Sa, 23. Juni 2018

"Klassenkampf"

05.10.2007 11:26

Mehr Arbeit ist die größte Angst der Lehrer!

Angst um die Fenstertage, zusätzliche schriftliche Beurteilungen der Schüler und voller Stundenplan gleich nach den Sommerferien - lauscht man einer der Protestveranstaltungen der AHS-Lehrer gegen die Neue Mittelschule, wird schnell klar, wovor sich die Pädagogen in Wirklichkeit fürchten: mehr Arbeit! Und die Gewerkschaft gießt noch fleißig Öl ins Feuer und verbreitet Gerüchte.

Donnerstag, 13 Uhr: Wie in vielen anderen Schulen in ganz Österreich, sind auch die Klassenräume in einem Gymnasium in Wien Döbling menschenleer. Für die Schüler endete der Unterricht früher, nur die Pädagogen gingen nicht nach Hause. Die versammelten sich im Lehrerzimmer, um den Worten einer so genannten "Gewerkschafts-Organisationsreferentin" zu lauschen. Der Grund des Treffens: Mobil machen gegen die "Neue Mittelschule" der Ministerin Claudia Schmied. Und das mitunter auch mit Gerüchten und falschen Informationen.

Mehr Arbeit größte Angst der Lehrer
Bald wird klar, was die meisten "Professoren" an der Reform wirklich stört: Gesetzlich vorgeschriebener Dienst an den Fenstertagen (obwohl jetzt schon ein Muss, wird diese Regelung an vielen Schulen ignoriert). Schriftliche Beurteilung aller Schüler zweimal im Jahr. "Wir haben uns das ausgerechnet", sagt die Referentin. "Bei 200 Schülern würde das im Jahr um 140 Arbeitsstunden mehr bedeuten." Offensichtlich auch ganz schlimm: ein dichter Stundenplan ab dem ersten Unterrichtstag nach den Ferien. Zitat der Gewerkschafterin: "Da hat man dann ferienschwanger gleich die volle Arbeit."

Viele Schulen nahmen an den beiden Protesttagen gar nicht erst teil. Einige Lehrer sind - wie berichtet - über ihre eigene Interessenvertretung dermaßen "schockiert", dass sie ihre Mitgliedschaft in der Gewerkschaft kündigten.

Vizekanzler Molterer zeigt Verständnis
Die ÖVP-Spitze zeigt Verständnis für die Dienststellenversammlungen der AHS-Lehrer. Bei der Pressekonferenz im Rahmen der Klubklausur in St. Wolfgang meinte Parteiobmann Wilhelm Molterer, er verstehe gut, dass die AHS-Pädagogen ihre Sorge zum Ausdruck brächten: "Ich teile sie."

SPÖ hält "Proteste" für inakzeptabel
Scharf kritisiert hat die SPÖ die Dienststellenversammlungen der AHS- und BMHS-Lehrer. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina bezeichnete es als "inakzeptabel", dass die Lehrervertreter "auf dem Rücken der Schüler beinharte ÖVP-Parteipolitik in den Schulen betreiben".

Schmied-Lob in Zeitungsinseraten
Offenbar als eine Art Beruhigungspille für die Lehrer hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied in ganzflächigen Inseraten in mehreren Tageszeitungen (Freitag-Ausgaben) den Pädagogen Lob für ihre Arbeit ausgesprochen. Offiziell nimmt Schmied dafür den "Welttag der 'Lehrerinnen und Lehrer " zum "Anlass, um Ihnen für die großen Leistungen zu danken, die Sie für die Bildung und Ausbildung unserer Kinder und Jugendlichen erbringen".

Von Michael Pommer, Doris Vettermann und Krone.at

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