Keppert (Bild) hatte die Bankbilanzen 1998 bis 2002 wegen fehlender Wertberichtigungen für die Verluste von Wolfgang Flöttl als nichtig eingestuft, die Bilanzen 2003 und 2004 hingegen als richtig, unter der Voraussetzung, dass die angeklagten BAWAG-Vorstände nichts von den Malversationen beim US-Broker Refco wussten. Reiter war Wirtschaftsprüfer bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und hat die Jahresabschlüsse der BAWAG bis zum Jahr 2003 geprüft und testiert. Er ist wegen Untreue und Bilanzfälschung angeklagt, für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.
"Nichtigkeit der Bilanz bedeutet, dass der Jahresabschluss nicht aufgestellt ist", erläuterte Keppert zu Beginn der Verhandlung auf Befragung durch Staatsanwalt Georg Krakow. Eine Bilanz könne zwar in gewissen Punkten "nicht richtig" sein, aber erst wenn wesentliche Grenzen überschritten werden liege eine "Nichtigkeit" der Bilanz vor.
"Haben Sie sämtliche Unterlagen der KPMG angesehen?", wollte Reiter-Verteidiger Christoph Herbst vom Bilanzsachverständigen wissen. "Nein, weil das ungefähr ein Zimmer ist", entgegnete der Sachverständige trocken. Er habe aber die für den Prüfauftrag relevanten Unterlagen gesichtet. Sollten ihm weitere Unterlagen vorgelegt werden, wäre er gerne bereit sein Gutachten noch einmal zu überarbeiten, betonte Keppert.
Neue Ladung von Zeugen beantragt
Um den Sachverhalt noch genauer zu beleuchten beantragte die Verteidigung von Reiter die Ladung von fünf Zeugen. Neben dem Investor Martin Schlaff, dem früheren KPMG-Prüfungsleiter der BAWAG, Anton Kampelmühler, und KPMG-Wirtschaftsprüfer Johann Zöchling sollen auch der frühere BAWAG-Großkundenbetreuer Heinz Nohel und Kurt Schweighart von Deloitte vor Gericht als Zeugen befragt werden, beantragte Anwalt Thomas Kralik. Schlaff, Kampelmühler und Zöchling sagten bereits als Zeugen aus. Das Schöffengericht muss nun entscheiden, ob dem Antrag Folge gegeben wird.
"Auf Hoffnungen kann man keine Bilanzen erstellen"
Besonders umstritten waren am Dienstag wieder einmal die Bewertungen im Komplex um das von der BAWAG finanzierte Casino Jericho, das seit Oktober 2000 nach Unruhen geschlossen ist. Ein in der Bilanz angegebener Wert für die Versicherung für das Casino sei ein "Hoffnungswert, aber auf Hoffnungen kann man keine Bilanzen erstellen", brach es aus Keppert heraus. "Ich habe die Hoffnung, dass wir jetzt für heute die Verhandlung beenden", schloss Richterin Claudia Bandion-Ortner das fachliche Hick-Hack.
Die Verhandlung soll am Mittwoch mit weiteren Fragen an Keppert fortgesetzt werden. Dann steht ab 15 Uhr auch noch einmal die Causa um das mutmaßliche Geldgeschenk von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner an den früheren Konsum-Generaldirektor Hermann Gerharter auf dem Programm. Dazu sollen zwei Zeugen geladen werden, die in der Bank mit der Geldübergabe von 550.000 Euro befasst gewesen sein sollen.










Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.