"Völlig normal"
Raketen im Obst-Lkw durch Europa gekarrt
Das griechische Verteidigungsministerium sprach am Mittwoch von einem „völlig normalen“ Transport. Mit der Überstellung der rund 3,6 Meter langen Raketen in einem überwiegend mit Orangen beladenen Lastwagen sollten die Ausgaben für einen teuren Spezialtransport gespart werden, hieß es in Athen. Die Begleitpapiere seien vollständig und in Ordnung gewesen. Der Transport hätte enorme Kosten beim Zoll in den Transitländern verursacht.
Die Flugkörper vom Typ „Aim-120 AMRAAM“ waren am Dienstag in Bari, der Hauptstadt der südostitalienischen Region Apulien, gefunden worden. Der Lastwagen war mit der griechischen Fähre „Superfast 5“ aus Patras angekommen. Zunächst glaubte man in Italien an einen Schmuggelskandal. Doch nach einer Rückfrage bei der Wartungsfirma in Hamburg stellte sich die Aussage der beiden Lkw-Fahrer als wahr heraus. Man erwarte den Transport bereits, hieß es aus Deutschland.
Die beiden deutschen Fahrer wurden in Italien trotzdem wegen illegalen Transports von Kriegsmaterial angezeigt. Ob das griechische Verteidigungsministerium solche Vorgehensweisen öfters wählt, ist noch nicht bekannt. Die Italiener wollen aber nachbohren.
Man hätte sie problemlos scharf machen können
Was sich die Griechen da geleistet hatten, war mehr als leichtsinnig: Eilends herbeigerufene Experten der italienischen Polizei und Luftwaffe fanden heraus, dass die Raketen nur teilweise zerlegt waren. Zu ihrer Aktivierung nötige elektronische Komponenten waren in sieben Einzelbehältern ebenfalls im Laster. Man hätte sie eigentlich nur zusammenbauen müssen.
32 Kilometer Reichweite
Die Aim-120 AMRAAM wurde für die amerikanische Armee und ihre Verbündeten entwickelt, 1991 in Dienst gestellt und unter anderem bei der Kontrolle des Luftraums über dem Irak und im Kosovo-Krieg 1999 von Kampfflugzeugen abgefeuert. Die Reichweite der pro Stück mehrere hunderttausend Euro teuren Rakete beträgt laut Herstellerangaben mindestens 32 Kilometer.



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