Mi, 20. Juni 2018

Magie der Tasten

13.10.2007 21:13

Martin Reiter: "Alma"

Als "irgendwo zwischen Ravel und Radiohead" angesiedelt, bezeichnet Jazz-Gitarrist und Label-Chef Wolfgang Muthspiel das Stück "Alma" aus dem gleichnamigen, neuen Album des Wiener Pianisten Martin Reiter. Der 29-Jährige ergreift die Zuhörer seines zweiten Solo-Werkes mit der Magie der Tasten und stellt mit klassischen und brasilianischen Einflüssen und der Unterstützung eines bunten Musikerensembles ein stimmiges Album vor, das endlosen Hörgenuss in Aussicht stellt.

Mit dem Brasilianer und Wahl-Österreicher Alegre Correa (voc, guit), dem Kolumbianer Juan Garcia Herreros (b), der brasilianischen Sängerin Ana Paula Da Silva und dem Schweizer Ausnahmetrompeter Matthieu Michel fährt Reiter auf "Alma" neben seiner "Stammband", bestehend aus Matthias Pichler (acoustic bass), Peter Kronreif (dr), Judith Reiter (Viola) und dem Harmonica-Spieler Bertl Mayer, ein internationales Line-Up.

Die acht Stücke auf "Alma" glänzen, dem Ensemble Rechnung tragend, mit unterschiedlichen Einflüssen aus lateinamerikanischer Musik, Blues (Harmonica) und natürlich Martin Reiters eigenen Wurzeln, die nicht nur im Jazz und Funk, sondern auch in der Klassik ihr Zuhause haben.

Das erste Stück "Principessa": Ein transparentes Arrangement, das auf dem zurückhaltenden, dennoch klar akzentuierten Piano ruht und erst durch ausladende Harmonica- und Trompeten-Soli sowie Alegre Correas simultanem Gesang und Gitarrespiel verdichtet wird. Großartige Ostinato-Pattern vom Upright-Bass über die Drums bis zum Piano, dazu der arabische Gesang von Alegre Correa prägen "Shabanac". Von Johann Sebastian Bach ließ sich Martin Reiter bei "Phenomenon" inspirieren und huldigt dem Barock-Komponisten mit einem aufregend-akrobatischen Durchmarsch im Mittelteil des Stückes.

An vierter Stelle befindet sich das Titelstück "Alma" - ein Solo-Arrangement, mit dem Reiter in seine Welt aus harmonischen, aber dennoch diffizilen Akkorden, punktgenau platzierten Dissonanzen und musikalischen Zitaten bittet, die den Zuhörer nach vier Minuten und siebenunddreißig Sekunden mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen ins nächste Stück geleiten. Mit "Minas Waltz" vollführt Reiter mit rein europäischer Besetzung (Michel, Pichler, Kronreif) einen Tanz, der über luftige Trompeten-Choloraturen in ein Bass-Solo mündet.

Bei "Pra Frederic" - ein Stück an F. Chopin - werden die brasilianischen Einflüsse schlagend. Etwas Bossa Nova, dazu die bluesige Harmonica und der geatmete, scharfe Gesang von Ana Paula da Silva machen das Stück zu einem rhythmischen Ausflug in oberflächlich kaum jazzige Gefilde. Für die brasilianische Sängerin (und Gitarristin) schrieb Reiter das zweite Solo-Stück "Ana". Mit "Tupinamba" - dem letzten Stück - folgt eine weitere Latin-Anleihe, die sich ob ihrer klaren jazzigen Akzente dennoch nicht eindeutig klassifizieren lassen will. Wie auch vieles andere an "Alma" erfreulicherweise nicht. Ja, eine Empfehlung.

9 von 10 Treffen zwischen Ravel und Radiohead


Christoph Andert

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