11.09.2007 19:25 |

"Historisch"

Gül besucht Kurdengebiete

Der neue türkische Präsident Abdullah Gül ist am Dienstag zum Auftakt einer Besuchstour durch die Kurdengebiete in der südostanatolischen Stadt Van eingetroffen. Kurdische Politiker begrüßten die Geste des neuen Staatsoberhauptes, zum Auftakt seiner Präsidentschaft die lange Zeit von Ankara vernachlässigte Region zu besuchen.

Gül - im Bild mit seiner Ehefrau Hayrunnisa - will neben Van auch die Städte Hakkari, Siirt, Sirnak und Diyarbakir besuchen. Die Stadtverwaltung Vans hat zur Begrüßung Güls gar 10.000 Rosen geordert - als Anspielung auf den Nachnamen des Präsidenten, der „Rose“ bedeutet. Bürgermeister Burhan Yenigün unterstrich im Vorfeld des Besuchs, die Bürger seiner Stadt hätten unabhängig davon, wem sie bei den Parlamentswahlen am 22. Juli ihre Stimme gegeben hatten, große Sympathien für Gül.

„Historische Bedeutung“
Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen hatte die regierende islamisch orientierte AKP („Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“) - deren Vizechef Gül vor seiner Wahl war - starke Stimmengewinne in den Kurdengebieten verzeichnen können. Auch die als unabhängige Kandidaten angetretenen Bewerber der pro-kurdischen Partei DTP („Partei für eine Demokratische Gesellschaft“) erzielten große Erfolge.

 DTP-Fraktionschef Selahattin Demirtas nannte es bedeutend, dass Gül seinen ersten Besuch innerhalb der Türkei in Südostanatolien absolviere. „Dieser Besuch hat eine historische Bedeutung und beinhaltet eine wichtige Botschaft. Wir wünschen uns, dass der Präsident Pluralismus, kulturelle Vielfalt, Einheit und Brüderlichkeit betont“, sagte Demirtas.

Der Besuch werde die Menschen in der Region, die sich vernachlässigt und missachtet gefühlt hätten, motivieren, neuen Mut zu schöpfen, sagte der DTP-Abgeordnete Hasip Kaplan. Die Besuche der Vorgänger Güls, Süleyman Demirel und Ahmet Necdet Sezer, hätten keine Verbesserungen gebracht. „Wir hoffen, dass der Besuch Güls einen Beitrag zur Lösung des Terrorismus-Problems leisten wird“, meinte der AKP-Abgeordnete aus Hakkari, Abdulmuttalip Özbek.

PKK-Terror kostete 37.000 Menschen das Leben
In den Kurdengebieten kämpfen seit 1984 Rebellen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gegen die Regierung. Seither sind 37.000 Menschen getötet worden. Die Kurdenprovinzen sind die ärmsten der Türkei, mit der höchsten Arbeitslosigkeit und Analphabetenrate.

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