Do, 19. Juli 2018

Wurz hört auf

10.10.2007 15:36

Alexander Wurz beendet seine Formel-1-Karriere

Der Grand Prix von China ist am Sonntag das letzte Formel-1-Rennen von Alexander Wurz gewesen. Der 33-jährige Österreicher hat am Montag in einem gemeinsamen Statement mit Teamchef Frank Williams sein Karriereende bekannt gegeben. Schon am Wochenende in Shanghai waren die Zeichen auf Abschied gestanden. Beim finalen Saisonrennen am 21. Oktober in Brasilien wird bereits ein anderer Pilot im Williams-Toyota sitzen: der Japaner Kazuki Nakajima.

Nakajima, in der diesjährigen GP2-Serie "Rookie of the Year", fungierte bisher als offizieller Test- und Reserve-Pilot von Williams. Der 22-Jährige hat bis dato 7.000 km im neuen FW29 abgespult und war bei fünf Rennen im freien Freitag-Training im Einsatz. Williams stellte klar, dass das Rennen in Brasilien kein Ausscheidungsrennen für Nakajima im Bezug auf ein Renncockpit 2008 ist.

Gedanken an den Rücktritt schon seit Juni
"Ich habe mir immer vorgenommen, den Zeitpunkt nicht zu versäumen", begründete Wurz, der in den vergangenen Wochen aufgrund seiner vertraglichen Situation zum öffentlichen Schweigen verpflichtet war. Dabei war die Rücktrittsentscheidung ein Prozess gewesen, der nach dem dritten Podestplatz seiner Karriere im Juni in Montreal begonnen hatte. "Natürlich ist das für einen Sportler schwierig, aber ich wollte immer zurücktreten, wenn auch nur die geringsten Zweifel aufkommen, dass ich nicht mehr jeden Tag 110 Prozent geben kann."

Genau diese 110 Prozent sei der dreifache Familienvater nicht mehr bereit, rund um die Uhr zu geben. Über eine mögliche weitere Zusammenarbeit mit Williams sei bisher aber keine definitive Entscheidung gefallen. Ersatzfahrer wird Wurz aber definitiv nicht mehr. "Eine ganze Saison mache ich das nicht mehr." Beruflich will sich der Niederösterreicher stattdessen vorerst auf seine Tätigkeiten im Umfeld der Verkehrssicherheit konzentrieren.

Wurz hatte in der laufenden Saison zwar 13 WM-Punkte für Williams eingefahren, im Zeittraining war er bei 16 Versuchen aber nur ein einziges Mal schneller gewesen als sein Teamkollege Nico Rosberg - am 7. Juli 2007, als der Deutsche in Silverstone bereits in der ersten Quali-Phase ausgeschieden war. In den Regenrennen in Kanada und auf dem Nürburgring spielte Wurz aber seine Routine aus und holte mit den Plätzen drei und vier zwei absolute Topergebnisse.

Wurz will sich in Zukunft verstärkt seiner Familie widmen. Seine Frau Julia hatte erst vor etwas mehr als einer Woche den dritten gemeinsamen Sohn Oscar zur Welt gebracht. "Meine Frau ist die größte Trophäe, die ich in 10 Jahren Formel 1 gewonnen habe. Sie hat mir drei supertolle, gesunde Burschen geschenkt. Es gibt einfach nichts Schöneres."

WURZ IM INTERVIEW

Die Entscheidung ist getroffen. Wie schwer ist sie Ihnen gefallen?

Wurz: "Das ist für jeden Sportler schwierig, aber ich wollte den
Zeitpunkt nicht versäumen. Ich habe mir in meiner Karriere immer
vorgenommen, dann zurückzutreten, wenn auch nur die geringsten
Zweifel aufkommen. Wenn ich nicht mehr jeden Tag bereit bin, 110
Prozent zu geben. Das ist ein Prozess, in dem man natürlich sehr viel
nachdenkt."

Welche Rolle hat Ihre Familie dabei gespielt?

Wurz:
"Vielleicht eine im Unterbewusstsein. Vordergründig war es die
Summe der Energieaufwände. Die Formel 1 ist die absolute Spitze. Da*
musst du immer zu 110 Prozent da sein. Den Druck spürst du jeden Tag. Ich habe jetzt zehn Jahre Stress gehabt. Das will ich mir nicht mehr ständig antun."

Wird die Zusammenarbeit mit Williams auf eine andere Art und Weise fortgesetzt?

Wurz:
"Wir haben bei Williams eine super Zusammenarbeit gehabt. Wir
waren einfach alle auf einer Wellenlänge. Aber im Moment ist das
nicht spruchreif. Ich werde das in aller Ruhe mit Frank Williams
besprechen. Ich werde aber sicher kein ganzes Jahr im Einsatz sein.
Das ist vorbei. Meine Mission ist erfüllt. Das heißt aber nicht, dass
ich überhaupt nicht mehr im Motorsport tätig sein will."

Was sind dann Ihre beruflichen Pläne?

Wurz: "Fad wird mir sicher nicht. Ich habe einen ultragroßen Haufen
Arbeit, was die Verkehrssicherheit betrifft. Da ist viel zu tun. Aber
zusammen mit der Formel 1 war mir das alles schon ein bisschen zu
viel. Ich muss unbedingt einen Gang zurückschalten."

Williams hat Ihnen nach sechs Jahren als Testfahrer noch einmal das Vertrauen geschenkt, Rennen zu fahren.

Wurz: "Das hat mir irrsinnig getaugt. Es war eine echte Bestätigung.
Denn der schwerste Grand Prix war sicher der außerhalb der
Rennstrecke. Das Vertrauen eines so erfolgreichen Teams war
gigantisch. Und immerhin haben wir uns in der Konstrukteurs-WM vom
achten auf den vierten Platz verbessert."

Nicht zu vergessen Ihr dritter Platz im Juni in Montreal. Was war das für ein Gefühl?

Wurz: "Es war einfach genial. Mit diesem Team auf das Podest zu
fahren, war ein toller Augenblick. Fast ein bisschen kitschig, wenn
man bedenkt, dass ich dort genau zehn Jahre davor mein Debüt gegeben habe. Das Geschäft ist hart, aber ich bin zurückgekommen. Darauf kann ich stolz sein und das kann ich auch mit nach Hause nehmen."

Mit nach Hause zu Ihrer Frau und Ihren drei Kindern. Was bedeutet Ihnen die Familie, für die Sie jetzt ein wenig mehr Zeit haben werden?

Wurz: "Meine Frau ist die größte Trophäe, die ich in 10 Jahren
Formel 1 gewonnen habe. Sie hat mir drei supertolle, gesunde Burschen geschenkt. Wenn ich bei ihnen bin, dann bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Es gibt einfach nichts Schöneres."

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