Fr, 22. Juni 2018

"Bin nicht schwul!"

15.10.2007 17:46

Prälat macht nach "Coming Out" im TV Rückzieher

Der italienische Prälat Tommaso Stenico, der sich vor Tagen im Fernsehen scheinbar anonym als homosexuell geoutet hatte und darauf vom Vatikan suspendiert wurde, macht einen Rückzieher: "Ich bin betrogen worden. Ich wusste nicht, dass man mich filmen wollte. Ich bin Opfer eines Betrugs wegen meiner Tätigkeit als Priester und Psychologe. Ich habe so getan, als wäre ich schwul, um mit jenen innerhalb und außerhalb des Vatikans in Kontakt zu kommen, die mit ihrer Homosexualität dem Ansehen der Kirche schaden", sagte der Geistliche der Zeitung "La Repubblica".

Die Vorgeschichte: Nach der Sendung, in der der Prälat mit verzerrter Stimme und mit abgedecktem Gesicht über seine Homosexualität erzählte, wurde er im Vatikan dennoch erkannt und seines Amtes in der Kleruskongregation enthoben. Stenico hatte im Fernsehen erklärt, dass er sich beim Geschlechtsverkehr mit anderen Männern "nicht schuldig" fühle. Der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi, bestätigte tags darauf die Amtssuspendierung: "Sein Verhalten ist mit dem geistlichen Dienst und mit dem Heiligen Stuhl unverträglich."

Der Prälat tritt häufig im vatikanischen Sender "Telepace" auf, wo er als Kommentator eine Sendung leitet (siehe Foto). "Ich werde meine Unschuld beweisen, weil ich nichts Böses getan habe", sagte Stenico jetzt in dem Zeitungsinterview. Er ist nicht nur aller Ämter enthoben, die Justizbehörden im Vatikan leiteten auch eine Untersuchung gegen ihn ein. Man wolle klären, ob er mit Minderjährigen Sex hatte. Ob es dafür einen konkreten Verdacht gibt, ist nicht bekannt.

"Der Heilige Stuhl will diesen Fall klären. Wir müssen jedoch die zuständigen vatikanischen Behörden arbeiten lassen, ohne dass sie vom Medienrummel gestört werden", wird Kardinal Julian Herranz, Präsident der Disziplinarkommission des Vatikans zitiert. Der Kardinal betonte, dass Priestern, die Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen unter 16 Jahren haben, schwere Strafen drohen.

"Es handelt sich jedoch um sehr seltene Fälle, die zum Glück nicht die ganze Gemeinschaft belasten. In der Kirche, im Heiligen Stuhl und in den verschiedenen Kongregationen gibt es sehr viele Menschen, Laien und Geistliche, die dem Papst mit Ernsthaftigkeit, Ausdauer und Liebe für das Wort Christi dienen", so der Kardinal.

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