14.09.2007 16:29 |

F1-Spionageaffäre

Hammer-Strafe gegen McLaren-Mercedes

Der Automobil-Weltverband FIA hat am Donnerstagabend in Paris eine drakonische Strafe gegen das Formel-1-Team McLaren-Mercedes verhängt. Dem englischen Rennstall wurden wegen der Spionage-Affäre alle Punkte in der diesjährigen Konstrukteurs-WM aberkannt. Zudem muss McLaren eine Geldstrafe in der Höhe von 100 Millionen Dollar (umgerechnet rund 72 Millionen Euro) zahlen. Die möglichen Sanktionen für McLaren-Mercedes in der Spionage-Affäre der Formel 1 hatten bis hin zu einem Ausschluss aus der WM gereicht.

Die Fahrer-WM ist von dem Urteil allerdings nicht betroffen. McLaren-Rookie Lewis Hamilton führt damit vor dem Grand Prix von Belgien am Sonntag in Spa-Francorchamps weiterhin drei Punkte vor seinem Teamkollegen und Titelverteidiger Fernando Alonso. Die FIA begründete die Verschonung der Fahrer mit "besonderen Umständen". Der Weltverband hatte den Piloten bei entsprechender Kooperation in den Ermittlungen Immunität in Aussicht gestellt. In der Konstrukteurs-WM dagegen führt nun Ferrari klar vor BMW und Renault.

Mercedes-Chef Haug: "Urteil ist ein Schock"
"Dieses Urteil ist ein Schock für alle im Team", meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "Wir kämpfen jetzt erst recht mit aller Entschiedenheit weiter, um auf der Rennstrecke Antworten zu geben und neben der Rennstrecke vor Gericht Gerechtigkeit zu finden." Ferrari dagegen zeigte sich in einer offiziellen Stellungnahme "erfreut, dass die Wahrheit ans Tageslicht gekommen ist". McLaren habe den Artikel 151c des Internationalen Sport-Codes gebrochen. FIA-Präsident Max Mosley sprach von "Gerechtigkeit".

McLaren-Team fühlt sich unschuldig
McLaren hat sich gegen die Verurteilung durch die FIA zur Wehr gesetzt. "Die Beweise zeigen deutlich, dass wir keine durchgesickerten Informationen benutzt haben, um einen Wettbewerbsvorteil zu erhalten", betonte das Team von Ron Dennis neuerlich in einer Stellungnahme. "Als Anwesender beim heutigen Meeting akzeptiere ich nicht, dass wir es verdient haben, auf diese Art bestraft zu werden."

Die FIA habe Statements aller 140 Ingenieure erhalten, die allesamt versichern, niemals Ferrari-Daten erhalten zu haben. Die Fahrer Fernando Alonso, Lewis Hamilton und Pedro de la Rosa sollen in ihren Angaben ebenfalls kategorisch ausgeschlossen haben, dass McLaren jemals vertrauliche Informationen verwendet habe. Dass die Daten in Besitz eines ehemaligen Angestellten (Mike Coughlan) gewesen waren, habe das Team nie dementiert.

Ausgelöst hatte die Affäre der ehemalige Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney, der dem inzwischen ebenfalls entlassenen McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan 780 Seiten geheimes Ferrari-Informationen zugespielt haben soll (Chronologie in der Info-Box). Coughlan hat sich inzwischen offiziell dafür entschuldigt, das Material angenommen zu haben, Stepney weist jede Schuld von sich. Auch McLaren hatte bis zuletzt bestritten, von den Ferrari-Daten profitiert zu haben.

Neue Beweise ausschlaggebend
Mangels schlüssiger Beweise war McLaren daher nach einer ersten Anhörung am 26. Juli zwar für schuldig befunden worden, eine Strafe aber ausgeblieben. Durch die Kooperation der Fahrer und weitere Recherchen seien allerdings neue Beweise ans Tageslicht gelangt - darunter umfangreiche Protokolle von Telefonaten zwischen Stepney und Coughlan sowie E-Mails, die Alonso und Ersatzfahrer Pedro de la Rosa angeblich ausgetauscht haben.

Die Anhörung in zweiter Instanz hatte sich am Donnerstag über mehrere Stunden hingezogen, ehe der 26-köpfige Weltrat sein Urteil fällte. Im Gegensatz zu Weltmeister Alonso, der sich bereits in Spa eingefunden hatte, waren Hamilton und De la Rosa am Vormittag gemeinsam mit der Teamführung im FIA-Hauptquartier in Paris anwesend gewesen. Der Spanier hatte seine Informationen bereits in der Vorwoche zur Verfügung gestellt.

Im Dezember Entscheidung über weitere Sanktionen
Während Hamilton betonte, dass man "als Team zusammenhalten" müsse, steht für Alonso nun einzig und allein die Fahrer-WM im Mittelpunkt. Bei den Konstrukteuren kann McLaren heuer ohnehin keine Punkte mehr machen. In der kommenden Saison steht das Topteam in der Boxengasse damit ganz hinten. Damit nicht genug: Im Dezember 2007 will die FIA nach erhalt eines vollständigen technischen Bericht über mögliche weitere Sanktionen entscheiden.

Durch die Team-WM verliert McLaren auch viele Dollar-Millionen aus TV-Einnahmen, Das entgangene Einkommen wird laut FIA-Urteil aber von den 100 Millionen Dollar Geldstrafe abgezogen. "Das ist sehr viel Geld, aber McLaren kann sich das leisten", meinte Ex-McLaren-Pilot Gerhard Berger. Der Tiroler - nun Mitbesitzer der Scuderia Toro Rosso - betonte, dass falsches Handeln in der Formel 1 auch bestraft werden müsse. "Außerdem ist es wichtig für den Sport, dass die Fahrer-WM nicht beeinflusst worden ist", ergänzte Alexander Wurz. Der österreichische Williams-Pilot hatte bis 2005 als Testfahrer für McLaren gearbeitet.

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