10.10.2002 10:47 |

Ralf Schumacher

"Hätte ich auch gekonnt"

"Aber bei allem Respekt vor seinen Leistungen glaube ich, dass Juan Pablo Montoya und ich das auch gekonnt hätten»,
Vor seinem runden Jubiläum in Suzuka greiftRalf Schumacher seinen Bruder Michael an und spricht ihm die Ausnahmestellungauf der Rennstrecke ab. «Fraglos ist Michael einer der bestenPiloten, die die Formel 1 je gesehen hat. Es gibt aber drei Fahrer,die das gleiche Potenzial haben, aber nicht die Möglichkeit.Bei Williams fahren zwei von ähnlichem Kaliber», sagte«Schumi II» vor seinem 100. Grand-Prix.
 
«Ich will Michael nichts absprechen. Aberbei allem Respekt vor seinen Leistungen glaube ich, dass JuanPablo Montoya und ich das auch gekonnt hätten», meintder kleine Bruder mit Blick auf den roten «Wunder-Ferrari».
 
Spektakuläre Rad-an-Rad-Duelle im neuen Jahrkämen gerade recht, denn die Formel 1 steht am Scheideweg:Vor dem letzten Saisonrennen hat in der Königsklasse desMotorsports ein erbitterter Richtungsstreit begonnen. Mit allerGewalt wollen die Bosse die Langeweile vertreiben und mit teilweiseaberwitzigen Regeländerungen künstlich für Spannungsorgen. Schließlich springen Sponsoren ab, schalten Fernsehzuschauerihre TV-Geräte aus. Gerüchte über eine Konkurrenz-Seriesorgen für Unruhe. Der Prost-Rennstall ist bereits Pleitegegangen und Arrows ist wohl auch nicht mehr zu retten. Fast überallfehlt das Geld.
 
Ausgerechnet der fünfmalige Weltmeister Schumacher,der in Suzuka seinen 179. Grand Prix fährt, und die TraditionsmarkeFerrari haben ihren Sport mit der wohldurchdachten Stallregievon Spielberg und dem missglückten Foto-Finish von Indianapolisin Misskredit gebracht. Für die Langeweile durch die sportlicheÜberlegenheit konnten sie nichts, Schumacher und sein Dienstwagenwaren in diesem Jahr das Maß aller Dinge. In 16 Rennen fuhrder 33-Jährige gleich 16 Mal auf das Siegespodest. Zehn Malgewann er, war fünf Mal Zweiter und ein Mal Dritter. Insgesamt14 Mal war Ferrari in dieser Saison vorne, feierte acht Doppelsiegedurch den «Schuminator» und dessen «Wasserträger»Rubens Barrichello (Brasilien). Die Rekorde purzelten.
 
Beim Großen Preis von Japan will der besteFahrer aller Zeiten noch einmal Vollgas geben. «Das istnun mal das letzte Saisonrennen, und mit Sicherheit würdeich daher gerne gewinnen und mich mit einem Sieg in den Winterurlaubverabschieden», sagte Schumacher, der Karriere-Sieg Nummer64 feiern würde. Bruder Ralf hat seit seinem Debüt 1997gerade einmal vier Erfolge eingefahren. «Ich habe mir dasZiel gesetzt, auf jeden Fall bis Mitte 30 durchzuhalten»,kündigte der jüngere Bruder in einem Interview mit «Auto,Motor und Sport» an.
 
Für die «Kronprinzen» geht esin Suzuka nur noch um die Bronzemedaille: «Schumi II»(42 Punkte) hat genauso wie sein Partner Juan Pablo Montoya (Kolumbien/47)und Silberpfeil-Lenker David Coulthard (Schottland/41) noch Chancenauf den Platz hinter «Meister» Schumacher und «Vize»Barrichello. Sauber-Pilot Nick Heidfeld kämpft ohne seinenneuen Teamkollegen Heinz-Harald Frentzen um Platz fünf inder Konstrukteurswertung.
 
Unterdessen gerät vor allem der «gewichtige»Vorschlag von Max Mosley, dem FIA-Präsidenten, und BernieEcclestone, dem Formel-1-Chef, in die Kritik. «Man darfnicht einfach das beste Auto und das beste Team bestrafen, nurweil es gewinnt», sagte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo.«Einfach abstrus» findet Willi Weber, der Managerder Schumacher-Brüder, die Gedankenspiele. «Da entwickelndie Teams mit einem ungeheuren technischen und finanziellen Aufwand,und dann packen ihnen die Rennkommissare Zusatzgewichte ins Auto»,wunderte er sich.
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