Kopftuch-Urteil
Überarbeitung der Verfassung in der Türkei?
"Ich glaube, eine Debatte über eine neue Verfassung und ein Zwei-Kammern-Parlament wäre vorteilhaft", sagte Toptan. Eine Änderung des parlamentarischen Systems würde beispielsweise den Druck auf das Verfassungsgericht lockern. Die Opposition reagierte ablehnend auf den Vorstoß von Toptan. "Die Verfassung zu ändern wäre das Schlimmste, was man in der gegenwärtigen gespannten Lage machen kann", sagte der Chef der kemalistischen CHP-Partei, Deniz Baykal.
Gewaltenteilung missachtet
Wegen des Urteils war die regierende AKP-Partei am Freitag zu einem Krisentreffen zusammen gekommen. Nach sechsstündigen Beratungen kritisierte Vize-Parteichef Dengir Mir Mehmet Firat am späten Abend das Verfassungsgericht scharf. Dieses habe mit seinem Urteil die Gewaltenteilung zwischen Politik und Justiz missachtet.
Gesetz rückgängig gemacht
Das Verfassungsgericht hatte am Donnerstag ein umstrittene Gesetz wieder rückgängig gemacht, das Frauen das Tragen von Kopftüchern an Universitäten erlaubt hatte. Das von der regierenden religiös-konservativen AKP durch das Parlament gebrachte Gesetz verletze das Prinzip des Säkularismus, erklärte das Gericht.
Die Entscheidung ist Beobachtern zufolge ein weiteres Indiz dafür, dass die AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip wahrscheinlich verboten wird: Die Kopftuch-Frage spielt in der Anklage gegen die AKP, der anti-laizistische Aktivitäten vorgeworfen werden, eine zentrale Rolle.



Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.