Mo, 16. Juli 2018

Aufregung um Nike

05.10.2007 15:53

Indianer-Sneakers lösen Rassismus-Debatte aus

Drei Jahre lang hat der US-Sportartikelhersteller Nike die Füße von mehr als 200 Indianern aus rund 70 Stämmen vermessen. Das Ergebnis: Indianerfüße sind deutlich breiter und etwas höher als die eines Durchschnittsamerikaners. Mit der erklärten Absicht, die Gesundheit einer Randgruppe fördern zu wollen, entwarf das Unternehmen den Turnschuh "Air Native N7". Doch das vermeintlich wohltätige Projekt bringt Nike in den USA arg in Bedrängnis: Betroffene werfen dem Konzern Rassismus vor.

Rassismus, Marketing-Gag oder ein wohltätiges Projekt für eine gebeutelte Randgruppe - am eigens für die Indianer in den USA entworfenen Turnschuh "Air Native N7" des US-Sportartikelherstellers Nike scheiden sich die Geister. Nike entwarf einen Schuh mit mehr Raum für die Zehen und verbesserter Fütterung, um "die gesundheitliche Situation der Ureinwohner zu verbessern", wie es Nikes Projektleiter Sam McCracken (siehe Bild) bei der Präsentation des Schuhs Ende September formulierte. Denn die rund 4,5 Millionen "Natives" sind nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC überdurchschnittlich dick und leiden mehr als doppelt so häufig unter Diabetes wie andere US-Bürger. Als Hauptgrund dafür gilt Bewegungsmangel.

Mit dem neuen Schuh wolle Nike die Indianer, die vor allem in weitgehend souveränen Reservaten leben, zum Sport animieren, beteuert die Firma. Profit habe man nicht im Sinn, betonte McCracken. Ab November wird der weltweit größte Sportartikelhersteller 10.000 Paar Schuhe um je 42,80 US-Dollar (rund 30 Euro) nicht im Handel, sondern ausschließlich über indianische Organisationen und Kliniken vertreiben. Der Gewinn von voraussichtlich 200.000 US-Dollar (rund 140.000 Euro) gehe an indianische Gemeinden, sagte der Nike-Manger.

Turnschuh im Sinne indianischer Philosophie
Der Name "Air Native N7" bezieht sich auf die indianische Philosophie der Siebten Generation: Wer handelt, soll stets die Auswirkungen auf die nächsten sieben Generationen bedenken. Kritiker bezweifeln jedoch, dass Nike mit dem Projekt lediglich Tradition und Gemeinnützigkeit im Sinn hat. So hat der spezielle Indianer-Schuh in den USA, wo Rassendiskriminierung ein hochsensibles Thema ist, eine heftige Diskussion ausgelöst. "Als ich von dem Projekt hörte, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte" sagte Sherman Alexie, Mitglied des nordamerikanischen Spokan-Stamms und Romanautor, der "New York Times". "Vielleicht hängen sie Traumfänger an den Schuh oder schmücken ihn mit Perlen und Stickern."

"Nike soll sich schämen!"
Auf der Internetseite der Zeitung "Beaverton Valley Times", Nikes Heimatstadt im US-Bundesstaat Oregon, toben seit der Vorstellung des Schuhs heftige Auseinandersetzungen. Während sich etliche schuhgeplagte Ureinwohner auf den "N7" freuen, sprechen andere von einem "billigen Marketing-Trick, um das Firmen-Image zu verbessern". Manche Leser werfen Nike sogar Ausbeutung und Rassismus vor. Eine indianische Frau postete im Web-Forum: "Ich bin selbst eine Ureinwohnerin und hatte noch nie Probleme, Schuhe zu finden. Die Unterstellung, dass alle Indianer breite Füße haben, finde ich schlicht rassistisch. Schämt euch!"

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