05.07.2007 11:00 |

Tagelang geschabt

Häftling wollte durch Loch in Zellenwand fliehen

Durch ein Loch in der Zellenwand ausbrechen - das wollte ein als Einbrecher verurteilter Iraker in der Justizanstalt St. Pölten. Der Plan wurde durch einen Justizwachebeamten vereitelt. Er bemerkte die Lücke bei der Morgenvisite und bereitete den Freiheitsgelüsten des U-Häftlings und seiner Mitgefangenen ein Ende.

Der staatenlose Asylant aus dem Irak saß seit Februar des Jahres in U-Haft. Er war nach einem Einbruch der Polizei ins Netz gegangen. Doch mit seinem Schicksal als Häftling wollte sich der 28-Jährige nicht abfinden - und schmiedete in der engen Gemeinschaftszelle einen geheimen Fluchtplan!

"Der Verdächtige bastelte sich aus den Metallteilen der Fernsehhalterung Grab- und Bohrwerkzeuge und legte in der Nacht auf Dienstag los", so Oberstleutnant Erich Huber-Günsthofer. Während die Mithäftlinge auf jedes Geräusch vom Gang achteten - um nur ja nicht bemerkt zu werden -, kratzte sich der Iraker Zentimeter um Zentimeter durch die Wand. Schaufelte fieberhaft Aushubmaterial in Eimer, die er mit Kleidung zudeckte.

Häftlinge wollten über Lüchtungsschacht fliehen
"Insgesamt dürfte er drei bis fünf Stunden am Werk gewesen sein", so ein Beamter. Doch die Ausbrecher wurden nicht fertig - und mussten ihren Plan, über den Lüftungsschacht ins Dachgeschoss zu entkommen, begraben, als das Fluchtloch bei der Morgenvisite entdeckt wurde.

"Die fünf Insassen wurden auf andere Zellen aufgeteilt und verhört, inwieweit sie geholfen haben", erklärt Oberstleutnant Huber-Günsthofer. Alle Fragen werden wohl nie geklärt werden, es gehört zum ungeschriebenen Ehrenkodex von Gefangenen, über Ausbruchspläne nicht zu sprechen. Justizministerin Maria Berger sprach dem aufmerksamen Justizwachebeamten ihr Lob aus.

Von Florian Hitz

Samstag, 08. Mai 2021
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