18.09.2007 16:00 |

Sprachfluss

Stolpersteine sind wichtig für die Sprache

Menschen, die ihre Sätze immer wieder mit „Ähs“ oder „Ähms“ unterbrechen, sind meist nicht sehr hoch angesehen. Doch diese so genannten Stolpersteine in der Sprache erfüllen neuesten Studien zufolge eine wichtige Funktion. Durch sie werden Menschen aufmerksamer und schwierige Wörter können leichter gemerkt werden.

"Versprecher sind, sofern sie nicht in starkes Stottern ausarten, das Salz in der Suppe des Sprachflusses", schreibt das Magazin "Bild der Wissenschaft" in seiner Oktober-Ausgabe. Wenn der Sprecher zögere, erwarte der Zuhörer etwas Schwieriges oder Ungewöhnliches - er höre besser zu und merke sich das Gesagte länger. Das in Stuttgart erscheinende Magazin bezieht sich auf drei Studien aus Schottland und den USA.

„Ähs“ machen aufmerksam
Die Sprachwissenschafterin Jennifer Arnold (University of North Carolina/USA) zeigte Probanden Gegenstände auf einem Bildschirm und bat sie, nach Ansage einen Cursor zu diesen Bildern zu verschieben. Dabei wurden die Augenbewegungen beobachtet. Das Ergebnis: Die Augen der Probanden sprangen nach „Ähs“ häufiger zu neuen Objekten, bei flüssigen Ansagen blieben sie eher an Objekten hängen, die bereits genannt worden waren. Arnold sieht das als Indiz, dass die Testpersonen Unbekanntes erwarteten.

Leichter schwierige Wörter aufnehmen
Marta Kutas und Steven Hillyard (beide University of California in La Jolla/USA) ließen Versuchspersonen bei zwei verschieden gesprochenen Sätzen zuhören - solchen mit erwartbarem und solchen mit überraschendem Ende. Dabei maßen sie die Stromspannung auf der Kopfhaut, ein Indiz für Sprachverarbeitung. Das Ergebnis: Konnte der Proband das Wort leicht einordnen, war der Spannungsabfall gering. Fiel ihm das schwer, fiel die Spannung stärker. Bei unvorhersehbaren Wörtern, die mit „Äh“ eingeleitet wurden, war der Effekt geringer als in fehlerfreien Sätzen. Die Neurolinguistiker deuten das als Beweis, dass es den Testpersonen leichter fiel, mit Unerwartetem umzugehen, wenn sie durch ein „Äh“ gewarnt waren.

Der Psycholinguistiker Martin Corley (University of Edinburgh/Schottland) bewies mit einem Gedächtnistest, dass sich die Zuhörer später besser an alle Worte nach einem „Äh“ erinnern konnten, egal ob sie leicht vorhersagbar waren oder nicht.

Symbolbild

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