23.07.2003 22:06 |

Tour de France

Armstrong im Schatten des kleinen Kollegen

Lance Amstrong umarmte Tyler Hamilton. Diesmal stand der große Amerikaner im Schatten seines kleinen, ehemaligen Team-Kollegen vom dänischen CSC-Team, der die 16. Etappe am Mittwoch im Alleingang gewann - obwohl er seit dem Tourstart mit einem doppelten Haarriss im Schlüsselbein unterwegs ist. An der Spitze des Gesamtklassements läuft bei der 90. Tour de France alles auf den großen Showdown zwischen Lance Armstrong und Jan Ullrich beim Zeitfahren am Samstag hin.
Die letzte Pyrenäen-Etappe brachte zwischenPau und Bayonne nach 197,5 Km keine Veränderung zwischenden beiden Tour-Giganten. Der 31- jährige Seriensieger ausTexas, auf dem besten Weg mit dem fünf Mal hintereinandererfolgreichen Miguel Indurain gleichzuziehen, geht mit 1:07 MinutenVorsprung auf seinen Herausforderer in die letzten vier Tour-Etappen.
 
Auf dem 16. Tagesabschnitt stand aber ein andererAmerikaner im Mittelpunkt. Hamilton, der "König der Schmerzen",der 140 Km vor dem Ziel zu einer Spitzengruppe stieß undsich bald danach absetzte, siegte als Solist. "Es war der härtesteTag meines Lebens", sagte der diesjährige Gewinner des Weltcup-RennensLüttich-Bastogne-Lüttich. Seit dem Massensturz auf der1. Tour- Etappe ist der 32-Jährige, von der "L'Equipe" mitdem Prädikat "Vater Courage" bedacht, mit einem lädiertenSchlüsselbein unterwegs.
 
"Mein besonderer Dank gilt meinem Team, das michheute Vormittag wieder ans Feld geführt hatte, nachdem ichkurz den Kontakt verloren hatte", sagte Hamilton. Nachdem er wiederAnschluss gefunden hatte, startete er seinen ziemlich verzweifeltwirkenden Angriff auf eine bessere Platzierung im Gesamtklassement.Die letzte Steigung der Jubiläums-Tour nahm Hamilton bereitsim Alleingang. "Die Schmerzen in der ersten Woche waren brutal.Inzwischen habe ich mich wohl daran gewöhnt. Ich habe nochnie eine härtere Tour gefahren", sagte Hamilton.
 
Am Gipfel des Bagarguy hatte der ehemalige Team-Kollegevon Armstrong über vier Minuten Vorsprung auf das Feld, anderen Spitze sich der Träger des Gelben Trikots und Ullrichgegenseitig in Manndeckung genommen hatten. Vor dem unbeugsamenCSC-Kapitän Hamilton lagen zu diesem Zeitpunkt noch 87 Kilometerbis ins Ziel - ein aussichtslos erscheinendes Unterfangen.
 
Aber die Umstände und Interessen der Topfahrerspielten ihm in die Hände. Am Schluss nützte es auchnicht mehr viel, dass sich die Telekom-Mannschaft als Tempomacherfür Zabel und Winokurow vor das Feld spannte. Der magentafarbeneExpress rollte auf den letzten 45 Km und ebnete Zabel so den Wegzum zweiten Platz und dezimierte den Vorsprung Hamiltons im Hinblickauf den dritten Platz des Olympia- Zweiten Winokurow.
 
In der ersten Stunde des Rennens setzten die Fahrerihren unglaublichen Parforceritt auf der Geburtstags-Tour mitüber 48 Km/h fort und sind damit weiter auf Rekordfahrt.Nach den großen Pyrenäen- Etappen lag der Gesamtdurchschnitt(40,30 Km/h) über dem bisherigen absoluten Rekord in 100Jahren Tour, den Armstrong 1999 bei seinem ersten Sieg mit 40,27aufgestellt hatte. Die restlichen Etappen versprechen eine weitereSteigerung.
 
In diesem Zusammenhang interessant: Bisher störtenkeinerlei Doping-Nachrichten die Tour-Feierlichkeiten. Am Morgendes Ruhetages nach dem eindrucksvollen Armstrong-Sieg in Luz Ardidenwaren die Blut-Kontrolleure - auch bei dem Texaner - ohne auffälligesErgebnis. Alle Doping-Proben, die in der erst Tour-Woche auchunter Aufsicht der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA standen, warenbisher negativ. Jedenfalls wurden noch keine positiven Ergebnissebekannt.
Mittwoch, 05. Mai 2021
Wetter Symbol

Sportwetten