Fast 800 Tote

Zwei Deutsche in Kenia getötet

Ausland
28.01.2008 14:15
Bei blutigen Stammeskämpfen im zentralkenianischen Rift Valley sind seit Samstagabend mindestens 17 Menschen getötet worden. Ein britische Rundfunksender berichtete Montag früh, die Opfer seien in der Stadt Naivasha zum Teil mit Macheten zerhackt oder mit Knüppeln erschlagen worden. Andere wurden bei lebendigem Leib in ihren Häusern verbrannt. Zahlreiche Menschen flohen vor dem gewalttätigen Mob aus der Stadt und auf die Gelände der umliegenden Blumenfarmen. Unter den Toten sind auch zwei Deutsche.

Die Täter folgten den beiden Deutschen nach Polizeiangaben in deren Unterkunft in einer Ferienanlage fünf Kilometer südlich von Mombasa und überwältigten einen Wachmann. Anschließend sei es zu einem längeren Kampf zwischen den beiden Deutschen und den Räubern gekommen.
 
Bei den Getöteten handelt es sich angeblich um einen in Kenia ansässigen Geschäftsmann und einen deutschen Touristen.

Seit den umstrittenen Präsidentenwahlen im vergangenen Monat sind in Kenia fast 800 Menschen getötet worden und rund 250.000 vor der Gewalt geflohen. Die Auseinandersetzungen sind vor allem Kämpfe zwischen Kikuyu, die dem gleichen Stamm wie der offizielle Wahlsieger Mwai Kibaki angehören, und anderen Volksgruppen, die Oppositionsführer Raila Odinga unterstützen.

Annan beklagt Menschenrechtsverletzungen
Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan hat am Samstag seine Bemühungen um eine Beilegung der innenpolitischen Krise in Kenia mit einem Besuch in der Unruheprovinz Rift Valley fortgesetzt. Annan äußerte sich nach der Besichtigung ausgebrannter Häuser und nach Begegnungen mit vertriebenen Einwohnern besorgt über das Ausmaß der dortigen Menschenrechtsverletzungen. Es gebe einen "groben und systematischen Missbrauch der Menschenrechte", sagte er vor Journalisten. Ein von Annan vermitteltes Treffen von Kibaki mit Odinga war am Donnerstag ohne greifbares Ergebnis geblieben.

EU-Staaten drohen Kenia
Die EU-Staaten haben Kenia indirekt mit einer Kürzung von Entwicklungshilfe gedroht, falls der gewaltsame Konflikt nicht beigelegt wird. "Sollte keine nachhaltige und einvernehmliche politische Lösung gefunden werden, so würde dies das Engagement von Geberländern in Kenia und die Beziehungen zwischen der EU und Kenia beeinflussen", heißt es in einer Erklärung, die die EU-Außenminister am Montag in Brüssel verabschiedeten.

Der kenianische Präsident Mwai Kibaki und Oppositionsführer Raila Odinga waren am vergangenen Donnerstag zu ihren ersten direkten Gesprächen seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl Ende Dezember zusammengekommen.

Die EU-Außenminister forderten, die beiden Kontrahenten müssten nun darauf aufbauen, "um gemeinsam für einen gerechten und nachhaltigen Frieden zu arbeiten". Beraten werden müsse unter anderem über eine Wahlrechts- und eine Verfassungsreform.

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