Fr, 17. August 2018

Medizin-Phänomen

29.08.2007 12:18

Sommerkinder sind häufiger kurzsichtig

Der Geburtsmonat scheint einer israelischen Studie zufolge Auswirkungen auf die Sehkraft zu haben. Wissenschaftler von der Universität Jerusalem haben festgestellt, dass im Sommer Geborene häufiger an Kurzsichtigkeit leiden. Warum genau das so ist, wissen die Forscher auch nicht, sie glauben aber, dass die unterschiedlichen Mengen an Tageslicht, denen die Mütter oder die Kinder kurz nach der Geburt ausgesetzt sind, dafür verantwortlich sind.

Die Wissenschaftler um Yossi Mandelhaben insgesamt 276.911 Männer und Frauen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren anhand von Aufzeichnungen bei der militärischen Musterung unter die Lupe genommen. 29,9 Prozent der Erfassten waren kurzsichtig. 8,7 Prozent von ihnen wiesen Sehschwächen von mehr als drei Dioptrien, 2,4 Prozent sogar von mehr als sechs Dioptrien auf. Auffällig war, dass die höchste Rate an Kurzsichtigen bei jenen Personen auftrat, die in den Sommermonaten Juni und Juli geboren wurden. Die niedrigste Rate an Kurzsichtigen gab es unter den Dezember- und Jänner-Geborenen.

Lange Tage, wenig Sehkraft
Die Häufigkeitsverteilung zeigte dabei das gleiche Muster, wie es auch die Tageslänge im Verlauf des Jahres zeigt. Je länger die Tage sind, desto größer war auch die Wahrscheinlichkeit, eine starke Kurzsichtigkeit zu entwickeln. Eine Erklärung für dieses Ergebnis gibt es allerdings nicht.

Auch Hormone sind im Spiel
In Versuchen mit Hühnern haben Forscher festgestellt, dass die Augäpfel bei permanenter Helligkeit ungewöhnlich in die Länge wachsen. Und das passiere beim kurzsichtigen Menschen ebenso. Die Wissenschaftler vermuten, dass dieser Effekt wahrscheinlich auf den Einfluss des Hormons Melatonin, dessen Bildung durch Tageslicht gehemmt wird und das unter anderem den Tag-Nacht-Rhythmus steuert, zurückzuführen ist.

Unklar ist auch, ob dieser Effekt dadurch zustande kommt, dass die Neugeborenen selbst im Sommer mehr Tageslicht ausgesetzt sind oder ob er schon während der letzten Schwangerschaftswochen indirekt über die Mütter entsteht.

Die Studie sei sehr interessant, obwohl eine logische Erklärung des Phänomens fehle, so Stefan Pieh von der Universitätsklinik für Augenheilkunde der Medizinischen Universität Wien. Er könne sich dennoch vorstellen, dass die Helligkeit einen Einfluss auf die Sehschwäche habe. Das liege aber im experimentellen Bereich, meint der Experte abschließend. (pte)

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