20.03.2007 11:59 |

Freibeuterleben

Sid Meier's Pirates!

Mit "Sid Meier's Pirates!" feiert ein Klassiker der Computerspielgeschichte seine Auferstehung auf Sonys PSP. Der Mix aus Action, Strategie und Wirtschaftssimulation hat auch 20 Jahre nach dem ersten Erscheinen nichts an seiner Faszination eingebüßt.

"Sid Meier's Pirates!" entführt den Spieler in die Karibik, wo er wahlweise unter der Flagge der Briten, Franzosen, Spanier oder Holländer segelt, um - so die Hauptstory - seine einst entführte Familie zu finden und nebenbei Freibeuter der sieben Weltmeere zu werden. Jede Nation bringt dabei gewisse Vor- und Nachteile mit sich, beispielsweise wie viele Häfen zu Beginn des Spiels zur Verfügung stehen.

Leerer Bauch entert nicht gern
Ist diese Wahl erst einmal getroffen, kann der Spieler bereits mit einer kleinen Schaluppe in See stechen. Vorher empfiehlt sich jedoch das Anlaufen eines Hafens, wo Schiffe nicht nur mit Kanonen, festeren Segeln oder einer Kupferpanzerung aufgerüstet, sondern auch Vorräte aufgefrischt werden können. Lebensmittel, Waren, Luxusartikel oder Gewürze lassen sich im Frachtraum verstauen und bei nächster Gelegenheit an den Höchstbietenden weiterverkaufen.

Nicht weniger empfehlenswert ist ein Blick in die Schenke, in der sich abenteuerhungrige Seemänner anheuern lassen und Schankmädchen sowie Wirt die eine oder andere kostbare Information parat haben. Wer über entsprechendes Bargeld verfügt, der sollte hingegen mit dem mysteriösen Fremden reden: Der verkauft nicht nur Teile von Schatzkarten, sondern hält auch Extras parat, die das Freibeuter-Leben entscheidend verbessern können.

Zu guter Letzt kann während eines Landganges auch dem hiesigen Gouverneur ein Besuch abgestattet werden. Neben besonderen Aufträgen, beispielsweise die Eskortierung eines Schiffes, verrät der Verwalter auch, mit welchen Nationen man derzeit im Clinch liegt. Am Ende eines jeden Gespräches besteht zudem die Möglichkeit, mit der Tochter des Gouverneurs ein Tänzchen zu wagen. Wer zur rechten Zeit das richtige Knöpfchen drückt und der Dame somit nicht auf die Füße tritt, steigt in der Gunst und bekommt anschließend vielleicht sogar verraten, wo ein berüchtigter Pirat seinen Schatz vergraben hat.

Das Abenteuer ruft
Natürlich hält es einen echten Seebären aber immer nur kurze Zeit an Land. Also heißt es Anker lichten und in See stechen, um der Welt das Fürchten zu lehren. Beliebig lassen sich Schiffe angreifen, entern, plündern oder auch einfach nur versenken. Ausschlaggebend für den eigenen Erfolg ist die Truppenstärke: Je mehr Mann an Bord werkeln, umso schneller wird beispielsweise nachgeladen und umso eher lässt sich die feindliche Mannschaft beim Säbel-Duell nach dem Entern in die Knie zwingen.

In einer kleinen Action-Sequenz darf der Spieler dann die Klinge kreuzen. Gelingt es, den Gegner zurückzudrängen, gehen Schiff - bis zu fünf Schiffe können im Flottenverband segeln - und Fracht an den Spieler über. Mit etwas Glück laufen auch Experten wie Zimmermann, Kanonier oder Smutje über, um dem Schiff im Gefecht einen Bonus zu verleihen.

Meuterei auf der Bounty
Ungemütlich wird es immer dann, wenn Flaute herrscht und lange Zeit keine neuen Reichtümer im Schiffsbauch verschwinden. Die Mannschaft wird dann schnell mürrisch, verlässt nach und nach das Schiff und verlangt das Aufteilen der Beute. In diesem Fall bleibt der Spieler auf seinem Anteil und dem Flaggschiff sitzen und muss sich erneut auf die Suche nach Besatzung und Schiffen machen.

Wenn mal kein Schiff in der Nähe sein sollte, dann lassen sich auch feindliche Häfen übernehmen. Eine Übermacht an Piraten sollte den Soldaten der jeweiligen Stadt aber schon gegenüber gestellt werden, um die eigenen Truppen in einer Art Schachsequenz zum Sieg zu führen. Fällt die Stadt, kann der Spieler hier von nun an umsonst seine Flotte überholen lassen. Vom Gouverneur gibt es zudem vielleicht eine Beförderung und ein Stück Land, falls man sich doch irgendwann zur Ruhe setzen sollte.

Für zusätzliche Abwechslung sorgen auch Landgänge, bei denen sich der Spieler in Städte schleicht oder sich auf die Suche nach Schätzen macht. Fallen, Sümpfe und wilde Bestien können den Suchtrupp aber schnell dezimieren und die Schatzsuche vorzeitig beenden. Erreicht mindestens einer die mit einem X markierte Stelle, wird der Spieler mit Gold in rauen Mengen belohnt.

Die Grafik von "Sid Meier's Pirates!" erfüllt ihren Zweck, ist aber sicher nicht die schönste. Zoomt man weiter heran, lassen sich aber doch ein paar nette Details erkennen. Trotzdem muss sich der Spieler damit abfinden, dass sich Orte und Zwischensequenzen oft wiederholen. Auch beim Sound reagiert der Minimalismus, zur Untermalung des Gezeigten sind die karibischen Klänge aber absolut ausreichend.

Fazit: "Sid Meier's Pirates!" ist die Sorte Spiel, die die Zeit im Flug vergehen lässt. Auch ohne dem Hauptquest zu folgen verbringt man viele Stunden mit dem Aufbau und Aufleveln der Flotte, dem Plündern von anderen Schiffen und dem Erobern von Städten. Von Langeweile keine Spur. Etwas frustrierend war lediglich der Umstand, dass das Schiff bei Windflaute im Schneckentempo über den Bildschirm tuckert – das mag realistisch sein, dämpft aber das Spieltempo. Davon abgesehen: eine eindeutige Kaufempfehlung.

Plattform: PSP
Publisher: 2K Games
Krone.at-Wertung: 88%

von Sebastian Räuchle

Freitag, 18. Juni 2021
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