08.12.2007 17:14 |

Jahrelang gequält

Achtjährige flüchtet im Pyjama vor Mutter

In Wien-Favoriten soll ein heute acht Jahre altes Mädchen schon seit Jahren von seiner alkoholkranken Mutter schwer misshandelt worden sein. Am vergangenen Wochenende dürfte die Situation eskaliert sein: Die Frau soll ihr Kind mitten in der Nacht aus der Wohnung geworfen haben, die Achtjährige musste im Pyjama zu einem Bekannten flüchten. Laut Jugendamt ein "08/15-Fall".

Das Jugendamt ist seit rund drei Jahren über die Situation informiert. Aber erst nach dem jüngsten Vorfall sei der Alleinerzieherin die Obsorge entzogen worden. In Absprache mit den Behörden habe nun ein Onkel aus Polen seine Nichte vorläufig zu sich nach Hause mitgenommen, auf eigenen Wunsch der Achtjährigen.

Bisswunden und blaue Flecken
Nach Angaben des Bekannten war das Kind zuletzt in einem schrecklichen Zustand. Es hatte Bisswunden, Schnittwunden und blaue Flecken am Hals. Eine Woche vorher soll ihr mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen worden sein.

Der Bekannte, der anonym bleiben will, hat daraufhin den Onkel des Mädchens informiert, der aus Polen anreiste. Das Jugendamt ließ offenbar lediglich verlauten, bis Weihnachten werde man sich um eine Lösung bemühen. Der Mann fuhr mit dem Kind daraufhin zur Polizei und dann zum Bezirksgericht. Dort habe eine engagierte Richterin innerhalb von vier Stunden durch einen rechtskräftigen Gerichtsbeschluss der Mutter vorläufig die Obsorge entzogen.

Keine Hilfe von Behörden
Der Bekannte des Mädchens kritisiert nun, dass die Behörden dem Kind nicht geholfen hätten. "Das Jugendamt kam leider immer nur, in 95 Prozent der Fälle, angekündigt. Natürlich war die Mutter nicht alkoholisiert und das Mädchen wurde in den Park geschickt zum Spielen", wird er vom ORF-Morgenjournal zitiert. Dass Besuche der Sozialarbeiter angekündigt werden, habe den Sinn, dass man den Familien nicht gleich Misstrauen signalisieren wolle, hieß es vom Jugendamt, das den Fall zunächst nicht weiter kommentieren wollte.

Laut Jugendamt "08/15-Fall"
Eine mit dem Fall vertraute Sozialarbeiterin bezeichnete die Geschichte der Achtjährigen als "08/15-Fall, wie wir Tausende haben". Und: "Das ist im Grunde unser täglich Brot." Derzeit würden rund 3.000 Kinder und Jugendliche in Wien im Rahmen von Jugendwohlfahrtsmaßnahmen ambulant, das heißt zu Hause oder bei nahen Angehörigen, betreut. Zuständig sind dafür 238 Sozialarbeiterinnen, heuer seien sechs solcher Posten dazugekommen.

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