08.07.2007 19:03 |

Temelin-Skandal

Prag verheimlicht die Hälfte aller Störfälle

Dass das Melker Abkommen zu Temeln offensichtlich nicht einmal das Papier wert ist, auf dem es geschrieben steht, deckten heimische Atomgegner auf. Denn die tschechischen Behörden sollen elf der 20 schwereren Störfälle (von den mittlerweile mehr als 100 Pannen) im grenznahen Meiler vertuscht haben! Das heimische Umweltministerium kündigte eine Prüfung an.
Wie vereinbart, müsste Prag alle Zwischenfälle ab Stufe 1 auf der von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO eingeführten Störfälle-Skala dem österreichischen Umweltministerium binnen 72 Stunden melden. Zur Erklärung: Stufe 7 war der Super-GAU in Tschernobyl. Die auch vom "Atomfürsten" Karl Schwarzenberg propagierte Transparenz nehmen unsere Nachbarn aber offensichtlich nicht sehr genau.


Wie heimische Atomgegner nun aufdeckten, sollen die Tschechen die Regierung ordentlich verschaukelt haben. Denn die Hälfte aller schwereren Pannen seit 2000 seien verheimlicht worden! "Nach den Papieren des Tschechischen Staatsamtes für Kernsicherheit gab es in diesem Zeitraum 20 INES-1-Ereignisse. Doch nur neun wurden gemeldet", empört sich Roland Egger von der "Atomstopp Oberösterreich".


Ausgefallene Pumpen, radioaktives Wasser

Diese elf nicht gemeldeten Störfälle (die "Krone" hat die genaue Liste) in den vergangenen sieben Jahren betreffen beide Blöcke im umstrittenen grenznahen südböhmischen Meiler. Unter anderem geht es um undichte Kühlsysteme, Pumpen- oder Elektronikausfälle sowie ausgetretene radioaktive Kühlflüssigkeit.


Mit diesen Angaben konfrontiert, kündigte das Umweltministerium eine genaue Prüfung an - damit ist für zusätzliche Brisanz vor der ersten Sitzung der Interparlamentarischen Kommission am kommenden Mittwoch gesorgt.

 

Von Christoph Budin
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