Mi, 18. Juli 2018

Messer in Bauch

09.10.2007 00:07

18-jähriger Asylwerber unternahm Suizid-Versuch

Ein 18-jähriger nigerianischer Asylwerber hat sich Montagnachmittag am Stadtplatz von Steyr ein Messer in den Bauch gerammt. Er hatte zuvor erfahren, dass sein Asylverfahren negativ abgeschlossen worden sei und "aufenthaltsbeendende Maßnahmen" zu setzen seien. Der Mann wurde ins Landeskrankenhaus eingeliefert. Seine Verletzungen sind ersten Information zufolge nicht lebensgefährlich.

Der gebürtige Nigerianer war seit rund zweieinhalb Jahren in Österreich und nach eigenen Angaben seit dem Jahr 2000 auf der Flucht. Laut einer früheren Betreuerin gab der junge Mann im Asylverfahren an, sein Vater sei eine Art Heiler oder Medizinmann gewesen. Doch bei einem seiner Patienten sei die Behandlung fehlgeschlagen. Dessen Angehörige hätten deshalb seinen Vater umgebracht.

Auch der 18-Jährige habe um sein Leben fürchten müssen. Daher sei er als damals Elfjähriger aus Nigeria in den Sudan geflüchtet. Dort habe er sich mehrere Jahre lang aufgehalten. Wegen des Darfur-Konfliktes sei er 2005 nach Österreich gekommen. Hier wurde er zunächst im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen aufgenommen, später wurde er in Steyr betreut.

Am Montag wurde ihm mitgeteilt, dass der Bundesasylsenat in zweiter Instanz sein Asylverfahren negativ abgeschlossen habe und nun "aufenthaltsbeendende Maßnahmen" zu setzen seien. Dabei wurde ihm auch mitgeteilt, dass er mit Schubhaft rechnen müsse, wenn er versuchen sollte, sich dem Abschiebeverfahren zu entziehen. Seine Rechtsvertreter kündigten die Anrufung des Verwaltungsgerichtshofes an und einen Antrag auf aufschiebende Wirkung.

Der junge Mann äußerte gegenüber Bekannten, dass er verzweifelt sei. Er wolle nicht ins Gefängnis und abgeschoben werden, lieber wolle er in Österreich sterben. Er habe niemand in Nigeria, weder Vater, noch Mutter, Bruder, Schwester. Er habe nie Probleme in Österreich gehabt. Aber hier hätten Hunde ein besseres Leben als Menschen aus Afrika, sagte der 18-Jährige. Vor seiner Selbstverletzung auf dem Stadtplatz in Steyr hat er noch Flugzettel verteilt, um auf seine Lage aufmerksam zu machen. Die Steyrer Polizei bestätigte, dass der junge Asylwerber nie straffällig geworden sei. Was mit ihm weiter geschehen soll, sei nun mehr eine medizinische Frage.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.