Rückzieher

Saubermacher doch nicht an der Börse

Steiermark
30.01.2008 19:13
Der steirische Abfallentsorger und -verwerter Saubermacher Dienstleistungs AG wollte sich diese Woche - inmitten der weltweiten Finanzmarktturbulenzen - bis zu 93 Millionen Euro von der Börse holen. Das Echo der Anleger auf dieses Offert blieb aber verhalten - das Preisband für die Aktie betrug 19 bis 23 Euro. Förmlich in letzter Sekunde - unmittelbar nach dem Ende der bis heute, Mittwoch, 10.00 verlängerten Zeichnungsfrist, hat das Unternehmen seinen Börsengang mangels Nachfrage abgesagt. Die Erstnotiz der Saubermacher-Aktien war für Donnerstag im Wiener Prime Market geplant.

Die "Option Börsengang" bleibt laut Firmenchef Hans Roth aber nach wie vor offen. "Wenn ein Wunder geschieht, kann es durchaus sein, dass wir im kommenden Herbst doch an die Börse gehen", sagte er Mittwoch.

Der angestrebte Emissionserlös - für das Unternehmen selbst aus der Kapitalerhöhung zwischen 51,3 und 62,1 Millionen Euro abzüglich 5,7 Mio. Euro Emissionskosten - sollte den ursprünglichen Plänen zufolge in Akquisitionen und Infrastruktur-Projekte (Sammeln, Behandlung und Verwertung) in Österreich sowie in Zentral-, Ost- und Südosteuropa fließen. Wegen des Wachstumskurses und geplanter Investitionen hätte es zunächst keine Dividenden gegeben.

Investitionen von 150 Millionen Euro geplant
Bis 2010 sollten die Gewinne thesauriert werden. Mittelfristig war eine Ausschüttungsquote von bis zu 30 Prozent des Konzernjahresüberschusses angestrebt, hieß es im Börsenprospekt. Für die geplanten Erweiterungsinvestitionen von 150 Millionen Euro in den Jahren 2008 bis 2010 hat Saubermacher eigenen Angaben zufolge bereits 110 Investitionsprojekte evaluiert.

Bei den Investitionsplanungen muss Firmenchef Hans Roth eigenen Angaben zufolge nun nichts Gravierendes streichen. "Es wird in der Dreijahresplanung kein Investitionsprojekt herausgenommen", so Roth. Die Kosten für die der Zeichnungsfrist (21. bis 30. Jänner) vorangegangenen Road Shows seien verlorene Aufwendungen.

Saubermacher hatte Erste Bank und Sal. Oppenheim als Emissionsbanken beauftragt. Anfang letzter Woche, auf der Pressekonferenz zu dem geplanten IPO (Initial Public Offering), hatte Erste-Bank-Vorstand Johannes Kinsky erklärt, er halte die Branche für relativ börsenfest. "Es gehört allerdings auch ein bisschen Courage dazu, im derzeitigen Umfeld an die Börse zu gehen", hatte er eingeräumt.

Saubermacher als Eisbrecher
Zu dem IPO uneingeschränkt ermutigt hatte vorige Woche noch der Wiener-Börse-Vorstand Michael Buhl: Saubermacher habe mit dem Börsengang zu diesem sehr frühen Zeitpunkt im Jahr eine "Eisbrecherfunktion". Der steirische Abfallverwerter habe Vorbildfunktion für Börsenkandidaten, die "noch ein bisschen verschreckt zu Hause sitzen", hatte der Börsenchef gemeint.

Die Eigentümerfamilie von Saubermacher wollte an der Börse zwischen 25 und 35 Prozent als Streubesitz unterbringen. Nun steht die Gesellschaft nach wie vor zur Gänze im Eigentum der Roth Privatstiftung. Bei Platzierung des Angebots inklusive Greenshoe wäre der Anteil der Stiftung auf 64,45 Prozent gesunken.

Im Rahmen der Erstnotiz sollten bis zu 2,7 Millionen neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung, bis zu 910.000 Aktien aus dem Eigentum des Altaktionärs Roth Privatstiftung sowie weitere bis zu 432.000 Aktien aus dem Eigentum des Altaktionärs im Rahmen einer Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) an die Börse gelangen.

40.000 Betriebe und 1.600 Gemeinden an Kundschaft
Das steirische Unternehmen ist in einem breiten Portfolio von Serviceleistungen in Entsorgung und Verwertung tätig, die Verarbeitung von Abfall zu Ersatzbrennstoff nimmt dabei laut der Firma eine besondere Stellung in der Unternehmensstrategie ein. Seit der Gründung im Jahr 1979 wurden rund 1.600 Gemeinden und etwa 40.000 Gewerbe- und Industriebetriebe als Kunden gewonnen.

Ausgehend von der Oststeiermark ist das Unternehmen heute im ganzen Bundesland, in Kärnten, Niederösterreich und Wien vertreten. International ist die Gruppe in Slowenien, Ungarn und Tschechien sowie in Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Serbien und Mazedonien tätig. 2006 wurde von knapp 2.900 Beschäftigten ein Umsatz von 193,6 Millionen Euro erzielt.

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