29.01.2008 16:13 |

Jetzt wird's ernst

Soldaten in den Tschad verabschiedet

Mit Musik, Bier und Gulasch ist am Dienstag das österreichische Tschad-Kontingent unter regem Medieninteresse offiziell verabschiedet worden. Mit einer Ansprache bei der Feier in der Rossauer Kaserne bekräftigte Verteidigungsminister Norbert Darabos einmal mehr, dass es sich bei der EU-Mission um einen humanitären Einsatz handle: "Es geht um Frauen und Kinder". Er munterte die Soldaten auf, sich von den Diskussionen rund um den umstrittenen Einsatz nicht beirren zu lassen, denn sie stünden "auf der richtigen Seite".

Mit der Abschiedsfeier, an der auch Angehörige teilnahmen, wird es für die 160 Mann starke österreichische Truppe ernst. Das Vorauskommando wird schon am Mittwoch in die afrikanische Krisenregion aufbrechen. Danach wird die restliche Truppe schrittweise nach Afrika verlegt. Die EUFOR-Truppe umfasst insgesamt rund 4.000 Soldaten, Frankreich stellt mit 2.000 Mann das stärkste Kontingent. Aufgabe der Soldaten ist es, Flüchtlingslager an der Grenze zum Sudan zu schützen.

"Diese Menschen brauchen unsere Hilfe"
Die humanitäre Aufgabe stand auch im Mittelpunkt der Darabos-Rede. So sprach er von blutigen Bildern, die sudanesische Kinder gezeichnet hätten. Die Auswüchse des Bürgerkrieges im Sudan seien für uns kaum vorstellbar. "Diese Menschen brauchen unsere Hilfe", so Darabos. Es gehe darum, die Verschleppung von Kindern und Vergewaltigungen von Frauen zu verhindern.

Kritik an der Kritik am Einsatz
Scharf verurteilt wurden von Darabos die Diskussionen um den Einsatz. In der Öffentlichkeit seien die sachlichen Argumente noch nicht durchgedrungen und es "wird auf ihrem Rücken polemisiert", so Darabos in Richtung der Soldaten. Der Minister zeigte sich gleichzeitig überzeugt, dass sich mit den ersten Bildern vom Einsatz der österreichischen Soldaten auch die öffentliche Meinung zum Positiven wenden werde.

Keine Freudenstimmung trotz Gulasch und Bier
Darabos überbrachte den Soldaten auch einen Gruß vom obersten Befehlshaber, Bundespräsident Heinz Fischer, und verabschiedete jeden einzelnen persönlich. Danach gab es traditionsgemäß Gulasch und Bier. Wirkliche Freudenstimmung kam zumindest bei vielen Angehörigen freilich nicht auf. So meinte etwa die Lebensgefährtin eines Soldaten aus der Steiermark, sie sei nicht erfreut, es sei jedoch der Beruf ihres Mannes. Sorgen mache sie sich vor allem darum, wie ihr Lebensgefährte das im Tschad Erlebte nach dem Einsatz verarbeiten werde.

"Risiko ist kalkulierbar"
Auch Kontingentskommandant Heinz Assmann bestätigte gegenüber Medien, dass die heftigen Debatten für Verunsicherung unter den Angehörigen gesorgt hätten. Man sei dem jedoch mit Fakten begegnet. Das Risiko sei kalkulierbar. Der Kommandant bekräftigte einmal mehr, dass die Truppe bestens ausgerüstet sei. Tipps für den Umgang mit gefährlichen Tieren im Tschad haben sich die Soldaten im Schönbrunner Tiergarten geholt.

Für seine Soldaten wünschte sich der Kommandant, dass Österreich auf ihre Leistungen stolz sei. Das Bundesheer werde mit diesem Einsatz seinem Slogan "Schutz und Hilfe" gerecht, und das Risiko gehöre zum Soldatenleben dazu. "Ich melde hiermit: Die Truppe ist abmarschbereit", so Assmann in seiner Ansprache.

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