03.05.2007 08:06 |

Nach Quoten-Absturz

ORF reformiert nach nur drei Wochen seine Reform

Ob es peinlich ist, nur 22 Tage nach der "größten Programmreform aller Zeiten" die Reform ebendieser anzukündigen - darüber wird sich wohl jeder (ORF-Seher) sein eigenes Bild machen. Ein ebenfalls klares Wort sprechen die abgrundtiefen Quoten, mit denen der Gebührenzahler dem neuen Programm eine klare Abfuhr erteilte.

Am Mittwoch musste ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz dem Publikumsrat zum ersten Mal seit Reformstart Rede und Antwort stehen. Alles andere als ein Triumphmarsch sondern vielmehr ein Canossagang bei dem er um Abbitte für großspurige Versprechungen und Erklärungsbedarf für die quotenkränkelnde und somit fehlgeschlagene Vorabendschiene leisten musste.

"Ich übernehme die volle Verantwortung", sagte er vor dem aus 35 Mitgliedern bestehenen ORF-Gremium. Der Vorsitzende des Programm-Ausschusses Andreas Kratschmar ortete in dem Herzstück der Wrabetzschen Reform, der Daily Comedy "Mitten im Achten" (Bild) "einen Bauchfleck mitten im Seichten" und sieht darin "einen wenig verborgenen Versuch der Publikumsbeschimpfung!"

  • Aber nicht nur bei "MiA" herrscht dringender Reformbedarf, dem der ORF-Boss nachkommen will: "MiA" "werde überarbeitet", von Absetzung (auch jeglicher personeller Art) war am Mittwoch (noch) nicht die Rede. Ab Folge 30 (also in ca. 2 Wochen), so Programmchef Lorenz, sollen Veränderungen sichtbar sein. 
  • Von der wenig glorreichen Idee, die alte Serie "Julia" erneut ins Programm als Pausenfüller zwischen "Heute in Ö" und "Konkret " zu hieven, trennt man sich (da billiger) leichter: ein neues Servicemagazin wird jetzt aus dem Boden gestampft.
  • Weiters: Die Streifen im "ZiB"-Hintergrund kommen weg, die Wetterelemente sollen "um einige Aspekte bereichert", "szene" "thematisch breiter" werden und "wie bitte?" soll sich "mit starken Info-Inhalten etablieren".

Bis auf "Streifen weg!" wenig klare Ansagen nach diesem Dauer-Quotenabsturz (auch in den Kabel- und Satelliten-Haushalten sackte der ORF von 41,3 auf 37,9%). Eine fast unmögliche Reform-Reformarbeit? Denn welcher Vater bringt schon seine eigenen Kinder um?

Von Stefan Weinberger; Foto: ORF/Petro Domenigg

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