Finanzskandal
Milliarden-Zocker Kerviel in Polizeigewahrsam
Die Ermittler können den 31-Jährigen nun mindestens 24 Stunden - auf Veranlassung eines Staatsanwalts sogar bis zu 48 Stunden - festhalten und ihn ohne Beisein eines Anwalts befragen. Zuvor hatte ein Großaufgebot von Sicherheitskräften am Sitz der Finanzpolizei in Paris eine einfahrende Wagenkolonne von Journalisten abgeschirmt.
Die Durchsuchung in der Zentrale von Société Générale am Freitag habe das Ziel gehabt, Kerviels dortigen Computer sicherzustellen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Den Ermittlern seien freiwillig "einige für die Untersuchung wichtige Gegenstände" übergeben worden. Am Freitagnachmittag hatten die Ermittler laut Staatsanwaltschaft bereits die Wohnung Kerviels im Pariser Nobel-Vorort Neuilly-Sur-Seine durchsucht und sie laut Augenzeugen mit mehreren Koffern verlassen. Kerviel hatte sich dort nach Angaben der Nachbarn seit mehreren Wochen nicht mehr blicken lassen.
EZB-Chef fordert schärfere Kontrollen
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, forderte schärfere interne Kontrollen der Banken. Aus dem Fall in Frankreich und anderen "Betrugsfällen in großem Stil" müsse die Lehre gezogen werden, dass eine Verschärfung der internen Kontrollen eine "absolute Notwendigkeit" sei, sagte Trichet dem französischen Fernsehsender LCI. Der französische Präsidentschaftsberater Raymond Soubie sagte im Fernsehen, Kerviels Handelsvolumen habe mehr als 50 Milliarden Euro betragen und damit mehr als der derzeitige Börsenwert von Société Générale von 35,9 Milliarden Euro.
„Wie ein unbeabsichtigtes Feuer“
Société Générale-Chef Daniel Bouton betonte in der Zeitung "Le Figaro" (Samstagsausgabe), die Milliardenverluste durch Kerviels eigenmächtige Spekulationen seien nicht durch eine verfehlte Unternehmensstrategie verursacht worden. "Es ist mehr wie ein unbeabsichtigtes Feuer, das eine große Fabrik einer Industriegruppe zerstört", sagte er. Zugleich wies Bouton den Vorwurf zurück, seine Bank habe den Skandal vertuschen wollen, sowie die Spekulation, die Krise seiner Bank habe zur Zinssenkung der US-Notenbank geführt.
Kerviel soll laut einem "Spiegel"-Bericht auch eine gigantische Wette auf den deutschen Börsenindex Dax aufgebaut haben. Allein bei diesem Geschäft habe er vermutlich rund zwei Milliarden Euro Verlust eingefahren, berichtete das Magazin unter Berufung auf Insider.
Die Société Générale hatte den Skandal am Donnerstag publik gemacht und am Freitag erklärt, er sei durch einen "isoliert agierenden Mitarbeiter" verursacht worden. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Unterschriftenfälschung und Betrug.



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