"Einzelne Haushalte werden auch noch einige Tage nicht versorgt werden können, denn mehr als 100 Kilometer an Niederspannungs-Trassen sind unter Bäumen begraben", so Urs Harnik-Lauris, Sprecher der Energie Steiermark.
Rund 1.200 Haushalte in der Grünen Mark sind noch immer ohne Strom. In der Obersteiermark konnten die Schäden großteils behoben werden, weshalb sich die Arbeitskräfte nun verstärkt um die Bezirke Weiz und Voitsberg kümmern könnten. Dort sollen weitere Notstromaggregate an "Extremfälle" ausgegeben werden. Dazu stehe man mit allen Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden in Kontakt
Das steirische Stromnetz mit einer Gesamtlänge von mehr als 23.000 Kilometern sei derart beschädigt, dass die Wiederherstellung des Normalzustandes mehrere Wochen dauern werde, erklärte der Sprecher. In jedem Fall erreiche man einen Schaden in Millionenhöhe.
Rund zwei Millionen Festmeter Holz zerstört
Nach dem derzeitigen Stand zerstörte "Paula" rund zwei Millionen Festmeter Holz in der Steiermark. Der wesentlich großflächigere "Kyrill" hatte nach Angaben von Anfang 2007 in Europa 54 Millionen Festmeter und in Österreich 2,2 Millionen Festmeter gebrochen.
Josef Kahls ist Landesforstdirektor in der Steiermark, er erklärte, dass die zerstörten Waldflechen einer Schadenssumme von rund 60 Millionen Euro entsprechen würden, wobei es für die betroffenen Waldbesitzer Entschädigungen geben soll. Im Schnitt sollen ein Drittel des erhobenen Schadens finanziert werden. Die exakte Summe hänge aber davon ab, von welcher Qualität das kaputte Holz sei und wofür es noch verwendet werden könne, so Kalhs.
Er riet jenen Waldbauern, die selten mit Baumschnitt zu tun hätten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn die Arbeiten nach Windschäden seien für unerfahrene Arbeiter äußerst gefährlich.
Schutzfunktion des Waldes erst wieder in zehn Jahren gegeben
Laut Kalhs werde man wahrscheinlich noch das gesamte Jahr über mit den Aufräumarbeiten beschäftigt sein, zwei bis drei Jahre würde dann die Aufforstung dauern. Bis sich der Wald soweit regeneriert hat, dass er wieder Schutzfunktionen - wie etwa vor Abschwemmung - übernehmen könne, würde es etwa zehn Jahre dauern, erklärte der Experte. Ein Preisverfall beim Holz - wie etwa im Vorjahr nach dem Orkan "Kyrill" - müsse nicht unbedingt eintreten, da "Paula" hauptsächlich in Österreich gewütet habe und Holzpreise vom internationalen Markt geprägt seien.
Die Bilanz
Die Bilanz des Horror-Sturms ist erschütternd. Heimische Versicherungen schätzen die versicherten Schäden, die "Paula" hinterlässt, auf rund 70 Millionen Euro. Allein im Bereich der Energieversorgung verursachte "Paula" doppelt so hohen Sachschaden wie Orkan "Kyrill" im Jänner 2007. Der Föhnsturm ist mit geballter Kraft über die Steiermark hinweggefegt - zum Glück hat sich der Orkan in der Nacht auf Montag wieder beruhigt. Die Aufräumarbeiten sind noch in vollem Gange, Tausende steirische Haushalte sind aber nach wie vor ohne Strom. Mehr als 500 Trafo-Stationen in der gesamten Steiermark waren außer Betrieb. Mitarbeiter der Energie Steiermark mussten die ganze Nacht auf Hochtouren an Sicherungsmaßnahmen arbeiten, nachdem umstürzende Bäume 750 Leitungen gekappt hatten.
17 Verletzte
Die Zahl der Verletzten erhöhte sich auf 17, darunter sind auch Feuerwehrleute. Bei den Aufräumarbeiten in Birkfeld (Bezirk Weiz) wurde ein 28-jähriger Oststeirer von einer hochschnellenden Fichte fünf Meter durch die Luft katapultiert und dabei lebensgefährlich verletzt.
Schlimmster Sturm seit 158 Jahren
Rettungskräfte und Meteorologen sind einer Meinung: "Paula" war eine der schlimmsten Naturkatastrophen, mit denen man es in Graz jemals zu tun hatte. Klima-Experte Gottfried Kirchengast: "Das passt in das Bild des Klimawandels." Ganze 403 mal mussten die Einsatzkräfte in Graz ausrücken. 110 Berufsfeuerwehrleute, 74 Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren aus Graz-Umgebung, 100 Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe, zwölf Ordnungswachebeamte, 121 Polizisten und sechs Personen des Roten Kreuzes waren im Dauereinsatz.
Für Alfred Sudy von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik steht fest: "Der Sturm war eine der verheerendsten Naturkatastrophen der Grazer Stadtgeschichte." Die Auswertungen der Landesmesswarte ergaben Rekord-Windgeschwindigkeiten von bis zu 135 km/h.
Seit 1850 zeigt die Grazer Unwetterchronik, die bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht, genaue Aufzeichnungen. Und diese weisen auf einen besorgniserregenden Trend hin: In den ersten 116 Jahren (bis 1966) kam es nur zu einer Schneekatastrophe (1929). Seit 1966 sind acht (!) Naturkatastrophen angeführt. Neben dem Hochwasser 2005, stellt hier der Orkan "Paula" das schlimmste Unglück dar.
In dieser Tonart wird es, laut dem renommierten Klima-Experten Gottfried Kirchengast, wohl weitergehen: "Bis auf die Stürme werden wir in Zukunft viel öfter mit Wetter-Extremen zu kämpfen haben."










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