Mo, 25. Juni 2018

Gipfel der Gewalt

16.08.2007 15:40

Über 400 Tote bei Serie von Anschlägen im Irak

Die Gewalt im Nordirak hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Allein bei vier Anschlägen in zwei Dörfern sind, wie sich nach und nach herausgestellt hat, zwischen 400 (laut Ministeriums-Angaben) und 500 Menschen ums Leben gekommen. Und die Anschlagsserie geht weiter: Bei der Explosion einer Autobombe in Bagdad am Donnerstag sind weitere sieben Menschen getötet worden.

Terroristen hatten am Dienstagabend vier mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge zur Explosion gebracht. Hunderte wurden verletzt. In den beiden betroffenen Dörfern leben Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden (Yazidi). Der Generaldirektor des Krankenhauses der Kreisstadt Sinjar, Kifah Mohammed, hatte zuvor von 350 Getöteten und rund 500 Verwundeten gesprochen. Krankenhausärzte und Behördensprecher in der Stadt hatten erklärt, bei der Explosion seien zwischen 220 und 500 Menschen getötet worden.

Explosion zerstörte Fläche von einem Quadratkilometer
Dakheel Qassim Hasoun, der Bürgermeister von Sinjar, zu der die beiden Dörfer gehören, sagte: „Das ist das größte Massaker in der Geschichte von Sinjar. Die Explosionen haben auf einer Fläche von einem Quadratkilometer alles zerstört.“ Der Polizeichef der Stadt, Scheich Saed Shangari, erklärte: „Wir hatten Geheimdienstinformationen erhalten, dass die Terroristen in Sinjar Anschläge verüben wollten.“ Daraufhin seien die Sicherheitsmaßnahmen in der Stadt verschärft worden, weshalb die Attentäter ihre Sprengsätze schließlich in den Dörfern südlich von Sinjar zur Explosion gebracht hätten.

Die Behörden verhängten eine Ausgangssperre rund um den Anschlagsort. Beim Transport von Verletzten halfen US-Soldaten. Ein Teil der Verwundeten wurde nach Dohouk an der Grenze zur Türkei gebracht. Sinjar liegt nahe der syrischen Grenze. Das Blutbad löste in Bagdad und auch international Empörung aus. Der irakische Staatspräsident Jalal Talabani, ein Kurde, erklärte, dieses „verabscheuungswürdige Verbrechen“ sei ein weiterer Beweis dafür, dass der „schwarze Terror“ derjenigen, die andere zu Ungläubigen erklärten, niemanden im Irak verschone.

„Irakische Karte mit Blut neu zeichnen“
Auch der sunnitische Rat der Religionsgelehrten verurteilte den Anschlag. Er machte die „Besatzungstruppen und die Regierung“ für den Mangel an Sicherheit verantwortlich und erklärte, hinter der Bombenserie steckten Menschen, die versuchten, „die irakische Landkarte neu zu zeichnen“ und die demographischen Verhältnisse zu ändern.

Sieben Tote nach Anschlag in Bagdad
Bei der Explosion einer Autobombe in einem Geschäftsviertel in Bagdad sind am Donnerstag mindestens sieben Menschen getötet und zwölf verletzt worden. Das Auto war nach Polizeiangaben auf einem Parkplatz in der Nähe von mehreren Geschäften abgestellt.

US-Kommandant für Verringerung der Streitkräfte im Irak
Der Kommandant der US-Streitkräfte im Irak hat sich trotz der Anschläge dafür ausgesprochen, die Truppenstärke im nächsten Jahr zu verringern. Er bereite entsprechende Empfehlungen vor, die er im September dem Kongress vorlegen werde, sagte General David Petraeus am Mittwochabend in Bagdad. Zurzeit befinden sich im Irak mehr als 160.000 US-Soldaten, ein Höchststand. Petraeus wandte sich aber zugleich gegen Forderungen nach einem schnellen und weitreichenden Abzug. Dies würde die erreichten Fortschritte gefährden, „für die wir so hart gekämpft haben“. Dass dies nicht sinnvoll wäre, zeigten auch die jüngsten Anschläge im Nordwesten des Landes.

Höchststand an Selbstmorden unter US-Soldaten
Die Selbstmordrate unter US-Soldaten ist unterdessen auf den höchsten Stand seit 26 Jahren gestiegen. Wie aus einem Bericht des Pentagon hervorgeht, nahmen sich im vergangenen Jahr 99 US-Soldaten das Leben. Das entspricht einer Rate von 17,3 Fällen je 100.000 Soldaten. Die meisten Selbstmorde wurden demnach von Soldaten verübt, die im Irak im Einsatz waren. Auch die meisten Selbstmordversuche gab es in dieser Gruppe. „Es bestand eine signifikante Beziehung zwischen Selbstmordversuchen und der Anzahl von Stationierungstagen“ im Irak oder in Afghanistan, heißt es in dem Bericht.

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