27.12.2007 17:22 |

Kampf dem Krebs

Patienten testen therapeutischen Krebsimpfstoff

Die Wissenschaft bewegt sich in der Bekämpfung von Krebs langsam in Richtung therapeutischer Impfstoffe. Einen Beitrag dazu leistet auch der Mediziner Thomas Felzmann, der mit seinem Team am Forschungsinstitut des St. Anna-Kinderspitals in Wien nach jahrelanger Arbeit geschafft hat, eine Vakzine (Impfung) mit so genannten dendritischen Zellen zu entwickeln, denen Antigene des Tumors "verfüttert" werden. Jetzt startet eine Studie mit insgesamt 70 Patienten in mehreren österreichischen Krankenhäusern.

Ein bösartiger Tumor kann mit Impfstoffen einerseits bekämpft werden, indem man die Abwehrreaktion des Patienten erhöht. Die andere Seite ist die Beeinflussung des Immunsystems des Patienten - und zwar so, dass es einen Tumor aggressiver bekämpft.

Felzmann und seine Mitarbeiter sind auf dem Boden der letztgenannten Strategie tätig: "Wir entnehmen Patienten Monozyten aus dem peripheren Blut. Diese sind Vorläuferzellen für dendritische Zellen, welche dem Immunsystem Antigene von Krankheitserregern oder Tumoren zur Ausbildung einer Immunantwort präsentieren. Diese Monozyten werden in der Kultur zu dendritischen Zellen durch die Anwendung von Faktoren wie Interleukin-4 und GM-CSF ausdifferenziert ("ausgereift", Anm)."

Das ist aber nur der erste Teil der Herstellung der für jeden Patienten individuellen Vakzine. Der Wissenschafter: "In unserem Konzept wird Tumorgewebe von dem Patienten gewonnen, bestrahlt, zu einer Zell-Suspension verarbeitet und zusammen mit Substanzen wie Gamma-Interferon und Lipopolysaccharid (LPS, Anm.) den dendritischen Zellen 'verfüttert'." Das bringt die dendritischen Zellen dazu, einerseits den Immunbotenstoff Interleukin-12 abzugeben, was bestimmte Immunzellen - die Th1-Zellen - aktiviert. Andererseits machen sie diese T-Zellen auch "scharf" für die Bekämpfung des Tumors.

Tests an 70 Patienten
Eine erste Phase-I-Studie an Kindern mit verschiedenen bösartigen Tumoren zeigte, dass die Strategie machbar und sicher sein dürfte. Jetzt geht es aber wesentlich weiter. Felzmann: "Wir beginnen mit einer placebo-kontrollierten Phase-II-Studie mit insgesamt 70 Nierenzellkarzinom-Patienten. Es geht darum zu zeigen, ob wir ein Fortschreiten der Erkrankung eventuell hinausschieben können. Das tritt normalerweise zwei bis drei Monate nach der Operation ein."

35 der Probanden mit Nierenzellkarzinomen erhalten innerhalb von sechs Wochen sechs Mal die aus ihren dendritischen Zellen produzierte Vakzine. 35 andere Probanden erhalten hingegen ein Placebo, das für Ärzte wie Testpersonen nicht von dem echten Impfstoff zu unterscheiden ist. Man rechnet, dass binnen zwölf bis sechzehn Monaten alle Patienten in die Studie aufgenommen worden sind. Die endgültigen Ergebnisse dürften in rund drei Jahren vorliegen.

Felzmann: "Im Prinzip wäre diese Strategie für jeden Tumor verwendbar." Aber zuerst müsste sich zeigen, dass die Impfung die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung wirklich verlängert.

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