Krebserkennung

Neuer Chip spürt Tumorzellen in Blutprobe auf

Wissenschaft
30.01.2008 12:27
Amerikanische Forscher haben eine Chipkarte entwickelt, die in der Lage ist, zuverlässig Tumorzellen im Blut nachzuweisen. Die Forscher hoffen, daraus bald einen Routinetest zur Krebserkennung entwickeln zu können. Die neue Technik ist bereits an ein Unternehmen lizenziert, welches das Verfahren kommerziell nutzbar machen soll.

Viele Krebsgeschwüre geben einzelne Zellen an den Blutstrom ab, anhand derer sich das Auftreten eines Tumors im Prinzip nachweisen lassen müsste. Allerdings sind diese Zellen so selten, dass sie bei der Vielzahl von Blutzellen unterzugehen drohen. Auf etwa eine Milliarde Blutzellen kommt nur eine Zelle, die aus einem Tumor stammt. Diese Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen soll nun der neue Chip von der Größe einer Kreditkarte bewerkstelligen, der mit hoher Zuverlässigkeit Tumorzellen im Blut nachweist. Das berichtet eine Forschergruppe um Sunitah Nagrath von der Harvard Medical School in Boston (US-Staat Massachusetts) im Fachjournal "Nature".

80.000 mikroskopisch feine Stäbchen
Der aus Silikon hergestellte Chip trägt in seiner Reaktionskammer rund 80.000 feine Stäbchen, zwischen denen das Blut schonend durchgepumpt wird. Die Stäbe sind mit einem Antikörper beschichtet, der so geformt ist, dass er zu einem bestimmten Eiweißstoff (Antigen) passt, der auf praktisch allen Tumorzellen vorkommt. Während die Blutprobe langsam durch den Chip fließt, bleiben die wenigen darin enthaltenen Tumorzellen dank der Schlüssel-Schloss-Reaktion zwischen Antigen und Antikörper an der insgesamt riesigen Oberfläche der Stäbe haften. In einem zweiten Schritt lassen sich die Tumorzellen dann mit Hilfe einer speziellen Kamera auffinden bzw. mit einem für den jeweiligen Tumor typischen Farbstoff markieren.

Vielversprechende Tests
Bei 116 Blutproben von 68 Patienten, die Metastasen bildende Krebszellen aus Lungen-, Prostata-, Brust-, Bauchspeicheldrüsen- oder Darmtumoren enthielten, schlug das Gerät in 115 Fällen an. Im Blut krebsfreier Menschen gab der Chip indes keinen Alarm.

Mit der Erfindung ließ sich außerdem die Reduktion von Krebszellen nach einer Chemo- oder Strahlentherapie nachweisen, schreiben die Forscher in "Nature". Der Chip könnte künftig zur routinierten Suche nach entarteten Zellen eingesetzt werden und sowohl bei der Früherkennung als auch bei der Behandlung von Krebs helfen.

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