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"Falco - Verdammt, wir leben noch!" im Kino

Kino
06.02.2008 17:28
Wie eine schwüle, klebrige Bedrohung hängt der 6. Februar 1998 über dem ganzen Film. Diese eine letzte Stunde in Falcos Leben, die er verstört, fertig und einsam auf einem staubigen Parkplatz in der Karibik verbrachte. Bevor Österreichs größter Popstar mit der gleichen Dramaturgie seines Lebens den Vorhang für immer fallen ließ... Der Streifen über das Leben des Hansi Hölzel alias Falco zeigt auch den Menschen hinter dem populären Künstler, der einst die Hitparaden der Welt im Sturm eroberte, dann aber am Verfall seines Ruhms langsam zugrunde ging.

Nein, es ist nicht Falco, der da auf Leinwand sein Gesicht zu einem diabolischen Grinsen verzieht. Der den Frauen mit einer hochgezogenen Augenbraue den Weg in sein Bett weist. Der auf dem Schnee, den jedes Kind kennt, talwärts fährt. Manuel Rubey, selbst mit seiner Band Mondscheiner auftstrebender Sänger, ist das Wagnis eingegangen, Österreichs größten Popstar zu verkörpern, den nach seinem Tode zum Nationalheld erkorenen Lieblingsösterreicher - sicher eine der am strengsten beäugten Rollen des Landes. Die Bleistifte der Kritiker sind bis zum Verreißen gespitzt.

„Die Herausforderung war größer als die Angst“
Doch dann ist dieser junge, unbedarfte Schauspieler wirklich gut. Er ist nicht Falco, aber er fühlt den Falken und lässt das auch den Zuseher spüren, zieht einen mit seiner Gestik, seinen Bewegungen in den Bann. "Als mir die Rolle angeboten wurde, hat mein Bauch sofort ja gesagt, mein Kopf hat noch ein paar Tage abgewogen. Doch letztendlich war die Herausforderung größer als die Angst", gesteht Manuel der "Krone". "Ich bin und war immer der Meinung, dass der Falco-Film an sich keinen Star braucht", begründet Thomas Roth seine Entscheidung für ein junges Gesicht. "Aber mittlerweile haben wir ohnehin einen Star. Ich war wirklich überrascht, dass Manuel als relativ unerfahrener Schauspieler sehr professionell eine so tolle Leistung erbracht hat."

Viel wurde im Vorfeld über den Film gemunkelt. Von Sexorgien und Drogeneskapaden war die Rede, von der Diffamierung des Stars, der zu seinen Lebzeiten ohnehin genug diffamiert wurde. "Ich finde es spannend, wenn meine Arbeit polarisiert", gibt sich Thomas Roth gelassen. "Vielleicht ist es ja ein bissl österreichisch, wenn man etwas verurteilt, das man noch nicht kennt." Auf die Orgien wartet man vergebens. Sex, Drugs & Rock n Roll waren in Falcos Leben nie ein Geheimnis. "Ich lebe nur einmal, und so wie ich lebe, ist einmal auch genug", meint auch der Film-Falco. Was man findet, ist ein zerrissener Mensch, einer, der dem Erfolg hinterherrannte - und als die Nummer eins in den USA schließlich da war, fast daran zerbrach. Ein nach Liebe und Geborgenheit Suchender, der "nicht mit Liebe umgehen kann", wie seine Frau Jaqueline in einer Szene meint. "Unser großes Ziel war, dass man aus dem Kino rausgeht und den Menschen, die Zusammenhänge in seinem Leben besser versteht", meint Thomas Roth.

Und dabei ging es ihm nicht um dokumentarische Genauigkeit. "Der Film basiert zwar auf biografischen Fakten, ist aber dennoch reine Fiktion", betont Roth. "Ich habe mir beim Drehbuchschreiben ein paar Freiheiten genommen. Manchmal habe ich mehrere Personen in einer zusammengefasst. Ich wollte nicht auf jede Beziehung und jede Frau in Falcos Leben eingehen, das hätte den Rahmen gesprengt. Ich wollte sein Frauenbild zeigen."

Sein letzter Auftritt machte ihn unsterblich
Die Fakten sind seine Anfänge bei der Hallucination Company und Dradiwaberl, sein rasanter Aufstieg und die ersten Hits, die Nummer eins in Amerika, seine Drogen- und Alkoholprobleme, die Verehrung seiner Mutter, seine Vorliebe für Blondinen, die Kurzzeitehe mit Jaqueline, die geliebte Tochter, die letztendlich nicht seine eigene war - die wohl größte Niederlage seines Lebens -, das langsame Abdriften in die Bedeutungslosigkeit - und schließlich der letzte, zerstörerische Auftritt in der Dominikanischen Republik, der ihn unsterblich machte und ihn als Falco, der Überflieger, zu einer unantastbaren Legende werden ließ.

"Ich habe ihn schätzen gelernt und viel Respekt vor ihm als Künstler. Aber es gibt viele Punkte in seinem Leben, die ich nicht haben möchte", meint Manuel nachdenklich. "Ich bin jetzt sicher nicht der neue Falco, auch wenn ich oft so angesprochen werde. Ich bin guter Hoffnung, dass ich den Falco in der Öffentlichkeit auch irgendwann einmal wieder loswerde."

Von Franziska Trost, Kronen Zeitung

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