Babyshambles

Von der Unschuld des Rock 'n' Roll

Steiermark
28.01.2008 12:13
Dieser Mann ist immer für Überraschungen gut. Beim dritten Graz-Konzert in der noch kurzen Karriere von Skandalnudel Pete Doherty ist erstmals die großartige Musik seiner Babyshambles in den Mittelpunkt gerückt. 90 Minuten im Orpheum, die ganz im Zeichen des kaltschnäuzigen, großäugigen, genialischen Rock 'n' Roll standen.
Im Gegensatz zu den chaotischen Auftritten im Non-Stop-Kino vor zwei Jahren lief diesmal alles nach Plan. 15 Minuen vor Konzertbeginn saß Doherty noch seelenruhig und für seine Verhältnisse nüchtern an der Hausbar beim Guinness. Angesichts der vielen Doherty-Doppelgänger samt obligatorischen Hüten unter den Besuchern blieb er fast unerkannt. Auch einer der Saaltürsteher hatte seine liebe Not, den Rockstar zu identifizieren, einen kurzen Zwist später konnte das Konzert jedoch beginnen.

Vielschichtig und intelligent
Im Verlauf von 90 Minuten ließen die Babyshambles keinen Zweifel aufkommen, dass sie ihren Kollegen gegebenenfalls immer noch zeigen, wo der Bartel den Most herholt. Verglichen mit der gestylten Mucke der Retro-Gitarrenbands ist Dohertys Musik vielschichtiger und intelligenter gebaut. Im Dienste des Songs verzichteten die Babyshambles auch im Orpheum darauf, es nur publikumswirksam krachen zu lassen. Da wird oft das Tempo gedrosselt und Feinarbeit geleistet.

Glaubwürdiger Rock
Dohertys skandalträchtiger Lebensstil, sein denkbar schlechter Ruf bedeuten für die Musik freilich den ultimativen Adelsschlag. In dem so aalglatt gewordenen Musikgeschäft verleiht er dem Pop einen Hauch Glaubwürdigkeit. Seine Erscheinung ist eine einzige Reverenz an die verklärten alten Rock-Zeiten mit ihren zertrümmerten Hotelzimmern und endlosen Partynächten, als angeblich noch die Musiker und nicht die Manager das Sagen hatten. Trotz oder wegen seiner Eskapaden, die wirklich nicht zur Nachahmung empfohlen sind, gibt Doherty dem RocknRoll so seine Unschuld zurück. Folgerichtig erinnert er, bei aller zur Schau gestellten Kaltschnäuzigkeit, auch auf der Orpheumbühne bisweilen an ein Kind, das großäugig in die Welt schaut.

Das Publikum war begeistert, die Spannung blieb auf konstant hohem Niveau. In den Zugaben folgte der Höhepunkt. Beim Song des Jahrzehnts "Fuck forever" bleibt einem auch beim hundersten Mal noch der Atem weg.

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