25.01.2008 16:31 |

Annäherung

Springt Paul Scharner doch noch auf EM-Zug auf?

Für Paul Scharner war der Zug zur EURO 2008 eigentlich schon abgefahren, doch seit Donnerstag scheint ein Comeback des Wigan-Legionärs nicht mehr ganz ausgeschlossen. Dafür, dass noch einmal Bewegung in die Sache gekommen ist, zeichnet ausgerechnet Teamchef Josef Hickersberger verantwortlich. Der hat nämlich im Rahmen der Kader-Präsentation für das Deutschland-Spiel am 6. Februar in Wien angekündigt, mit dem Niederösterreicher ein Vier-Augen-Gespräch führen zu wollen und will dafür gegebenenfalls sogar nach England fliegen.

Laut "Hicke" hat Scharner zuletzt mehrmals den Kontakt mit ihm gesucht - zunächst allerdings erfolglos, weil der Ex-Austrianer zweimal auf der Mobilbox des Teamchefs landete und Hickersberger - nach eigenen Angaben auch aufgrund der "Angst", auf einen Stimmen-Imitator hereinzufallen - auf einen Rückruf verzichtete. Schließlich kam doch noch ein Gespräch zusammen, in dem Scharner dem Coach versicherte, wieder für das Team spielen zu wollen. "Ich habe ihm aber erklärt, dass man so etwas nicht am Telefon, sondern unter vier Augen besprechen muss."

Hickersberger: Rückkehr "sehr unwahrscheinlich"
Der Teamchef betonte aber auch, dass sich an seiner Meinung "bisher" nichts geändert habe und bezeichnete eine Rückkehr von Scharner als "sehr unwahrscheinlich". Damit ging der Trainer aber von seinem bisherigen Standpunkt ab, denn noch im Oktober in Schruns hatte er behauptet, Scharner werde "sicher nicht" bei der EURO dabei sein.

Der Defensiv-Spezialist hatte wenige Tage nach der Heimniederlage gegen Ungarn im August 2006 erklärt, nicht mehr für Österreich spielen zu wollen. Als Grund gab er unter anderem mangelnde Professionalität im ÖFB und indirekt auch fehlende Klasse der rot-weiß-roten Auswahl an.

Deswegen wäre eine Rückhol-Aktion des Revoluzzers laut "Hicke" auch im Hinblick auf die gruppendynamischen Prozesse innerhalb der Mannschaft nicht einfach. "Wir haben einen Kader, in dem sich ein Teamgeist entwickelt hat. Daher wäre es schwierig, Scharner wieder in die Mannschaft zu integrieren."

Vorläufig kein Kommentar von Scharner
Scharner selbst wollte zu seinem nicht mehr unmöglich scheinenden Comeback in der österreichischen Nationalmannschaft keinen Kommentar abgeben. "Er hat gesagt, dass er sich zu diesem Thema zumindest bis zum Spiel am Dienstag gegen Middlesbrough (Anm.: dem Club von Emanuel Pogatetz) nicht äußern will", erklärte sein Mental-Betreuer Valentin Hobel, für den es "naheliegend" wäre, dass Hickersberger zu diesem Match reist und danach ein Gespräch mit Scharner führt.

Hobel selbst fliegt am Freitag nach England, wo er unter anderem Transfergespräche mit Fulham führen wird. Der Premier-League-Club aus London zeigt starkes Interesse an einer Verpflichtung des Niederösterreichers noch vor dem Ende der Transferzeit am kommenden Donnerstag.

Stranzl spricht sich gegen Rückkehr aus
Zuletzt hatte sich Martin Stranzl in einem auf seiner Homepage veröffentlichten Interview klar gegen eine Scharner-Rückkehr ausgesprochen. "Paul hat gesagt, dass er nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen will und damit hat sich die Sache eigentlich erledigt. Er kann nicht kurz vor der EURO sagen, dass er doch wieder spielen will, wenn er in der harten Phase nicht dabei sein wollte. Das geht einfach nicht", wurde der Spartak-Moskau-Legionär zitiert.

Der Burgenländer gab in diesem Interview auch einigen Mitspielern "Tipps", was Hickersberger missfiel. Er werde den Spielern klar machen, dass es im Hinblick auf die Europameisterschaft manchmal besser sei zu schweigen, so der Teamchef.

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