Mi, 20. März 2019
02.10.2007 16:23

"Roots & Grooves"

Maceo Parker: "Roots & Grooves"

Maceo Parker war noch nie ein Mann großer Worte. Viel lieber lässt der 64-Jährige, der bereits an der Seite von James Brown, Prince, George Clinton oder den Chilli Peppers spielte, sein Saxophon sprechen. Auf "Roots & Grooves" macht der Virtuose mit den flinken Fingern jedoch eine Ausnahme und beweist im Gedenken an Ray Charles gewaltiges Stimmpotential. Und noch eine Neuerung bietet die Doppel-Live-CD: Begleitet wird Maceo diesmal vom satten Sound der WDR Big Band Köln.

Im Juni 2004 verstarb mit Ray Charles einer der wohl einflussreichsten Blues-Musiker unserer Zeit. Drei Jahre später setzt ihm Maceo Parker mit dem Doppel-Live-Album "Roots & Grooves" ein musikalisches Denkmal. Mit an seiner Seite: Die WDR Big Band Köln, die Maceos unverwechselbaren Altsax-Sound mit üppigen Arrangements auf Songs wie "What I'd Say", "Hit The Road Jack" oder "I'm Busted" um eine weitere Note bereichert.

Dass allein wäre zwar schon genug Grund zur Freude, das wirkliche Highlight der ersten, acht Tracks umfassenden CD ist jedoch nicht Maceos Saxophon-Spiel, sondern wohl seine Stimme, die in Ray-Charles-Klassikern, vor allem in den Balladen "You Don’t Know Me" und "Georgia on My Mind", auf bemerkenswerte und fast unheimliche Weise dem Original nahe kommt. So klingt Weltschmerz: Kratzig, aber irgendwie sanft und zerbrechlich.

Doch Parker weiß natürlich, was er seinen Fans schuldig ist. Und so geht es auf CD 2 - "Back To Funk" - wieder gewohnt funky zur Sache. In Zusammenarbeit mit der 18-köpfigen Big Band und Maceos Rhythmusgespann - Drummer Dennis Chambers (früher bei P-Funk, derzeit bei Santana) und Bassist Rodney "Skeet" Curtis (früher bei P-Funk und Maceos eigener Band) - fettet Parker Originalstücke wie "Off The Hook", "Uptown Up" oder seine Funkhymne "Pass The Peas" aus den frühen Siebzigerjahren musikalisch nochmals auf.

Nach 14 Songs, egal ob Rhythm & Blues, Jazz oder Funk, hat Maceo Parker erneut sein musikalisches Ausnahmetalent unter Beweis gestellt und spielerisch alle Hürden gemeistert. Ein interessantes und vielschichtiges Album, das in keiner gut sortierten Sammlung fehlen darf. Oder wie Maceo es mit "Shake Everything You Got" zum Ausdruck bringt: Wer bei diesem Sound still sitzen bleibt, ist selber schuld.

10 von 10 herrlich groovenden Punkten

von Sebastian Räuchle

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