Di, 13. November 2018

Erotik & Begierde

31.10.2007 12:30

Atemloses Begehren: "Lady Chatterley"

Pascale Ferran ist eine sensible Filmemacherin. „Lady Chatterley“ ist ihr dritter Spielfilm. Basierend auf D. H. Lawrences erotischem Roman inszeniert sie berührende Szenen atemlosen Begehrens. Ab 3. November im Kino.

Dafür lebte sie: für ihre Stunden im Wald. An manchen Tagen konnte sie gar nicht hinaus, an anderen erst nach dem Tee. Aber wenn sie hinausging, sie fand ihn dort oder wusste sicher, dass er kommen würde. Und an der raschen eifrigen Art, mit der er sich umsah, wenn er aus dem Pfad auftauchte, erkannte sie, dass er nach ihr ausschaute... Seine Hand an ihrer Brust war wie Flammen... Dann tastete er mit blindem, überwältigendem Instinkt nach dem Hügel ihrer Lenden. Und sie unterwarf sich in einer Art Schlaf..."(D. H. Lawrence)

Im März 1927 wird D. H. Lawrence, der Autor der für diese Zeit gewagten Zeilen an eine Freundin schreiben: "Ich habe meinen Roman geschafft, mir gefällt er, aber er ist so unsittlich, dass er, wenn es nach den armen konventionellen Dummköpfen geht, nie gedruckt werden wird." Die Rede ist von "Lady Chatterleys Lover", ein Werk, das die Erotik literarisch feiert und einen doppelten Tabubruch begeht - zum einen ob der Direktheit der Sprache, zum anderen ob der Unmöglichkeit dieser Liaison, die die Gattin eines englischen Edelmannes und einen Wildhüter in ekstatischer Begierde verbindet: Lady Constance Chatterley und Oliver Parkin - skandalöse Metapher einer unstandesgemäßen Liebe.

Nymphengleiche Hauptdarstellerin
Drei Roman-Fassungen aus der Feder von D. H. Lawrence spiegeln die intimen Momente jenes berühmten Paares der Weltliteratur, das die in Paris geborene Filmemacherin Pascale Ferran - sie wurde in Cannes 1994 für ihren ersten Spielfilm "Petits Arrangements Avec Les Morts" mit der Camera d’Or ausgezeichnet und 2000 von Stanley Kubrick mit der französischen Synchronisation von "Eyes Wide Shut" betraut - nun mit großer Sensibilität auf die Leinwand transferiert. In den Hauptrollen brillieren die nymphengleiche Marina Hands als Lady Chatterley, Jean-Louis Coulloch als Wildhüter Parkin und Hippolyte Girardot als auf den Schlachtfeldern von Flandern versehrter, an den Rollstuhl gefesselter Clifford Chatterley - Constances Gatte, Herr auf Wragby Hall.

"Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie die beseelte Schönheit ihres Leibes, ihrer Schenkel und Hüften empfunden... Er war wie der Himmel, der sich über ihr wölbte, wie Gott, der überall war. Und dann, wenn sie diese Stimmung mit ihrer ganzen Ekstase ausgekostet hatte, schüttelte sie sie ab und wurde sie selbst, frei und berstend vor Kraft wie eine Bacchantin, wie eine Amazone... " (D. H. Lawrence)

Zwischen Prüderie und Pornografie
Ferran hält sich bei ihrer Verfilmung an das zweite Buch, das Natur und Wollust in kongenialer Weise verbindet. Trotz expliziter Nacktheit und Nähe sind die von Regisseurin Pascale Ferran realisierten Sexszenen von unendlicher Zartheit und keuscher Zärtlichkeit umfangen, gilt es doch für zwei drängende Leiber eine gemeinsame Körpersprache zu finden. Allein bis zum ersten Kuss vergeht eine Stunde... Gemächlich bahnt sich die Lust irgendwo zwischen Prüderie und Pornografie den Weg sinnlichen Entzückens: Erotik als reines, befreiendes Erleben des Augenblicks, zum Teil in berührend verschämter Echtzeit gefilmt, die sich einer absoluten Gegenwärtigkeit im Erkennen des anderen ausliefert. Letztlich erzählt "Lady Chatterley" von der Begegnung zweier einsamer Menschen, die in ihren Identitäten gefangen sind - und ihre Freiheit erst im Erspüren wieder gewinnen.

Marina Hands, die für ihre Rolle der Lady Chatterley in Frankreich mit dem Cesar als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde, hatte bereits im Frühjahr in Cannes in Julian Schnabels Drama "Schmetterling und Taucherglocke" überzeugt - eine Parabel über die Freiheit des menschlichen Geistes. M. Hands: "Ferran zeigt, wie erfüllte Sexualität einen Menschen und seine Persönlichkeit verändert. Ist nicht jeder Liebesakt ein Wunder?" ("Lady Chatterley", ab 3. November im Kino)

Von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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