krone.at: "Herr Lampl, was ist Ihr ganz persönliches Fazit nach einem Jahr Windows Vista?"
Lampl: "Es war ein sehr bewegtes, ein sehr spannendes Jahr. In Summe, wenn man jetzt rein von den Verkaufszahlen zurückblickt – wir liegen derzeit bei über 100 Millionen verkaufter Lizenzen -, durchaus aber auch ein erfolgreiches Jahr für Windows Vista, das unseren Erwartungen entsprochen hat."
krone.at: "Trotzdem gibt es noch immer viele Nutzer, die lieber bei XP bleiben. Ist es die Scheu vor etwas Neuem oder sind die Nutzer einfach so zufrieden mit ihrem alten Betriebssystem, dass sie gar nicht erst wechseln wollen?"
Lampl: "Es ist klar, dass nicht innerhalb von einem Jahr alle 900 Millionen XP-Nutzer auf Vista umsteigen, aber der Umstieg geschieht mit einer Geschwindigkeit, wie es auch bei Windows XP der Fall gewesen ist. Es gibt am Markt einfach unterschiedliche Nutzer: Die sogenannten 'Early Adopters', die sehr schnell mit neuen Technologien unterwegs sind oder diese anwenden wollen, dann die große Mehrheit der Nutzer, die sich das zu Beginn meist einmal anschaut und in etwa einem halben bis ganzen Jahr beginnt, und dann die Nutzer, die erst sehr spät umsteigen. Das ist eine natürliche Kurve, in der sich auch Windows Vista befindet. Auf der anderen Seite ist Windows XP natürlich sehr bewährt und mit fünf Jahren am Markt auch sehr verbreitet. Gerade anfangs gab es Punkte, was zum Beispiel Gerätetreiber oder auch Applikationen betrifft, die nicht gleich kompatibel waren – obwohl bereits viel mehr Treiber als bei Windows XP zum Launch von Vista bereit standen. Das ist für einige in diesem Jahr sicher auch ein Grund gewesen, noch nicht umzusteigen, wobei hier sicher die generelle Meinung am Markt und die wirklichen Fakten leicht auseinandergehen. Fakt ist, dass bei Hardware-Gerätetreibern mittlerweile rund 98 bis 99 Prozent kompatibel sind. Wenn dann der Rest von ein bis zwei Prozent nicht kompatibel ist, dann ist das der Punkt, der auch stört, doch daran wird auch ohne Frage weiter gearbeitet."
krone.at: "Neben den von Ihnen angesprochenen Problemen mit Treibern wurde auch immer wieder der Hardwarehunger von Windows Vista kritisiert. Zurecht?"
Lampl: "Rein technisch gesehen kennen wir die Hardwarespezifikationen von Windows Vista. An und für sich beginnt es bei 512 MB RAM, ab dem Benutzen von Windows Aero wird ein Gigabyte Arbeitsspeicher empfohlen. Das sind im Prinzip Hardwareanforderungen, die nicht unbedingt die neuesten Geräte brauchen, wenngleich man mit einem fünf Jahre alten Gerät natürlich nicht superglücklich werden wird. En gros werden aber objektiv betrachtet Geräte unterstützt, die zwei bis drei Jahre alt sind. Vista ist eben eine neue Generation von Betriebssystem, die auch in Sachen Grafik und generell Rechenleistung neue Möglichkeiten bietet, und daher Hand in Hand mit den Innovationen am Hardwaremarkt geht."
krone.at: Gianfranco Lanci, Präsident von Acer, hat sich kurz nach dem Verkaufsstart sehr enttäuscht von Windows Vista gezeigt. Wie ist das Verhältnis zur Industrie jetzt?
Lampl: "Es war in dem einem Jahr der eine oder andere Hardwarehersteller, der sich gleich zu Beginn mehr erwartet hat. Es gab aber genauso Beispiele von Herstellern, die schon zu Beginn sehr zufrieden waren. Die beiden großen österreichischen Hersteller chiliGREEN und Gericom haben etwa bei 98 Prozent ihrer Neuauslieferungen Windows Vista installiert. Wir haben zum Beispiel auch Zahlen vom Weihnachtsgeschäft in den USA, wo 96 Prozent aller Rechner im Einzelhandel mit Vista ausgestattet waren. Das spricht für sich, denke ich."
krone.at: "Einer Umfrage des US-Marktforschungsunternehmens ChangeWave zufolge sind XP-Nutzer weitaus zufriedener mit ihrem Betriebssystem als Vista-Nutzer. Am glücklichsten aber sind Apple-User mit ihrem OS X Leopard. Was macht Apple besser als Microsoft?"
Lampl: "Ich kenne die Studie nicht und kann sie daher auch nicht im Detail kommentieren. Wir haben zum Beispiel Studien, die zeigen, dass Vista im Vergleich zu XP einen deutlichen Mehrwert hat – etwa den sich nicht gleich auf den ersten Blick offenbarenden Bereich Sicherheit. Viele Nutzer kennen diesen Mehrwert allerdings noch nicht, weil sie sich mit Vista noch nicht so im Detail auseinandergesetzt haben. Andererseits wissen wir auch, dass Nutzer, sowohl im Consumer- als auch im Unternehmensbereich, die Vista selbst einsetzen, eine viel positivere Meinung dazu haben als die, die es noch nicht einsetzen."
