Massengrab

50 Skelette auf Baustelle in Deutschland gefunden

Ausland
23.01.2008 21:22
Grauenvolle Funde auf der Uni-Baustelle in Kassel in Deutschland: Die Zahl der dort entdeckten Skelette hat sich bis Mittwochnachmittag auf etwa 50 erhöht, wie die Kriminalpolizei mitteilte. Den Angaben zufolge lagen die Leichen teilweise übereinander. Nach den neuerlichen Funden verfügte die Staatsanwaltschaft einen Baustopp für die Uni-Erweiterung. "Es kann gut sein, dass noch weitere Skelette gefunden werden. Wir sind auf alles vorbereitet", sagte Polizeisprecherin Sabine Knöll.

Am Fundort stand im Zweiten Weltkrieg eine Lokomotiven- und Panzerfabrik der Firma Henschel und Sohn, die Tausende Zwangsarbeiter beschäftigte, wie Stadtarchivar Frank-Roland Klaube sagte. Nach Erkenntnissen des Kasseler Historikers Dietfried Krause-Vilmar betrieb allein diese Firma elf Zwangsarbeiter-Massenunterkünfte in der Stadt.

Vier Skelette waren bereits in der vergangenen Woche entdeckt worden, am Montag und Dienstag waren 26 hinzu gekommen. Am Mittwoch wurde die Baustelle erneut von Spurensicherung unter die Lupe genommen, die zunächst "sechs bis sieben weitere Skelette" entdeckte, wie die Sprecherin sagte. Abends berichtete die Polizei dann von weiteren Funden und gab die Gesamtzahl mit rund 50 an.

Skelette werden freigelegt
In den nächsten Tagen will die Polizei die gefundenen Skelette komplett freilegen. Die eigentliche Bergung übernehmen Gerichtsmediziner. "Dann werden die Skelette in die Gerichtsmedizin der Uni Gießen gebracht. Wir sind sehr gespannt, was die Fachleute herausfinden", sagte Knöll. Ein Ergebnis erwarten die Ermittler frühestens für die nächste Woche.

Eine erste Einschätzung der Gerichtsmediziner taxierte die Liegezeit auf mindestens 50 und höchstens 100 Jahre. Zu der Frage, ob die Skelettfunde mit NS-Verbrechen in Zusammenhang stehen könnte, oder ob es sich um Opfer einer Bombardierung handeln könnte, wollte sich die Sprecherin zunächst nicht äußern.

Es gebe jedoch noch eine weitere Möglichkeit, wie der Kasseler Stadtarchivar Frank-Roland Klaube sagte: "Bis 1870 stand an dieser Stelle ein Lazarett. Es könnte also sein, dass Kranke einer Seuche zum Opfer gefallen sind und schnell begraben werden mussten." Allerdings spreche die erste Einschätzung der Gerichtsmediziner gegen diese Theorie, wonach der Tod der Gefundenen nicht länger als 100 Jahre zurückliegt.

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