24.04.2007 15:26 |

Auch in Wien

2010 soll Gesamtschule in Wien realisiert sein

Die Wiener Bildungsstadträtin und Vizebürgermeisterin Laska will die Gesamtschule in Wien zwar erst 2009/10 einführen, dafür aber gleich flächendeckend die Hauptschule und die Unterstufe des Gymnasiums zusammenlegen. Bürgermeister Häupl meinte dazu, dass man schon für 2008/09 erste Gesamtschulen anstrebe. Er will erste Modelle der Gesamtschule in Wien "je früher desto besser" implementieren. Unterrichtsministerin Schmied begrüßt die angekündigten Schulversuche, ebenso den Vorschlag des niederösterreichischen Landeshauptmannes Pröll für eine Verlängerung der Volksschule von vier auf sechs Jahre. Sie freue sich über jeden Vorschlag für ein richtungsweisendes Denken, mit dem man "in die Tiefe einsteigen" könne.

Welche die ersten Standorte sein werden, wollte er unter Berufung auf die zuständigen Experten nicht sagen. Die Verhandlungen mit Unterrichtsministerin Schmied seien wie in den anderen Bundesländern noch nicht abgeschlossen.

"Einzelne Schulversuche interessieren uns nicht. Wir überlegen uns, wie wir eine Modellregion Wien machen können", sagte Stadtschulratspräsidentin Brandsteidl von der SPÖ. Ähnlich Laska: "In einem Ballungsraum macht das nur Sinn, wenn man in eine größere Fläche geht."

Der Vizepräsident des Wiener Stadtschulrates, Walter Strobl von der ÖVP, zeigte sich zum Schulversuch Gesamtschule grundsätzlich gesprächsbereit. Schmied müsse allerdings vorher erklären, was sie sich überhaupt konkret unter Modellversuchen zur gemeinsamen Schule vorstelle. Susanne Jerusalem, Gemeinderätin der Grünen, zeigte sich erfreut. Die Ankündigung Laskas für die Gesamtschule in ganz Wien habe die volle Unterstützung der Grünen.

FPÖ-Chef Strache sah darin dagegen einen "massiven Rückschritt zu einem realsozialistischen Bildungssystem". Die Misere in der österreichischen Bildungspolitik sei von den SPÖ/ÖVP-Regierungen in den letzten Jahrzehnten hausgemacht. Mit einer ideologisch motivierten Gesamtschule werde man dieser Fehlentwicklung jedoch nicht begegnen können, so Strache.

Unterichtsministerin optimistisch
Unterrichtsministerin Schmid geht davon aus, dass es ab dem Schuljahr 2008/2009 nicht nur in Kärnten, wo der Versuch bereits beschlossene Sache ist, sondern in insgesamt fünf Bundesländern Schulversuche für die Gesamtschule geben werde. "Vielleicht werden es auch noch mehr."

Auf die Kritik, dass sie ausgerechnet mit Kärntens Landeshauptmann Haider eine Vereinbarung getroffen habe, ging Schmied nicht direkt ein. Dass es sich bei dem Schulversuch nur um Aktionismus handle, wies die Unterrichtsministerin zurück.

Die ÖVP ist mit dem Projekt in Kärnten hingegen nicht glücklich: Bildungssprecher Neugebauer verlangte von der SPÖ eine Definition ihres Gesamtschul-Modells. Die Volkspartei wolle jedenfalls am differenzierten Schulsystem festhalten. Vizekanzler Molterer fand vor allem die "rot-orange Achse interessant". Ansonsten meinte er: "Mein Gott, testen wir es."

Donnerstag, 17. Juni 2021
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