. Anders kann es leider nicht gesagt werden, denn die Macher haben sämtliche für die Serie bekannten Strategiekomponenten außer Acht gelassen und stattdessen ein reines Hack'n'Slay entwickelt, bei dem noch dazu stark auf dümmliche Masse statt intelligenter Klasse gesetzt wurde.
So begegnet man innerhalb der meist streng linearen und schlauchartig aufgebauten Level voller unsichtbarer Barrieren stets unzähligen Gegnern, knüppelt diese mit dem A- oder X-Button nieder und kassiert dafür nebst allerlei fallengelassenen Gegenständen auch Erfahrungspunkte. Steigt man schließlich eine Stufe auf, dürfen die Werte Glück, Gesundheit und Ausdauer verbessert werden. Letzteres wird bei jedem Schlag in Anspruch genommen. Ist keine Ausdauer mehr vorhanden, kann der Held nicht mehr kämpfen und wird wohl oder übel bald das Zeitliche segnen. In der Praxis passiert das jedoch nicht, da der Spieler binnen kürzester Zeit so oft aufsteigt, dass die körperlichen Attribute in die Höhe schnellen und sich die Ausdauer rascher erholt als die Gegner zuschlagen können.
Etwas anders verhält es sich bei den Zaubersprüchen, die meist eine gewisse Zeitspanne brauchen, ehe sie erneut eingesetzt werden können. Das Warten lohnt sich aber ohnehin nur bedingt, denn gerade die anfangs erlernbaren Sprüche dienen eher der Optik als das sie bei der Vernichtung der Gegnerhorden behilflich wären. Wer sie dennoch erlernen möchte, muss ein Nickerchen machen: Schläft der Held, betritt er nämlich eine Parallelwelt, in der die Geschichte ganz allmählich vorangetrieben wird und der Held von einem alten Mann im Tausch gegen neue magische Fähigkeiten Quests ausgehändigt bekommt.
Diese Quests könnten von der Aufgabenstellung her kaum langweiliger formuliert sein und beschränken sich fast ausschließlich auf das Töten einer gewissen Anzahl von Monstern (beispielsweise "Töte 10 Waldgolems und 50 Echsenkrieger"). Schon etwas reizvoller ist da der Handel mit den im Spiel verstreuten Götzen. Hier kann der Held nicht nur sein Inventar leeren, sondern auch neue Tränke, magischen Nippes, Rüstungen und Waffen - je nach Charakter von Schwertern, Äxten, Bogen und Armbrüsten bis hin zu Schießprügeln - kaufen und diese gegen Bares auch miteinander verschmelzen lassen, um mehrere positive Eigenschaften eines Gegenstandes in einem Item zu bündeln. Erwähnt werden muss allerdings, dass der Sammeltrieb durch das sehr kryptisch gehaltene Menü stark gebremst wird. Was die eine von der anderen Waffe nun wirklich unterscheidet, ist nicht immer ersichtlich.
Nichts auszusetzen gibt es hingegen an der Optik. Zwar hätte es hier und da etwas weniger Weichzeichner verwendet werden können, die wunderschön animierten und abwechslungsreich gestalteten Umgebungen sind aber definitiv das Highlight des Spiels. Hinzu kommt eine Vielzahl unterschiedlichster Kreaturen, die dem Spieler durchaus das Fürchten lehren können - dies gilt vor allem für die gewaltigen Endgegner. Kleiner Tipp: Unbedingt den Blut-Effekt in den Optionen aktivieren, um ein Feuerwerk an Farben auf dem Bildschirm zu genießen. Bei der Akustik scheint man wiederum gespart zu haben: Die Charaktere sind äußerst wortkarg, die meisten Waffen klingen und bei der Musik scheinen sich ohnehin nur zwei Stücke abzuwechseln - eines für die ruhigen Passagen und eines für die Action-Sequenzen.
Um die Schmach der Einzelspieler-Kampagne ein wenig wett zu machen, haben die Macher von BlueSide dem Spiel dankenswerterweise noch einen Online-Multiplayermodus spendiert. Bis zu vier Freunde können im Koop-Spiel gemeinsam metzeln und sich hinsichtlich ihrer Fähigkeiten ergänzen. Schade, dass diese Spielvariante nicht auch offline an einer Konsole zur Verfügung steht.
Fazit: "Kingdom Under Fire: Circle Of Doom" hat mit den beiden Vorgängertiteln bis auf die Helden nichts mehr gemein. Fans der Serie werden daher aller Voraussicht nach enttäuscht werden. Aber auch Freunde des Hack'n'Slay-Genres sollten das Spiel mit Vorsicht genießen: Monotones Gameplay, stupide Knöpfchen-Drückerei, dümmliche Gegnermassen und die nur langsam ins Rollen kommende Geschichte lassen einen schnell den Spaß an dem zumindest optisch prächtigen Spiel verlieren.
Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
Krone.at-Wertung: 54%
von Sebastian Räuchle











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