Koczera: "Ich glaube bei Apple kommt auch noch die sehr starke Wirkung der Hardware, die sehr schön und cool ist und gut läuft, hinzu. Wenn ich mir einen neuen Rechner kaufe, dann überlege ich, was ich damit machen will. Zudem soll das Gerät schnell sein und nicht allzu viel kosten. Aber da mache ich jetzt keine Religion daraus, welches Betriebssystem installiert ist – hauptsache ich kann damit arbeiten. Bei Apple kommt neben der zugegebenermaßen höheren emotionalen Bindung zum Gerät noch ein bisschen Religiösität dazu. Ich meine das jetzt nicht abwertend, ich hätte auch gern einen Apple…mit Vista natürlich (lacht)."
krone.at: "Wie schaut es privat bei Ihnen aus: Nutzen Sie Windows XP oder Vista?"
Lampl: "Vista, natürlich."
krone.at: "Aus voller Überzeugung?"
Lampl: "Ja. Ich persönlich bin berufsbedingt im Beta-2-Stadium umgestiegen und spätestens mit Release-Candidate-Stadium war das ein Reifegrad, wo ich innerhalb von einem halben Tag echt nicht mehr zurücksteigen wollte. Klassisches Beispiel: Die integrierte Schnellsuche, die voll indiziert und extrem geschwind ist. Ich habe mir ein ganz anderes Arbeiten angewöhnt. Ich für mich verschwende jetzt nicht mehr viel Zeit damit, Dinge in Ordnern abzulegen. Ich gebe stattdessen einfach etwas ein und hab’s. Allein der Punkt spart mir in der praktischen Anwendung so viel Zeit, dass ich überhaupt nicht mehr umsteigen möchte. Mal ganz abgesehen davon, was nun alles im Bereich der Sicherheit neu ist und eben nicht mehr passieren kann. Wenn wir beispielsweise mal im eigenen Haus vergleichen, dann hatte Windows Vista in der Startperiode neun Patch-Events und XP im selben Zeitraum 26. Microsoft hat behauptet, dass Vista dass sicherste Windows aller Zeiten wird und das ist bislang auch damit erwiesen."
krone.at: "Wo Sie gerade von Patches sprachen: Viele warten auf das erste Service Pack. Wann kommt es denn nun endlich?"
Lampl: "Die offizielle Information ist nach wie vor im ersten Quartal. Der Release Candidate vom Service Pack 1 steht ja mittlerweile den Entwicklern zur Verfügung. Es wird also nicht mehr lange dauern. Anfang Februar, zum Start der ITnT in Wien, werden wir zum konkreten Veröffentlichungsdatum schon mehr wissen."
krone.at: "Neben Windows und Mac OS X gibt es mit Linux auch noch ein kostenfreies und quelloffenes Betriebssystem am Markt. Hersteller wie Dell oder auch Asus mit seinem Eee PC liefern ihre Geräte inzwischen optional mit dem alternativen Betriebssystem aus und Open-Source-Software wie der Firefox-Browser erfreut sich steigender Beliebtheit. Inwiefern fürchtet Microsoft die Konkurrenz?"
Koczera: "Der größte Konkurrent von Microsoft am Markt ist immer noch Microsoft mit seiner Hinterlassenschaft von Produkten. Ich denke, dass sich der Linux-Anteil nicht nach oben entwickelt und konstant auf sehr niederem Level ist und es da keine dramatischen Änderungen gegeben hat."
Lampl: "Was Linux betrifft, reden wir im Client-Bereich von einer niedrigen einstelligen Prozentzahl. Natürlich beobachten wir auch dieses Gebiet und Konkurrenz ist für den Markt auch etwas gutes, keine Frage, aber man muss es im Kontext sehen. Um etwa auf den von Ihnen angesprochenen Eee PC zurückzukommen: Asus dürfte eigenen Angaben zufolge rund 10.000 Stück in Deutschland und Österreich abgesetzt haben. Im Gegensatz dazu stehen die jährlich zehn Millionen in Deutschland und Österreich verkaufter Windows-PCs. Die größten Verschiebungen am Markt werden sich also zwischen XP und Vista abspielen. Etwas anders verhä gesehen und die haben sich auch über zwei bis drei Monate bewegt, in den letzten Monaten konnten wir mit dem IE7 in Österreich aber wieder Anteile zurückbekommen. Natürlich schauen wir uns Firefox an, wir kennen auch die Firefox-User und was sie an Firefox schätzen, aber es ist ja auch ein Internet Explorer 8 im Planungsstadium."
krone.at: "Wo Sie schon von Planung sprechen: Was können Sie über den Nachfolger von Windows Vista, Windows 7, verraten?"
Lampl: "Windows 7 ist mitten in der Entwicklungsphase. Was wir bislang sagen können: Windows 7 wird, ähnlich wie Vista, ein vollwertiges Betriebssystem für unterschiedlichste Zielgruppen werden, also vom Consumer- über den Unternehmensbereich bis wiederum zu Interfaces für Entwickler und dergleichen. Was im Detail drinnen sein wird, da sind wir mitten in der Planung und deshalb wäre es noch zu früh, das zu veröffentlichen."
krone.at: Wann ist es voraussichtlich so weit?
Lampl: "Es gibt Gerüchte am Markt von Ende 2009, die wir aber nicht kommentieren. Wann es genau kommen wird, hängt natürlich primär vom Kundenfeedback ab, von den Qualitätsmaßstäben, von der Reife. Wenn die Qualität stimmt und die Reife vorhanden ist, dann wird veröffentlicht. Unter diesen Vorrausetzungen gehen wir von einem Zeitrahmen von drei Jahren aus."
Koczera: "Also noch einmal sechs Jahre wird es nicht dauern…"
von Sebastian Räuchle










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